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Der stolze Aramis ist zurück im Schloss

Der Feldschlösschen-Stall erhält Zuwachs: Nach der Zeit auf der Fohlenweide wird das Brauereipferd Aramis in das Arbeitsleben eingeführt.

Bald im Gespann. 57 Kilogramm war Aramis schwer als er zur Welt kam, nun ist er mit rund 600 Kilogramm zurück in der Brauerei.
Bald im Gespann. 57 Kilogramm war Aramis schwer als er zur Welt kam, nun ist er mit rund 600 Kilogramm zurück in der Brauerei.
Kostas Maros

Mit stolz erhobenem Kopf steht Aramis da und schickt aus tiefster Kehle ein Wiehern über den Schlosshof. Nach drei Jahren auf der Pferdeweide ist er ins Feldschlösschen nach Rheinfelden zurückgekehrt. Dort wird er Apollo ersetzen, der seinen Altersabend auf den Weiden in Le Roselet geniessen darf. Aramis gilt als würdiger Nachfolger. Er ist das erste und einzige Fohlen, das in den Feldschlösschen-Ställen zur Welt gekommen ist – das war am 17. April 2008. Doch wer ein gut sozialisiertes Pferd werden will, der muss auf die Fohlenweide, um sich mit anderen Pferden zu messen. «Dort war ganz klar Aramis der Chef», sagt Pferdewirt Gusti Lenzin, bei dem Aramis in den vergangenen drei Jahren in Obhut war. Seine Stellung aber habe der charakterlich einwandfreie Aramis nicht ausgenützt. «Die anderen Fohlen hatten Respekt vor ihm. Doch er war stets nett im Umgang mit ihnen.»

Die Chefposition kommt nicht von ungefähr – immerhin gehört Aramis zur Rasse der belgischen Kaltblüter, und diese wiederum gelten als eine der stärksten Zugpferderasse der Welt. Die Rasse zählt zu den ältesten Zuchten Europas. Schon Julius Cäsar rühmte die Kraftprotze als «willige und unermüdliche Arbeitspferde». Im Mittelalter waren die Schwerkaliber aus Flandern und Brabant so gefragt, dass Herzog Jan I. ihre Ausfuhr einschränkte.

Die Schulung beginnt

Nun also steht der junge Aramis wie ein Denkmal vor den Feldschlösschen-Ställen: Mit Beinen stark wie junge Bäume, massigem Körper und archaisch anmutendem Kopf. Mit den Hufen schlägt er nervös den Hofboden, noch vermisst er seine alten Kumpels von der Fohlenweide. Respektvoll halten die Zuschauer Abstand, doch grundsätzlich ist ein belgisches Kaltblut gutmütig. Die acht Riesen im Feldschlösschen-Stall – der schwerste wiegt fast eine Tonne – sind wunderbare Arbeitstiere. Auch Aramis wird nun nach dem schönen Leben auf der Weide in die Gesetze eines Arbeitslebens eingeweiht. «Als Erstes wird er Hufeisen bekommen», erläutert Peter Nussbaumer, Teamchef der Fuhrmänner, den Auftakt zur Schulung des Jungspunds. Dann werde er langsam ans Geschirr gewöhnt und im Zweispänner mit dem erfahrenen Brauereipferd Carlo eingespannt. Der gilt als das stärkste Pferd im Feldschlösschen-Stall. Er sei sehr belastbar und nervenstark im Verkehr, sagt Nussbaumer.

Die Brauereipferde sind in Rheinfelden und Umgebung häufig zu sehen. Sie fahren Bier, Mineralwasser und Softdrinks in die Gaststätten. Zu besonderen Gelegenheiten wird der Sechsspänner angespannt. «In den Sechsspänner kommt Aramis aber erst, wenn er erprobt ist», sagt Nussbaumer. Dort läuft er zunächst im Mittelteil, denn die hintersten Pferde müssen am meisten ziehen und die vordersten beiden müssen absolut zuverlässig und nervenstark sein. Am Freitag, 25. November, um 17.30 Uhr ist der Sechsspänner übrigens weihnachtlich beleuchtet in der Marktgasse in Rheinfelden zu sehen – ohne Aramis, dafür mit Freibier.

Noch ist der Fototermin nicht ganz beendet und Aramis wird langsam ungeduldig. Peter Nussbaumer beendet das Spektakel und führt den Neuankömmling in seine geräumige Box. Aramis macht sich über das Kraftfutter her, beschnuppert durch die Boxenstäbe seine Nachbarn und scheint sich in seinem neuen Zuhause sofort pudelwohl zu fühlen. «Den Pferden ist am wohlsten, wenn wir an den Fingern frieren», sagt Nussbaumer auf die Frage einer besorgten Dame, ob es den Pferden in den Boxen nicht zu kalt sei.

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