Streit um Fluglärm-Messstationen

ALLSCHWIL

Der Fluglärm-Schutzbund ist unzufrieden mit dem Standort einer neuen Messstelle in Allschwil. Der Schutzbund verlangt, dass der EuroAirport dort messen soll, wo der Lärm am lautesten ist.

Über den Dächern: Der Standort der Lärm-Messstelle beeinflusst das Ergebnis.

Über den Dächern: Der Standort der Lärm-Messstelle beeinflusst das Ergebnis.

(Bild: Matthias Wäckerlin)

Zweiter Erfolg für Simon Trinkler innert kurzer Zeit. Vor zwei Monaten hat der Kanton den Solarkataster für Hausdächer im Geoinforma­tionssystem des Kantons aufgeschaltet, den der 2012 zurückgetretene Grünen-Landrat gefordert hatte. Nun scheint ein weiterer Vorstoss Trinklers etwas zu bewegen: Der Baselbieter Regierungsrat schreibt in seiner Antwort auf das Postulat Trinklers, der EuroAirport (EAP) wolle einen neuen Standort für eine Lärmmessstation in Neuallschwil prüfen.

Auf dem Areal der Familien­gärten Sandweg sollen Lärmmessungen vorgenommen und analysiert werden, worauf der Fluglärmkommission ein Vorschlag für einen definitiven Standort zu unterbreiten sei. Simon Trinkler hatte gegen Ende 2010 in einem Postulat eine bessere Fluglärmmessung in seiner Wohngemeinde, namentlich im Gebiet Neu­allsch­wil, gefordert. Dort sei die Be­lastung durch Fluglärm deutlich höher als bei der bestehenden EAP-Messstelle in Allschwil Dorf. Die Resultate seien in den Umweltberichten des EAP zu pub­lizieren.

Lärmspitzen von über 70 Dezibel

Was nun auf den ersten Blick nach einem weiteren Erfolg für den Grünen aussieht, ist aus Sicht des Fluglärm-Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen nicht besonders viel wert. Für Präsidentin Madeleine Göschke befindet sich der vom EAP angekündigte neue Messstandort nicht da, wo der grösste Lärm herrscht, nämlich unmittelbar unter dem Strahl der Triebwerke, sondern wenige Hundert Meter von der Flugschneise entfernt. Das mache bei den Lärmmessungen einen erheblichen Unterschied, sagt Göschke. «Ich vermute, dass der EuroAirport gar kein Interesse daran hat, an der lautesten Stelle zu messen.»

Aber genau das fordert der Schutzverband, der auf dem Dach des Altersheims Am Bachgraben eine eigene Lärmmessstelle betreibt. Die mit dieser Anlage ermittelten Werte gaben den Ausschlag für das Postulat von Simon Trinkler. Im Gegensatz zur offiziellen Messstation des EAP in Allschwil Dorf registrierte die Mess­station des Schutzverbands nachts öfters Lärmspitzen von über 70 Dezibel.

Zwei Monate testen reicht nicht

Während zweier Monate wolle der EAP den neuen Standort mit einer ­mobilen Anlage evaluieren, um mit dem Segen der Fluglärmkommission Ende 2013 oder Anfang 2014 in Ergänzung zur Messstation in Allschwil Dorf eine definitive Anlage zu erstellen, wie die Regierung schreibt. Auch davon hält die frühere Landrätin der Grünen gar nichts. Um seriöse und mit bisherigen Daten vergleichbare Werte zu erhalten, sei eine Testphase von einem Jahr angezeigt. «Das haben wir den Verantwortlichen des EuroAirport schon mehrfach gesagt.»

Das Feilschen um einige Hundert Meter scheint auf den ersten Blick kleinlich zu sein. Nicht so für die Kämpfer wider den Fluglärm. Denn die politische Fluglärmdebatte basiere weitgehend auf den vom EuroAirport publizierten Lärmwerten seiner offiziellen Messstationen, wie Trinkler in seinem Postulat festgehalten hatte. Und Neu­allschwil leide am meisten unter dem Fluglärm. Die Einwohner hätten das Recht, zu erfahren, welcher Lärm­belastung sie ausgesetzt seien.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt