Die Gemeinde soll trotz Abwanderung aufs Wohnen setzen

Waldenburg

Stadtanalyse und Architekturausstellung zeigen Perspektiven auf.

Andrea Kaufmann hinter dem Modell ihrer Gemeinde. Foto: Pino Covino

Andrea Kaufmann hinter dem Modell ihrer Gemeinde. Foto: Pino Covino

Manche Dinge sind so einfach. In Waldenburg wäre es ein schlichtes Schild, das dem Ankömmling den Weg vom Bahnhof zur Altstadt wiese. Denn diese Altstadt, darin ist man sich einig, ist das Juwel des Dorfs, das sich selbst Stedtli nennt. Doch ein Wegweiser fehlt, und dem Zugreisenden, der Waldenburg nicht kennt, bleibt das Juwel verborgen.

Die das herausgefunden hat, heisst Anna Borer. Die Raumplanerin von Espace Suisse, dem Verband für Raumplanung, hat im Auftrag der Gemeinde eine Stadtanalyse durchgeführt. Welche Perspektiven hat Waldenburg? Wo liegen seine Potenziale in Zeiten von Strukturwandel, schliessenden Beizen, verstaubenden Schaufenstern und sich entleerenden Ortskernen? Kommt hinzu: Die Bevölkerung Waldenburgs schrumpfte zwischen 2010 und 2018 um 11,4 Prozent, während die Einwohnerzahlen sämtlicher Gemeinden im Tal wuchsen. Dennoch empfiehlt Borer, verstärkt aufs Wohnen zu setzen. Doch dazu später.

Unvoreingenommene Sicht von Aussen

Es ist nicht diese Entwicklung allein, die den Waldenburger Gemeinderat dazu bewogen hat, seinen Ort unter die Lupe nehmen zu lassen. Da ist noch die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Deren Architekturstudenten schufen im Rahmen ihrer Bachelorarbeiten Modelle von Waldenburgs Stadtkern und nahmen sich insbesondere die Entwicklung des Bereichs rund um Schulanlage und Verwaltung zur Brust. Initiiert hatte das Projekt der Baselbieter Heimatschutz.

Hier also die Stadtanalyse aus Sicht der Raumplaner, dort Lösungsansätze aus Sicht der angehenden Architekten. Zusammen ergibt sich eine unvoreingenommene Sicht von aussen, die der Gemeinderat als Grundlage für weitere Entwicklungsschritte nehmen will. Das zumindest tat Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann vergangenen Freitagabend kund. Da lud sie nämlich gemeinsam mit Espace Suisse, der FHNW und dem Heimatschutz zu Infoanlass und Vernissage und schaffte es, den Waldenburger Gemeindesaal trotz Bruthitze und Ferienbeginn zu füllen. Das spricht nicht nur für ein immenses Interesse der Waldenburger an ihrem Wohnort; es belegt auch das gewaltige Bedürfnis, Veränderungen aktiv anzugehen.

Die Eigenheiten nutzen

So sass und schwitzte man also gemeinsam und lauschte den Worten Borers und ihres Kollegen Florian Inneman, die dem Detailhandel praktisch keine Chancen einräumen, touristisch grosses Potenzial in einem gemeinsamen Standortmarketing mit der Region Wasserfallen sehen, von Co-Working-Spaces sprechen, von mehr Selbstbewusstsein und einer Aufwertung der Altstadt durch ausgelagerte Parkplätze. Für welche Massnahmen sich die Gemeinde auch immer entscheiden wird: «Damit das zum Fliegen kommt, muss die Bevölkerung dahinterstehen», sagt Inneman.

Das gilt auch für seine Anregung, Waldenburg als Wohngemeinde zu positionieren – trotz Abwanderung. «Andere Gemeinden im Tal sind zwar besser erschlossen, liegen näher am Zentrum und haben mehr Sonnenschein», so Inneman. Aber dieses Wohnen in historischer Bausubstanz als Alleinstellungsmerkmal könnten andere Gemeinden nicht in diesem Masse bieten. Darum schlägt er eine Art «Tag des offenen Wohnens» vor. «Wir sind überzeugt, dass viele Leute gern hier wohnen würden, aber nicht wissen, wie schön es in Waldenburg ist.»

Und Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann? Das Publikum erwartet von ihr nun eine Strategie, Tatendrang, Nägel mit Köpfen. Im Oktober, sagt sie, gehe es weiter auf diesem Weg.

«Perspektiven für Waldenburg», Ausstellung im Gemeindesaal bis 10. Juli, geöffnet jeweils Mo bis Mi, 18 bis 20 Uhr.

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