Muttenz hat einen Wein-Weltmeister

MUTTENZ

Auf dem Wartenberg bei Muttenz wächst einer der weltbesten Pinot-Noir-Weine. Im Interview verrät uns Winzer Urs Jauslin seine Weinbau-Philosophie.

Stolzer Weltmeister: Urs Jauslin präsentiert seinen Pinot Noir Hohle Gasse sowie die Siegertrophäe.

Stolzer Weltmeister: Urs Jauslin präsentiert seinen Pinot Noir Hohle Gasse sowie die Siegertrophäe.

Paul Leisi strahlt übers ganze Gesicht. «In meinen Augen ist das eine absolute Sensation», sagt der Präsident des Weinproduzentenverbands Baselland an der Medienorientierung zum Weinherbst. Seine Aussage bezieht sich allerdings nicht auf den aktuellen Weinjahrgang (siehe Box), sondern auf den Weltmeister-Titel des Muttenzer Winzers Urs Jauslin.

Dessen Flaggschiff «Hohle Gasse», benannt nach dem Weg zum Rebberg, wurde an der 15. «Mondial du Pinot Noir» in Sierre (VS) mit dem Spezialpreis für den weltbesten Wein aus der Rotweintraube Pinot Noir (Blauburgunder) ausgezeichnet. Insgesamt wurden im Wallis rund 1300 Pinots aus 24 Ländern degustiert und bewertet. 99 Tropfen erhielten eine Goldmedaille, 253 Silber – aber nur ein Weinproduzent darf sich nun Weltmeister nennen: Urs Jauslin vom Muttenzer Familienbetrieb Jauslin Weine. Wir haben uns mit dem Winzer über den Siegerwein und sein grosses Vorbild Burgund unterhalten.

Urs Jauslin, wie macht man einen Weltmeister-Wein? Dafür benötigt man die richtigen Lagen und die richtigen Rebstöcke – und es braucht eine lange Aufbauarbeit. Wir verwenden teilweise über 30-jährige Rebstöcke, diese muss man mit viel Passion pflegen und den Ertrag reduzieren. Bei der Weinbereitung kommt es dann darauf an, was man aus diesen Trauben macht. Es braucht geeignete Holzfässer mit dem passenden Röstgrad und die richtigen Entscheide zum richtigen Zeitpunkt. All dies hat dann Auswirkung auf das Gesamtpaket.

Was machen sie anders? Wie erklären sie sich ihren Erfolg? Ich bin sehr penibel und habe eine klare Vorstellung davon, was für einen Weinstil ich erzielen will. Unser Siegerwein, der Pinot Noir «Hohle Gasse» orientiert sich am Burgund. Deshalb strebe ich Weine an mit typischen burgunder Attributen wie Fruchtigkeit, schön eingebundenen Holznoten, einem gewissen Alkoholvolumen sowie Lagerfähigkeit – da muss einfach alles stimmen. Ich achte nicht zu sehr darauf, was gerade in Mode ist und mache, was ich als Nachhaltig empfinde und was mir auch privat zusagt. Ich probiere eine gewisse Klasse zu erreichen und aus den Pinot-Noir-Trauben das Letzte herauszuholen.

Dafür benötigt es allerdings sehr viel Zeit. Viele Winzer können es sich nicht leisten, so viel Aufwand in einzelne Reben zu investieren. Das ist natürlich so, diese Herangehensweise ergibt Mehrarbeit und Mehrkosten. Das ist wie bei einem Sternekoch – bis dieser seine Produkte ausgewählt hat und zubereitet auf dem Teller präsentiert braucht es auch Zeit. Bei mir ist es halt mit viel Passion verbunden. Ich diskutiere gerne über meine Weine oder unterhalte mich mit Gastronomen über das passende Essen zu meinem Wein. Das macht Spass und treibt mich an.

Als Pinot-Noir-Weltmeister wird man im Gegensatz zu den gängigen Medaillen-Prämierungen für den Gesamteindruck drei aufeinander folgender Jahrgänge ausgezeichnet, also für Kontinuität. Ein ganz besonderes Gefühl für sie? Ja. Mit einem Weltmeistertitel soll nicht ein einzelner Wein bewertet werden, sondern die Arbeit des Winzers. In einem exzellenten Jahrgang erzielt man eher einmal einen hervorragenden Wein. Aber bei drei Jahren hintereinander gibt es meistens ein Jahr, das nicht so gut ist – hier braucht es dann mehr Können und die entsprechenden Reblagen um so etwas zu erreichen.

