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«Die Panikmache überrascht mich»

Die Ängste vor einem Salzabbau auf der Muttenzer Rütihard seien unbegründet, sagt Salinen-Chef Urs Hofmeier.

«Die Rütihard bleibt die Rütihard.» Der Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, Urs Hofmeier.
«Die Rütihard bleibt die Rütihard.» Der Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, Urs Hofmeier.
Keystone

BaZ: Herr Hofmeier, Sie sind Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG. Seit einigen Tagen laufen Probebohrungen für einen Salzabbau auf der Rütihard oberhalb Muttenz. Was soll genau erprobt werden?

Urs Hofmeier: Diese Probebohrungen sind schon lange geplant. Sie sind Teil der Feinplanung für das Bohrfeld Rütihard. Es geht darum zu erkunden, wo der südliche Rand der Salzschicht ist, und weitere wichtige geologische Erkenntnisse für den sicheren Salzabbau zu gewinnen. Ansonsten wissen wir bereits vieles über die Geologie – etwa, wie dick die Salzschichten sind und wie rein das Salz ist. Es gab ja auf der Rütihard Probebohrungen seit den 80er-Jahren.

Die Resultate der Probebohrungen sollen von unabhängigen Experten ausgewertet werden. Warum?

Natürlich werten auch unsere eigenen Geologen die Ergebnisse aus, um auf dieser Basis die Detailplanung der Salzgewinnung machen zu können. Der Wunsch nach unabhängigen Experten kam in den Gesprächen auf, die wir seit letztem März geführt haben. Uns wurde unterstellt, nicht transparent zu sein. Dem möchten wir entgegenwirken. Es gibt einige offene Fragen, die mit den Probebohrungen geklärt werden könnten – zum Beispiel, ob wir bei den Bohrungen auf Grundwasser stossen. Das würde auch den Kanton interessieren.

In der Rütihard soll ab 2025 Salz gefördert werden. Wie wichtig ist dieses Salzabbaugebiet für die Schweizer Salinen?

Es ist das zeitlich nächste Abbaugebiet für die Saline Schweizerhalle im kantonalen Konzessionsgebiet. Wir fördern derzeit Salz auf dem Grosszinggibrunn, einem Gebiet, das an der Grenze von Muttenz zu Pratteln liegt. Diese Salzschicht wird etwa 2025 erschöpft sein. Dann benötigen wir das nächste Bohrfeld. Die Rütihard ist am genausten untersucht und eignet sich am besten.

Sie gehen also immer von einem Bohrfeld zum anderen. Bedeutet dieses Vorgehen nicht ein Klumpenrisiko?

Nein. Wir gehen ja nicht sofort von einem Bohrfeld zum anderen. Vielmehr laufen vorbereitende Untersuchungen und Probebohrungen über Jahrzehnte. Dabei klären wir ab, welche Bohrfelder sich am besten eignen. Beispielsweise planen wir, nach 2075, wenn die Bohrfelder in der Nordwestschweiz erschöpft sind, in die Ajoie im Kanton Jura zu gehen. Wir haben dort schon erste Probebohrungen gemacht.

Es gibt in Muttenz nun aber heftigen Widerstand. Die IG «Rettet die Rütihard» um den Bauer Ruedi Brunner verteilt Flyer an jeden Haushalt. 6200 Personen haben eine Petition der FDP gegen den Salzabbau unterschrieben. Haben Sie mit so viel Widerstand gerechnet?

Nein, dieser heftige Widerstand hat uns in der Tat überrascht. Wir bauen in Muttenz seit 50 Jahren Salz ab und stiessen nie auf solche Opposition. Darum haben wir ursprünglich auch noch keine zusätzlichen Anstrengungen unternommen, um die Bevölkerung über unsere Aktivitäten auf der Rütihard zu informieren. Wir sind ja erst bei den Probebohrungen, und das detaillierte Projekt für das Einreichen des Baugesuchs muss erst noch erarbeitet werden.

Sie wollten die Probebohrungen ursprünglich schon letztes Jahr durchführen, haben sie dann aber verschoben. Wollten Sie damit Zeit gewinnen?

Nein, tatsächlich rennt die Zeit ja davon. Aber wir wollten mit der Bevölkerung einen Dialog führen. Wir sahen, dass das Wissen über die Salzgewinnung unvollständig ist und teilweise viele Fehlinformationen vorhanden sind. Es ging darum, uns Zeit zu nehmen, um sachlich zu informieren. Es gibt Leute, die sich bei uns informiert haben, und nachher gesagt haben, mit diesem Wissen hätten sie die Petition nicht unterschrieben. Auch die Petitionskommission des Landrats hat sich intensiv über unsere Pläne informiert und ist zum Schluss gekommen, dass die Umwelteingriffe nicht gravierend sind.

Können Sie den Widerstand kein bisschen nachvollziehen?

Dass jemand Zweifel äussert und seine Interessen einbringt, kann ich gut nachvollziehen. Inhaltlich kann ich den fundamentalen Widerstand hingegen nicht nachvollziehen. Alle können sich vergewissern, wie wir in Muttenz seit 50 Jahren Salz abbauen. Die Panikmache, die gewisse Gruppen betreiben, überrascht mich daher. Wir versuchen den Dialog zu pflegen und zu erklären, was wir genau tun. Zum Beispiel durch Führungen wie am nächsten Samstag.

Panikmache ist ein starker Begriff.

