Mönch mit Managerqualitäten

Mariastein

Abt Peter von Sury lebt seit 40 Jahren als Benediktiner im Kloster Mariastein. Mehr noch als der Verzicht auf eine Frau beschäftige ihn in jüngster Zeit jedoch etwas anderes.

Imposante Erscheinung. Peter von Sury (64) liest Zeitungen und hat einen Computer, möchte aber nicht alles von der Aussenwelt übernehmen.

Imposante Erscheinung. Peter von Sury (64) liest Zeitungen und hat einen Computer, möchte aber nicht alles von der Aussenwelt übernehmen.

(Bild: Marko Lehtinen)

Es ist Ostern. Die Gläubigen werden in Scharen nach Mariastein pilgern. Und den Abt des Benediktinerklosters erwartet viel Arbeit und eine enorme Präsenzzeit. «Ich freue mich auf die Begegnungen mit den Menschen», sagt Peter von Sury. «Aber Ostern ist aus meiner Sicht nicht gerade die beste Zeit, um in mich zu gehen.» Kein Wunder, beginnen die Feierlichkeiten im Kloster doch bereits heute Donnerstag mit dem Abendmahlgottesdienst. Morgen geht es um 15 Uhr mit der Karfreitagsliturgie weiter. Es folgen die Feier der Osternacht am Samstag um 21.30 Uhr, «der Höhepunkt unseres religiösen Jahres», und am Ostersonntag um 9.30 Uhr die Orchestermesse mit dem Vokalensemble des Klosters.

An Ostern wird es in Mariastein somit zu vielen Begegnungen zwischen Benediktinermönchen und Besuchern kommen. Und Peter von Sury wird einmal mehr auch mit Vorurteilen konfrontiert sein – dass Mönche in einer anderen Zeit und Welt leben, zum Beispiel. «Das ist normal», sagt er. «Ich sehe zwar nie fern und möchte nicht alles von der Aussenwelt in mein Leben übernehmen: die Hektik, das Tempo, das Rennen in einem Hamsterrad. Von daher bin ich ganz gerne ein bisschen weltfremd. Aber auch ich habe mein iPhone und meinen Computer, und auch ich lese täglich Zeitungen.»

Lebensform hinterfragen

Als Leiter eines Wallfahrtsortes muss von Sury bisweilen regelrechte Managerqualitäten an den Tag legen – überaus weltliche Eigenschaften also. Ausserdem kann der ehemalige Journalistikstudent präzis und ausführlich über die Entwicklung der Medienlandschaft diskutieren. Und auch sportlich hat sich Peter von Sury früher betätigt.Kurzum: Ein Benediktinermönch lebt durchaus in unserer Welt. Dennoch scheint die Zeit in einem Kloster bisweilen stillzustehen. «Das stimmt. Wir müssen unsere Lebensform und die Rituale immer wieder hinterfragen», sagt von Sury. «Vor allem müssen wir uns fragen, ob wir Äusserlichkeiten wie die Kleidung oder wie wir unsere Gottesdienste feiern, zu sehr gewichten und das Wesentliche so vernachlässigen.»

Peter von Sury ist eine imposante Erscheinung. Er ist gross, wirkt mächtig in seiner schwarzen Kutte, über der ein edles, goldenes Kreuz hängt. Und er sieht jung aus für seine 64 Jahre – fast wie ein Hollywood-Schauspieler in der Rolle des Geistlichen. Vier Jahrzehnte ist von Sury nun schon Mönch. Er stammt aus einer katholischen Familie und verbrachte die Kindheit in Solothurn. «Ein wichtiges Schlüsselerlebnis war für mich, als ich in einem Osterlager der Pfadi zum ersten Mal die bewusste Erfahrung von Stille als Dimension machte, die auch mit Innerlichkeit zu tun hat – als Spiegel meines Innern», erzählt er.

«Ich war auch mal verliebt»

Kurz vor der Matur wollte der künftige Abt noch Schriftsteller werden. «Eine Berufsberaterin riet mir jedoch zum Jurastudium, also studierte ich vier Semester Jus.» Danach wechselte er für weitere vier Semester zur Geschichte und Journalistik. 1974 kam Peter von Sury nach Mariastein ins Kloster. Es folgten von dort aus ein Theologiestudium in Einsiedeln, fünf Jahre in Rom und 16 Jahre als Pfarrer in Hofstetten.

Seinen Weg bereut Peter von Sury nicht. «Ich war als junger Mensch sicher blauäugig», sagt er. «Wie schwierig die Vorgabe der Benediktinermönche ist, alles Harte und Raue auf dem Weg zu Gott hinnehmen zu müssen, wurde mir erst später bewusst.» Dabei gab es auch Momente des Zweifels. «Ich fragte mich gelegentlich, ob ich hier am richtigen Ort bin. Denn an einen schweigenden Gott zu glauben, ist eine harte Nuss.» Aber das gehöre zum Leben eines Suchenden dazu – wie auch die Entbehrungen, zum Beispiel der Verzicht auf Sex. «Natürlich war das in meinem Leben immer wieder ein Thema», sagt von Sury nachdenklich. «Ich war auch einmal verliebt.»

Mehr noch als der Verzicht auf eine Frau beschäftige ihn in jüngster Zeit jedoch etwas anderes: der Verzicht auf eigene Kinder. «Aber auch das ist eine Konsequenz meines Lebens. Und dieses Leben habe ich mir bewusst und freiwillig ausgesucht.»

Basler Zeitung

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