Bei den eingereichten Jahrgängen 2003 bis 2005 handelt es sich nicht um die aktuellsten. Warum haben sie ausgerechnet diese ins Rennen geschickt? Ich möchte Weine mit einer gewissen Lagerfähigkeit machen, die nicht in den ersten zwei, drei Jahren getrunken werden müssen. Wenn unsere Jungweine auf den Markt kommen, sind sie meistens noch ungeschliffene Diamanten. Deshalb habe ich mich entschieden, ein paar Flaschen zur Seite zu legen um diese bei Gelegenheit einzureichen. Zur Erinnerung: 2003 hatten wir ein sehr schwieriges Jahr mit trockenem Sommer und hohen Alkoholwerten, 2004 war eher kühl und man musste viel selektionieren, 2005 schliesslich war ziemlich gut – da passte alles. Ich habe ja inzwischen neun Jahrgänge «Hohle Gasse» gekeltert und sechs von ihnen wurden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Aber ich fand einfach, dass diese drei Jahrgänge eine gute Kombination sind. Und jetzt hat sich gezeigt: das passt so.

Wie hoch ist dieser Weltmeistertitel einzustufen? Es gibt ja unzählige Weinprämierungen und diverse Weinpreise. Der Weltmeistertitel ist natürlich das Höchste, was man gewinnen kann. International erhalten fünf Prozent der eingereichten Weine eine Goldmedaille und ein Viertel wird mit Silber ausgezeichnet. Da gibt es eine gewisse Masse – aber Weltmeister wird nur einer. Dies zu erreichen ist sehr schwierig.

Was ist das Spezielle an ihren Rebbergen? Muttenz hat eine sehr frühreife Reblage. Der Wartenberg, auf dem unsere Weine wachsen, ist eigentlich der erste Jura-Hügel. Geologisch sind die Böden kalkhaltig mit Mergelgestein. Im hinteren Rebberg haben wir dann eher schweren, tonigeren Boden mit mehr Feuchtigkeit. Das Interessante ist also, dass unser Weinberg zwei verschiedene Böden aufweist auf denen man zweierlei Weine produzieren kann. Dank der Südwestlage haben wir Abends zudem sehr lange Sonne. Das ist sehr wichtig – in unserer Region braucht die Rebe jeden Sonnenstrahl.

Ihr Weltmeistertitel ist beste Werbung für die Weine der Region. Was benötigt es nun, damit diese schweizweit bekannter und anerkannter werden? Dazu braucht es Leute, die Baselbieter Weine trinken. «Göttis» wie Gastronomen, Sommeliers, Weinhändler oder auch Journalisten und Privatpersonen, die diese Weine mögen und weiterempfehlen. Man befindet sich halt auch immer im Preiskampf – aber in unserer Region kann man keinen günstigen Wein herstellen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist allerdings hervorragend. Unser Weltmeister-Wein kostet 29 Franken und kann sich meiner Meinung nach messen mit Tropfen aus der selben Klasse, die das Doppelte kosten.

Wollen sie nun in erster Linie das Niveau halten oder gibt es neue Ziele, die sie verfolgen? Das Niveau zu halten ist natürlich weiter unser Ansporn. Aber neben der «Hohlen Gasse» haben wir noch viele andere Sorten, mit denen wir Erfolg haben und an denen ich weiterarbeiten will. Zum Beispiel den weissen Sauvignon Blanc, der dieses Jahr als einer von zwei Schweizern in seiner Kategorie eine Goldmedaille erhielt. Mein Ziel ist, unseren Weinbetrieb noch bekannter zu machen damit man weiss, dass wir ein Spitzenweingut von internationalem Format sind. Ich will, dass die Leute unsere Flaschen überall aufstellen können – ohne ein schlechtes Gewissen haben müssen, weil sie – in Anführungszeichen gesagt – einen «Baselbieter Wein» trinken (lacht).

Mehr zum Thema in der BaZ von Mittwoch.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt