Die unerwünschten Fremdlinge

Reinach

Invasive Neophyten sind Pflanzen aus anderen Kontinenten, die einheimische Arten verdrängen. Eine Ausstellung klärt über die schädlichen Gewächse auf.

Beim Kirschlorbeer handelt es sich um eine aus Asien stammende Pflanze, die einheimische Gewächse verdrängt. Somit zählt er zu den invasiven Neophyten.

Beim Kirschlorbeer handelt es sich um eine aus Asien stammende Pflanze, die einheimische Gewächse verdrängt. Somit zählt er zu den invasiven Neophyten.

(Bild: Keystone)

Alex Reichmuth

Der Kirschlorbeer ist eine beliebte Gartenpflanze. Seine weissen Blüten gefallen vielen Leuten. Zudem bildet sein immergrünes Blätterwerk einen wirksamen Sichtschutz. Doch der Kirsch­lorbeer zählt zu den invasiven Neophyten, also zu den fremdländischen Pflanzen, die sich schnell verbreiten und darum Probleme bereiten. Er stammt nicht von hier, sondern aus Asien. Vögel fressen seine Beeren und verbreiten so seinen ­Samen. Vor allem im Wald verdrängt der Kirschlorbeer dann einheimische Arten. Doch die wenigsten Hobbygärtner wissen von diesen Vorgängen.

«Man muss die Bevölkerung darauf hinweisen, dass auch ­invasive Neophyten, die nicht verboten sind, Probleme bereiten können», sagt Marc Bayard, ­Leiter Umwelt und Energie der ­Gemeinde Reinach. Er betreut eine Ausstellung, welche die wichtigsten invasiven Neophyten zeigt, die bei uns unerwünscht sind. Die Ausstellung beim Gemeindehaus Reinach dauert noch bis nächste Woche. «Wenn die Leute merken, dass Neophyten praktisch nutzlos für unsere Insekten und Vögel sind, wächst auch das Verständnis für ihre Bekämpfung», so Bayard.

Das Drüsige Springkraut

Gewisse Neophyten zählen zu den verbotenen Pflanzen, das heisst, ihre Verbreitung und der Handel damit sind untersagt. Dazu zählt das Drüsige Springkraut, das rosa blüht und durch rasches Wachstum und dichte Bestände auffällt. Es verdrängt ebenfalls im Wald einheimische Pflanzen. Zudem wuchert das Springkraut an Flussufern. Wegen seines schwachen Wurzelwerks destabilisiert es das Flussbord und fördert so die Erosion.

Laut Gabriel Stebler, Ressortleiter beim kantonalen Amt für Umweltschutz und Energie (AUE), gehört das Drüsige Springkraut zu den drei Neophyten, die im Baselbiet am meisten Pro­bleme bereiten. «Zum Beispiel im Leimental gab es grosse Bestände davon, es wurde nun aber stark und erfolgreich bekämpft», sagt Stebler.

Die anderen beiden wichtigsten Problempflanzen im Kanton Baselland sind gemäss Gabriel Stebler der Japanische Knöterich, der ebenfalls Flussufer destabilisieren kann, sowie die Nordamerikanische Gold­rute. Die Goldrute mit ihrer gelben Blütenpracht war früher vor allem in Bauerngärten eine gern gesehene Pflanze, zählt nun aber ebenfalls zu den verbotenen Arten. Sie ist aber immer noch hier und verbreitet sich über unter­irdische Wurzelsprossen weiter. Auch bei der Goldrute ist die Verdrängung einheimischer Pflanzen das Problem.

Der Riesenbärenklau

Einige invasive Neophyten werden in der Ausstellung in Reinach nur auf Fotos gezeigt. Dazu zählt etwa der Riesenbärenklau, der gesundheitliche Risiken birgt. Kommt man mit ihm in Berührung, entwickeln sich bei Sonneneinstrahlung auf der Haut so etwas wie Brandblasen. Der Riesenbärenklau kann, wie sein Name sagt, mehrere Meter hoch werden und verdrängt ebenfalls einheimische Arten. Auch der Essigbaum aus Nordamerika gehört zu den Arten, dessen Saft gesundheitliche Beschwerden auslösen kann. «Er ist sehr vital und vor allem an warmen Standorten fähig, sich rasant auszubreiten», erklärt Marc Bayard.

Zwar nicht verboten, aber aus Naturschutzgründen ebenfalls unerwünscht ist der Sommerflieder. Mit seinen violetten Blüten ist er bei vielen Leuten allerdings sehr beliebt. «Viele Gartencenter verzichten mittlerweile zwar ­darauf, den Sommerflieder zu verkaufen», sagt Gabriel Stebler, «aber eben nicht alle».

Der Kanton Baselland hat eine Strategie ausgearbeitet, wie er invasive Neophyten bekämpft. Diese umfasst unter anderem eine Liste von Standorten, wo die Bekämpfung prioritär erfolgen soll. Allerdings hat der Landrat die ursprünglich vorgesehene finanzielle Ausstattung der Strategie auf die Legislatur ab 2020 verschoben, aus Spargründen. Vorgesehen war etwa eine Million Franken pro Jahr. Für die Jahre 2018 und 2019 hat das Parlament aber ein reduziertes Budget von je circa 300000 Franken gutgeheissen.

Basler Zeitung

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