Ich kann nicht verstehen, aus welchen Gründen die Gegner solche unbegründeten Ängste schüren.

Die Rütihard ist ein Naherholungsgebiet. Dieses könnte beeinträchtigt werden, etwa durch Bauarbeiten und schwere Maschinen.

Wenn wir von Naherholungsgebiet reden, müssen wir uns bewusst sein, dass oben auf der Rütihard auch Landwirtschaft betrieben wird. Die Rütihard bleibt die Rütihard. Auch während der einjährigen Bauzeit werden Spaziergänge, Ausritte und Landwirtschaft zu jeder Zeit weiterhin möglich sein. Die Rütihard gehört nicht den Salinen und bleibt ein Raum für alle. Auf den Bohrplätzen schaffen wir sogar ökologische Nischen, wie sich gezeigt hat. Für die Natur sind diese Plätze ein Gewinn, denn sie erhöhen die Artenvielfalt. Eine Hecke etwa, die um einen Bohrplatz entstanden ist, stellt eine ökologische Abwechslung in der landwirtschaftlichen Umgebung dar. Natürlich gibt es für jede der vier Etappen während einem Jahr eine Baustelle. Die ist aber räumlich begrenzt, und nach Abschluss einer Etappe ist jeweils für fünf Jahre Ruhe.

Aber es müssen Lastwagen herumfahren.

Wir haben die Auflage, das Siedlungsgebiet von Muttenz zu umfahren. Die Bohrplätze sind von Münchenstein aus zugänglich, ohne Wohngebiete zu durchqueren. Dies machen wir auch jetzt während den Sondierbohrungen.

Der Lärm könnte aber zu einem Problem werden.

Sicher gibt es während der Bauzeit ein bestimmtes Mass an Lärm, das lässt sich leider nicht verhindern. Wir werden aber Vorkehrungen treffen, dass dieser so gering wie möglich ist. So stellen wir Schallschutzwände um die Bohrungen auf. Man darf nicht vergessen, dass die Bohrungen auf der Rütihard weg vom Dorf sind.

Wie steht es mit Verunreinigungen des Trinkwassers?

Es gibt auf der Rütihard keine Trinkwasserfassungen. Es gibt nur Druckerhöhungs-Reservoirs, die aber keinen Bezug zum Salzabbau haben. Wir sehen keine Möglichkeit, dass das Trinkwasser in Muttenz wegen des Salzabbaus verunreinigt werden könnte.

Weiter sind Absenkungen des Bodens ein Thema.

Es gibt in Muttenz Hausbesitzer, die sich fragen, ob ihre Liegenschaften durch Absenkungen beeinträchtigt werden könnten. Da können wir aber Entwarnung geben. Wir sind mit den Bohrplätzen so weit entfernt, dass dies ausgeschlossen ist.

Sie haben ein Streitschlichtungsverfahren mit zwei Mediatoren gestartet. Was erhoffen Sie sich davon?

Das Dialogverfahren wird von erfahrenen Fachleuten geleitet, die von der Einwohnergemeinde und der Bürgergemeinde Muttenz gemeinsam mit den Salinen beauftragt sind. Zusammen mit dem Kanton sind wir zum Schluss gekommen, dass es ein breites Verfahren braucht, um mit allen Interessenvertretern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die beiden Mediatoren führen jetzt Gespräche mit allen Parteien. Es soll vereinbart werden, wie der Auftrag an das Dialogverfahren lautet.

Der Standpunkt der Gegner ist klar: Sie wollen keinen Salzabbau in der Rütihard. Da bleibt wenig Verhandlungsspielraum.

Es gilt herauszufinden, warum sie keinen Salzabbau wollen. Bei den Gesprächen, die wir schon geführt haben, erfuhren wir von Sorgen, die wir entkräften können. Wir wollen den Leuten diese Sorgen nehmen. Es geht dabei um Aufklärungsarbeit, aber auch um das Ausarbeiten von Ausgleichsmassnahmen, zum Beispiel im Natur- und Landschaftsschutz.

Was würde es bedeuten, wenn in der Rütihard kein Salz abgebaut werden könnte?

Dann wäre mittelfristig der Standort Saline Schweizerhalle gefährdet. Für die Saline Schweizerhalle haben wir keine Alternative zur Rütihard. Wir von den Schweizer Salinen AG müssten uns auf unsere Standorte im Fricktal und in der Waadt beschränken, was gravierende Auswirkungen auf das gesamte System der Landesversorgung mit Salz hätte.

Man kann Salz auch importieren.

Sicher wäre das eine Option, aber eine, die ökologisch wie ökonomisch schlechter als die Eigenproduktion ist. Das zeigt unter anderem eine wissenschaftliche Ökobilanz-Studie, die wir diese Woche veröffentlicht haben. Zudem machen Importe abhängig, etwa vom Pegel des Rheins. Vor zwei Monaten hätten wir wegen des tiefen Wasserstands kein Salz importieren können.

Besuchstag auf dem Sondierbohrplatz Rütihard, Samstag, 2. Februar 2019, von 11–14 Uhr. Geführte Rundgänge jeweils zur vollen Stunde. Abfahrtzeiten Shuttlebus ab Kirchplatz Muttenz: 10.45 / 11.45 / 12.45 / 13.45 Uhr. Für Fussgänger und Velofahrer ist der Weg ab Geispelgasse markiert.

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