Macht- statt Wahlkampf

Gelterkinden

Die Sektion Gelterkinden der Baselbieter SVP setzt auf die Bisherigen – allerdings nicht auf Markus Graf.

Schwarzes Schaf? Auch die SVP Gelterkinden ist ein eigener Schlag: Markus Meier, Markus Graf, Hans-Urs Spiess (hinten von links), Raoul Wyss, Raphael Wiesner und Adrian Schärer (von links) auf einem Werbebild für die Landratswahlen von diesem Frühjahr.

Schwarzes Schaf? Auch die SVP Gelterkinden ist ein eigener Schlag: Markus Meier, Markus Graf, Hans-Urs Spiess (hinten von links), Raoul Wyss, Raphael Wiesner und Adrian Schärer (von links) auf einem Werbebild für die Landratswahlen von diesem Frühjahr.

Lisa Groelly

«Für eine weiterhin starke Vertretung in Liestal für ein starkes Oberbaselbiet: Markus Meier und Hans-Urs Spiess am 31. März wieder in den Landrat.» So lautet der Betreff eines Briefes, der am 7. März verschickt wurde. Unterzeichnet haben ihn SVP-Nationalrat und Regierungskandidat Thomas de Courten sowie der ehemalige Nationalrat Caspar Baader. Dass Politiker ihre Parteikollegen im Wahlkampf unterstützen und sie zur Wahl empfehlen, ist gängige Praxis. Was in diesem Fall jedoch aussergewöhnlich ist: Der Ormalinger Markus Meier und der Rothenflüher Hans-Urs Spiess sind nicht die einzigen amtierenden Landräte der SVP im Wahlkreis Gelterkinden. Auch der Landwirt Markus Graf aus Maisprach wurde bei den Gesamterneuerungswahlen 2015 ins Parlament gewählt und kandidiert deshalb ebenfalls als Bisheriger.

Im Schreiben, das der BaZ vorliegt, wird Markus Graf nirgendwo erwähnt. Es wird die Leistung von Meier und Spiess im Landrat hervorgehoben: Wie sehr ihnen das Oberbaselbiet am Herzen liegt, wie stark sie sich für Sicherheit und gegen «überbordende Kosten» einsetzen oder wie viel sie zu einer stabilen Bildungslandschaft beigetragen haben. Zum Schluss wird dem Adressaten in dicker Schrift empfohlen, die beiden je zweimal auf seinen Wahlzettel zu setzen. Unter den Unterschriften von de Courten und Baader werden alle Kandidaten aus dem Wahlkreis aufgezählt.

Graf setzt auf Landwirte

Thomas de Courten wehrt sich gegen den Vorwurf, Markus Graf im Schreiben bewusst ignoriert zu haben: «Keineswegs. Ich unterstütze sämtliche Kandidaten der Liste 3 meines Wahlkreises», sagt er. Das Angebot einer Wahlempfehlung galt und gelte noch immer für alle. «Ganz sicher» auch für Graf. Dieser habe davon bisher nicht Gebrauch gemacht. Spiess und Meier aber seien explizit auf ihn zugekommen.

Graf bestätigt zwar, dass de Courten den Kandidaten seine Unterstützung zugesichert habe. Er habe aber darauf verzichtet, de Courtens Namen zu verwenden. «Ich setze im Wahlkampf eher auf die persönliche Schiene», sagt er. Neben einigen Inseraten hat er selber Postkarten geschrieben und insbesondere an die Landwirte in seinem Wahlkreis verschickt.

Über eine Empfehlung, wie sie nun verbreitet worden ist, sei Graf nie informiert, geschweige denn dafür angefragt worden. Er möchte deshalb auch gar nicht viel dazu sagen. Seine Enttäuschung drückt dennoch durch: «Natürlich war ich nicht erfreut, als ich davon gehört habe. Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um ein Missverständnis handelt, anders kann ich mir das nicht erklären.» Alles Weitere müsse die Kantonalpartei regeln.

Für diese scheint es jedoch nichts zu regeln zu geben. Oskar Kämpfer, Präsident der SVP Baselland, sieht das Schreiben als «eine der vielen Einzelaktionen im Wahlkampf». Diese kämen immer von den Kandidaten. Es stehe allen frei, solche Initiativen zu ergreifen.

Markus Graf habe die Landwirte ja auch angeschrieben. Thomas de Courten und auch Caspar Baader würden alle Kandidaten unterstützen.

SVP-Landrätin Susanne Strub aus Häfelfingen, ebenfalls Landwirtin, zeigt sich sehr überrascht über den Inhalt des Briefs. Sie habe sich die Augen gerieben, als sie davon erfuhr. «Das ist ein Versehen. So etwas hätte nie passieren dürfen», sagt Strub. Sie gehe davon aus, dass dieser Fauxpas noch korrigiert werde.

Fragezeichen bleiben

Exakt am selben Tag, auf den der Brief datiert, hatte die Basler Zeitung einen Artikel publiziert. In diesem wurde der Landratssitz von Hans-Urs Spiess als gefährdet eingestuft.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Artikel und dem Wahlschreiben besteht, bleibt offen. Ebenso wie die Frage, was sich Markus Meier und Hans-Urs Spiess dabei gedacht haben, ihren Landratskollegen aussen vor zu lassen, oder wie viele Briefe versendet wurden und an wen. Laut de Courten war der Adressatenkreis von Spiess und Meier selber bestimmt worden. Beide waren gestern trotz mehrfachen Versuchen auf verschiedenen Kanälen nicht zu erreichen.

Basler Zeitung

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