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Aufmüpfige Fasnachtskinder

Die Jugend schimpft mit den Erwachsenen an der Muttenzer Kinderfasnacht.

Tiere und Fabelwesen, wohin das Auge reicht. Ob Schneehühner, Giraffen, Dinosaurier oder doch Zwerge – die Schulkinder spazierten stolz durch Muttenz.
Tiere und Fabelwesen, wohin das Auge reicht. Ob Schneehühner, Giraffen, Dinosaurier oder doch Zwerge – die Schulkinder spazierten stolz durch Muttenz.
Kostas Maros

Nach stundenlanger Arbeit standen die Schneehühner vom Kindergarten Gartenstrasse stolz eingereiht vor dem Feuerwehrmagazin und warteten ungeduldig auf den Startschuss. In ihrer Aufgeregtheit glich die Hühnerschar mehr einem Hühnerhaufen. «Laufe, ufschliesse», hiess es von hinten und vorne.

Das Bild glich sich bei fast allen Klassen. Räppli werfen, Räppli stopfen, Däfeli verteilen, natürlich jedem bekannten Gesicht zuwinken. Da hilft, wer alle überragt und den Umzug von oben überblickt. Dementsprechend in Reih und Glied marschierten die Giraffen aus dem Schulhaus Donnerbaum. Sie brachten sogar ein eigenes Lied in der Melodie von «Z Basel an mym Rhy» mit. «An Umzug gön sie au, fascht schöner als e Pfau. Z Afrika sind sie dehei, au z Muttenz sind sie nid ellei. D Giraffe-, d Giraffe-, d Giraffeschar isch do.»

Die Giraffenschar war gestern in Muttenz nicht alleine. Die halbe Tierwelt marschierte vom Schulhaus Breite via Dorfkirche die Hauptstrasse hinunter. Mehrere Pinguingruppen mit jeweils ähnlichen Füssen aus knallig farbigen Putzhandschuhen, Froschkönige, Mäuse und bunte Vögel machten das Dorf unsicher.

Jeder Saurier ein Unikat

Dass am Kinderumzug vor allem die Fantasie und nicht die Realität im Zentrum steht, bewiesen die Dinosaurier einer dritten Klasse aus dem Schulhaus Gründen. Jeder Saurier ein Unikat. Keiner wird wohl so in einem Saurierlexikon zu finden sein. Auch deren Namen wären jedem Saurierexperten fremd. So heisst der dreihörnige Dino von Moritz nicht etwa Triceratops, sondern Tricemoritius. An der Fasnacht ist alles erlaubt.

Die beiden Saurierforscherinnen suchten derweil mit ihren Lupen nach neuen Arten. Ein Blick nach hinten hätte gereicht, und sie hätten die Saurier aus Kartonschachteln aus dem Schulhaus Margelacker entdeckt.

Chic, aber nicht ganz dicht

Nicht weniger fantasievoll, aber mit einer Brise Ernsthaftigkeit zogen die Eisbären aus dem Schulhaus Donnerbau durch die Strassen. Ihnen schmelze förmlich das Eis unter ihren Kartontatzen weg, schimpften sie auf ihren Rücken.

«Der Eisbär ist ein schönes Tier. Schützen wir ihn und sein Revier.» Jeder Eisbär trug einen Spruch mit sich. Die Aufforderung an die Erwachsenen war deutlich: «Den Eisbär muss man endlich schützen, fangt an zu handeln, sonst wird’s nichts nützen.»

Undichter Velounterstand

Den Damen und Herren im Gemeindehaus fuhr eine vierte Klasse aus dem neuen Schulhaus Gründen an den Karren. Ihr Schulhaus erhielt erst nachträglich einen Velounterständer. Natürlich teuer, chic und passend zum Schulhaus, doch was nützt es, wenn die Velos trotzdem nass werden? «De Bau vo dem Dach isch nötig gsi. Aber d Löcher hättet ihr lieber lo si!»

Auf dem Kopf trugen die Kinder den nicht ganz dichten Velounterstand und monierten weiter: «Liebi Gmeind, danke für das Dach, das haltet uns wach. Denn immer wenns rägnet, mimer dr Sattel putze. Mit dem könne mr wirklich nid protze.»

Mit der Gondel durchs Dorf

Gleich dahinter meckerten mehrere Klassen über den Geldmangel an der Primarschule. Damit sie nicht ins Skilager laufen müssen, seien sie zum Kuchenverkaufen gezwungen. Die Klassen kamen sogleich mit Skistöcken, Startnummern und mit Helmen als Larven und sogar mit Gondel- und Sesselbahnen darauf.

Es war offensichtlich: Den Kindern schmeckt der Sparzwang aufgrund der leeren Gemeindekasse überhaupt nicht. Dafür bekamen die hohen Tiere von den kleinen Tieren ihr Fett weg.

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