Aquabasilea is watching you

Pratteln

Sogar im Umkleidebereich: Kameras im Prattler Erlebnisbad verärgern die Gäste.

Unter Kontrolle. Zu Sicherheitszwecken setzt das Aquabasilea im Badebereich auf die sogenannte Echtzeitbeobachtung.

Unter Kontrolle. Zu Sicherheitszwecken setzt das Aquabasilea im Badebereich auf die sogenannte Echtzeitbeobachtung.

Lisa Groelly

Als Gabriela Dürr aus Liestal (Name geändert) vergangene Woche mit einer Freundin das Erlebnisbad Aquabasilea in Pratteln besuchte, machten die beiden eine für sie erstaunliche Entdeckung: «Nachdem wir uns im Gang zwischen den Schliessfächern umgezogen hatten, erblickte meine Freundin plötzlich eine Kamera, die auf uns gerichtet war.» Das Personal bestätigte den Frauen, dass der Bereich videoüberwacht werde, da es in der Vergangenheit vermehrt zu Diebstählen gekommen sei. «Besonders gestört hat uns, dass nirgends ein Piktogramm auf die Videoüberwachung aufmerksam macht», sagt Dürr.

Eine Angestellte habe sie darauf hingewiesen, dass der Einsatz der Kameras in der Hausordnung nachzulesen sei. «Als wir beim Kassenpersonal nachfragten, wo die Hausordnung hänge, konnte man uns keine Auskunft geben», schildert Dürr. Wie die BaZ vor Ort festgestellt hat, ist das Dokument in der Empfangshalle auf einem eingerahmten A4-Blatt zu finden. Es handelt sich um eine kleine, weisse Schrift auf grauem Grund. In der zweiten Spalte ist darin zu lesen: «Die Anlage wird zu Ihrer Sicherheit mit Video überwacht.»

Für Gabriela Dürr ist dies zu wenig: «Ich muss doch darauf aufmerksam gemacht werden, dass ich gefilmt werde. Dann verhalte ich mich auch entsprechend», sagt die 42-Jährige. Michael Atassi, Geschäftsführer von Aquabasilea, bestätigt auf Anfrage, dass nur wenige Hinweisschilder vorhanden sind. Er stellt ausserdem klar: «Die Auswertungen macht das Aquabasilea generell nicht selbst, diese erfolgen nur in Zusammenarbeit mit der Polizei und einem externen Dienstleister.» Bei den Kameras im Bereich der Garderoben handle es sich ausserdem lediglich um Attrappen, um Diebe abzuschrecken. Die Badegäste werden dort nicht gefilmt.

Echtzeitbeobachtung im Badebereich

Richtige Kameras überwachen im Aquabasilea indes die Eingangshalle mit den Kassen sowie die Badewelt (innen und aussen). «Die Kabinen, der Spa-Bereich und die Saunalandschaft werden selbstverständlich nicht gefilmt», betont Atassi. Bei den Kameras im Badebereich handle es sich um eine sogenannte Echtzeitbeobachtung. Über verschiedene Monitore kann das Personal einen grossen Bereich überwachen und entsprechend auf Situationen reagieren. Sämtliche nicht sicherheitsrelevante Aufnahmen würden nach 24 Stunden gelöscht.

«Hier geht es einerseits darum, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen», erklärt der Geschäftsführer. Beispielsweise hätten einmal ein paar Jugendliche einen kleineren Jungen auf eine Rutsche zwingen wollen. Die Mitarbeiter hätten dies auf der Kamera erkannt und interveniert.

90 Prozent weniger Diebstähle

«Andererseits ist die Videoüberwachung besonders wichtig, um in Notfällen sofort eingreifen zu können», so Atassi. Die Kameras im Badebereich bestehen schon seit der Eröffnung im Jahr 2010. Anders verhält es sich mit den Attrappen im Garderobenbereich. Diese wurden erst im Jahr 2015 angebracht, nachdem die Schliessfächer mit den Wertsachen mehrfach von Banden ausgeraubt worden waren. «Seit dem Installieren der Kameras ging die Anzahl Diebstähle im Bereich der Garderoben um 90 Prozent zurück», betont Atassi.

Da es sich bei der Aquabasilea AG nicht um eine öffentliche, sondern um eine private Badeanstalt handelt, ist in diesem Fall nicht die Aufsichtsstelle Datenschutz Baselland, sondern der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zuständig. In dessen «Merkblatt für Videoüberwachung durch Private» ist festgehalten, dass «die Videoüberwachung transparent, das heisst klar erkennbar» sein muss. Bevor jemand den überwachten Bereich betritt, muss diese Person darüber informiert werden, dass sie gefilmt wird. «Diese Information kann mittels gut sichtbarem Hinweisschild erfolgen.» Zudem sollte dort auch klargemacht werden, wo die Betroffenen Auskunft über die erhobenen Daten erhalten können.

Dies war im Aquabasilea bisher nicht so. «Wir haben den gesamten Bereich abgesucht und ausser der Hausordnung keinen Hinweis gefunden», sagt Gabriela Dürr. Ausserdem habe das Personal schnippisch auf ihre Fragen reagiert. Dem Geschäftsführer sei nicht bewusst gewesen, dass die Hinweistafeln nicht deutlich angebracht waren: «Wenn man sich nicht explizit darauf achtet, sieht man die Schilder wirklich nicht», räumt Atassi ein. «Ich habe aber bereits in Auftrag gegeben, Hinweise an den Glastüren beim Eingang zu den Garderoben zu montieren.»

Basler Zeitung

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