Allergisch auf Kunstrasen

Biel-Benken

Biel-Benken sagt zum dritten Mal Nein zu Plastik – ein neues Sportplatz-Projekt muss her.

Rote Karte. Die Fussballer schwören auf Kunstrasen, die Bevölkerung will davon aber nichts wissen.

Rote Karte. Die Fussballer schwören auf Kunstrasen, die Bevölkerung will davon aber nichts wissen.

(Bild: Jens Winkler)

Beim FC Biel-Benken ist einmal mehr Wunden lecken angesagt. «Das wäre für uns die beste Variante gewesen und Biel-Benken hätte sie sich leisten können», klagt FC-Vorstandsmitglied Stephan Wüthrich. «Ich weiss nicht, was sich die Leute überlegt haben.» Mit solchen Gedanken hält sich Gemeindepräsident Peter Burch nicht auf. Er will keine Zeit verlieren. Schon am Tag nach dem Nein zum Kunstrasenkredit über 2,8 Millionen Franken hat der Gemeindepräsident die ersten Strippen gezogen, um dafür zu sorgen, dass Biel-Benken, vor allem der Fussballclub, ab 2018 nicht ohne Sportplatz dasteht. Die Mitglieder des Referendumskomitees wurden eingeladen, bei der Erarbeitung eines neuen Sportplatz-Projekts mitzuwirken. Schliesslich hatten die Kunstrasen-Gegner stets betont, sie seien nicht gegen den Sportplatz, sondern nur gegen die vorgeschlagene Variante, sagt Burch.

Berührungsängste hat der Präsident keine, obwohl sich Gemeinderat und Projektgegner im Abstimmungskampf nichts geschenkt hatten. «Es hat keinen Sinn, verletzten Stolz an den Tag zu legen, wir müssen nach vorne schauen und eine Lösung auf den Tisch bringen», kommentiert er. Das Referendumskomitee ist bereit, für ein neues Projekt Hand zu bieten: «Wir werden uns einbringen, möchten aber auch Spezialisten zuziehen», sagt Monika Naef, eine der Urheberinnen des Referendums.

Volkswille anerkennen

Sie verlangt jedoch, dass bei einem neuen Projekt der Volkswille anerkannt und auf Kunstrasen gänzlich verzichtet wird: Am Sonntag haben die Biel-Benkener zum dritten Mal Nein gesagt zu einem Plastik-­Rasen. Naef ist mit ihrer Forderung ganz auf der Linie von Remo Sigrist. Zusammen mit einer Handvoll Mitunterzeichnern stellt er an der Gemeindeversammlung vom nächsten Dienstag den Antrag, dass rasch eine Planungskommission mit Vertretern der grossen Sportvereine gebildet wird, die das Sportplatz-Projekt samt Bedarfs-analyse neu aufgleist, und ein Projekt garantiert ohne Kunstrasen ausarbeitet und die Überlegungen offen darlegt.

Nach der Abstimmung vom Sonntag hat der Gemeinderat auch die Stiftung Kirchengut Baselland angeschrieben, auf deren Grund und Boden sich der heutige Sportplatz befindet. Die Stiftung ist letzten Endes dafür verantwortlich, dass der neue Sportplatz überhaupt zur Debatte steht: Sie verlangt für die nächste Vertragsperiode mit der Gemeinde einen jährlichen Baurechtszins von 210 000 Franken. Heute sind es 31 500 Franken. Für die Gemeinde ist der Preisaufschlag inakzeptabel.

Pierre Spahr, Präsident der Stiftung Kirchengut, begründet die Preisexplosion mit der gesetzliche Vorgabe, nicht kirchlich genutzte Grundstücke nach kaufmännischen Grundsätzen zu bewirtschaften. Mit dem Gemeinderat hätten im Hinblick auf den 2017 auslaufenden Baurechtsvertrag Gespräche stattgefunden und man habe auch signalisiert, über den Preis reden zu können, doch der Gemeinderat habe nichts mehr von sich hören lassen und ein neues Projekt vorangetrieben.

Man sei an einer für die Gemeinde guten Lösung interessiert und habe einen gewissen Spielraum, versichert Spahr. Hoffnungen auf einen Dumping-Preis allerdings macht er der Gemeinde keine. Einerseits, weil der Kanton, dem die Stiftung Kirchengut unterstellt ist, dies nicht anerkennen würde, andererseits, weil damit ein Präjudiz geschaffen würde. «Dann kämen sie aus dem ganzen Kanton auf uns los.»

Selber bauen ist günstiger

Gemeindepräsident Burch macht sich denn auch keine grossen Hoffnungen auf einen akzeptablen Preis: «Selbst bei einer Halbierung des Pachtzinses kann sich die Gemeinde niemals darauf einlassen», sagt er. Mit einem Sportplatz auf eigenem Grund und Boden fahre die Gemeinde langfristig günstiger. Deshalb setze der Gemeinderat weiterhin auf ein eigenes Projekt.

Als Alternative zum Kunstrasen kommt für Burch der bereits evaluierte «Lavaterr»-Rasen in Betracht. Dieser ist robuster als ein herkömmlicher Naturrasen und kann somit etwas intensiver bespielt werden. Die Variante ist im Vergleich zum abgelehnten grossen Kunstrasen aber teurer, da zusätzlich ein zweites Spielfeld mit Kunstrasen erforderlich wäre, damit die Fussballer ihr Programm bewältigen können. Diese Variante wäre inklusive Beachvolleyball- und Streetsoccer-Spielfeld um 450 000 Franken teurer als das mit 713 gegen 669 Stimmen verworfene Projekt.

Nicht ausschliessen will der Gemeindepräsident herkömmlichen Naturrasen. Er hält aber fest, dass die Sportler dahinterstehen müssten. Fussballer Wüthrich schliesst diese Variante nicht aus, hält aber fest, dass sein Verein in dem Fall mindestens zwei vollwertige Spielfelder benötige, um den Spiel- und Trainingsbetrieb ganzjährig im Freien aufrechterhalten zu können.

Der Gemeindepräsident möchte die vierte Sportplatz-Vorlage schon im Herbst vor die Gemeindeversammlung bringen, um die Existenz des Fussballclubs nicht in Gefahr zu bringen.

Basler Zeitung

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