Das Wohn-Schiff nimmt Form an

Es geht voran mit der Transformation des Dreispitz: Innerhalb von zwei Jahren entstehen im Transitlager über 100 neue Wohnungen. Zum Baubeginn gibts neue Bilder.

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Mit seinem spitz zulaufenden Aufbau erinnert das geplante Transitlager am südöstlichen Zipfel des Dreispitz-Areals an ein stattliches Kreuzfahrtschiff. 155 Meter lang, 30 Meter breit und 25 Meter hoch wird das ehemalige Lagerhaus nach dem Umbau sein – das entspricht einer Verdoppelung seiner ursprünglichen Grösse.

«Wir haben die markante Erweiterung Blitzbau getauft», erklärte Jakob Henke, Projektverantwortlicher des dänischen Architekturbüros BIG, beim festlichen Baubeginn von gestern Mittwoch. Wer den künftigen Grundriss betrachtet, erkennt den Blitz im Dreispitz sofort: Die Zickzackform des dreistöckigen Aufbaus verleiht dem Bau nicht nur unverkennbare Konturen – sie lässt auch das Tageslicht von vier statt zwei Seiten einfallen. Ein heller Blitz wird das.

Ein «Penthouse» fürs Volk

Anders als bei den beiden benachbarten 42-Meter-Türmen – Herzog & de Meurons «Helsinki Dreispitz» und das kürzlich eröffnete Hochhaus der Hochschule für Gestaltung und Künste (HGK) – handelt es sich beim Transitlager nicht um einen Neu-, sondern um einen Umbau. Ein Grundstein muss also keiner mehr gelegt werden – also zelebrierten die Verantwortlichen den Baubeginn symbolisch mit der Enthüllung eines Kunstwerks: eine bedruckte Stahlplatte des in Basel lebenden Künstlers Carlos Varela (nein, nicht das ehemalige FCB-Raubein).

So farbenfroh wie das Kunstwerk «Transition» – nach der zweijährigen Bauzeit wird es das neue Transitlager zieren – soll sich ab 2016 auch der multifunktionale «Innovationsraum» präsentieren: Über dem Schiffsdeck entsteht auf den Etagen drei bis sechs eine Art «Penthouse fürs Volk», wie es BIG-Chefarchitekt Bjarke Ingels nennt. Dort wird ausschliesslich gewohnt.

Für die unteren vier Stockwerke ist eine Mischnutzung aus Gastronomie, Gewerbe und Ateliers geplant. Insgesamt entstehen in dem Gebäude 103 Mietwohnungen und Lofts unterschiedlicher Grösse. Vielversprechend prä­sentiert sich auf den neuen Projekt-­Visualisierungen die begrünte Dachterrasse mit dem hölzernen Oberdeck. Das Ensemble scheint sich über die volle Länge des Aufbaus zu erstrecken, mit Blick über die Brüglinger Ebene, die neue 11er-Tramhaltestelle und den Freilagerplatz im Herz dieses neuen Stadtteils. Politisch hat Münchenstein 2009 mit dem Quartierplan «Kunstfreilager» den Weg geebnet für den Wandel zum Wohnquartier.

Nachbarn sind schon eingezogen

Bauherrin des 57-Millionen-Projekts ist der UBS-Immobilienfonds «Sima». Dieser hat das Gebäude 2013 im Baurecht von der Christoph Merian Stiftung erworben. Daniel Brüllmann, Verantwortlicher für die Schweizer UBS-Immobilienanlageprodukte, sprach beim gestrigen Baustart von «nachhaltiger Verdichtung», von Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft. «Stadtraum ist begehrt und teuer», betonte Brüllmann – eine Aussage, die nach dem Nein in Basel-Stadt zu den Stadtrandentwicklungen Süd und Ost zusätzlich Gewicht erhält.

Früher war der Dreispitz Landwirtschaftsfläche, später Materiallagerplatz, wie Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi hervorhob. Jetzt wird der Dreispitz also auch zum Wohnquartier. Und das nicht erst mit der Fertigstellung des Transitlagers im September 2016, sondern ab sofort: Anfang Oktober haben die ersten Bewohner im benachbarten Helsinki-­Haus ihre frisch vollendeten Wohnungen bezogen. Damit sind sie die allerersten Bewohner dieses multifunktionalen Quartiers.

baz.ch/Newsnet

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