Hagelschlag verursacht Schaden in Millionenhöhe

Büsserach/Breitenbach

Eine Gewitterzelle entlud sich lokal über Breitenbach und Büsserach – bis 80 Prozent Ernteausfälle. Es kam zu Schäden in Millionenhöhe. Die zuständige Versicherung war total überlastet.

Viertelstunde Hagelschlag: Über 70 Fahrzeuge wurden beschädigt.

Viertelstunde Hagelschlag: Über 70 Fahrzeuge wurden beschädigt.

(Bild: zvg)

Daniel Wahl

Jene Gewitterzelle, die einen Hagelschaden in Millionenhöhe verursacht hat, suchte sich am Montagabend sehr lokal eine flache, offene Ebene im Schwarzbubenland aus, um sich mit voller Wucht zu entladen. Binnen einer Viertelstunde wurde die Frühlingslandschaft von Büsserach und Breitenbach von kastaniengrossen Eiskörnern in eine Winterlandschaft umgepflügt. Am Rande in Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Siedlungen Meltingen, Fehren und Wahlen.

«So etwas habe ich in meinem Leben nie erlebt», sagt Peter Stähli. Und er sei immerhin 50 Jahre alt. Ein Hagelschlag, wie ihn der Präsident des IG Baselbieter Sportverbände kennt, dauert vielleicht etwa vier bis sechs Minuten. Aber das Prasseln auf die Fabrikhalle, in der Stähli Zuflucht fand, habe rund eine Viertelstunde angehalten. Von drinnen musste er zusehen, wie sich Kühlerhaube und Dach seines Wagens in ein Eierblech verwandelte.

«Die Autos haben Cellulite», sagt man sich bei der Carrosserie Remo Schmid in Breitenbach. Dort gibt Regina Renz den Telefonhörer kaum mehr aus der Hand. «Zugegeben, wir machen das Geschäft des Jahres, beklagen dürfen wir uns nicht», sagt sie. Der Hagelschlag sei so heftig gewesen, dass sogar strapazierfähige Windschutzscheiben in die Brüche gegangen seien.

Bis gestern Nachmittag wurden bei der Mobiliar-Versicherung, die eine Filiale in Breitenbach betreibt, rund 60 bis 70 Fahrzeuge mit Hagelschaden angemeldet, sagt Roland Studer, Leiter Schadendienst der Generalagentur Balsthal. Aufgrund seiner Erfahrung dürfte sich die Zahl der angemeldeten Schäden im Verlauf der nächsten zwei Wochen verdoppeln. Die Zürich-Versicherung in Laufen hat wegen Überlastung den Anrufbeantworter eingeschaltet oder vertröstet die Kunden, man biete den Schadeninspektor später auf.

Es war 17.05 Uhr – Landwirt Martin Lindenberger ging ins Haus, um einen Kaffee zu trinken – als die ersten Eiseier auf seine Felder niederprasselten. Jetzt beklagt Lindenberger einen Ernteausfall von 80 Prozent; die Zückerrüben zerschmettert, Gerste und Weizen liegen am Boden. Die Eidgenössische Hagelversicherung wirds bezahlen. Bei den Obstbäumen dürfte der Ernteausfall eher höher als 60 Prozent liegen, schätzt Lindenberger.

Die Polizei hatte weniger zu tun als die Versicherungen. Es seien nur 14 Meldungen eingegangen; sieben aus Büsserach, sechs aus Breitenbach und eine aus Meltingen, sagt Polizeisprecher Bruno Gribi. Verletzte habe es keine gegeben. Es wurde vor allem die Feuerwehr zu Hilfe gerufen.

Hagelkörner in Dachrinnen

Wie der Breitenbacher Gemeindeverwalter Andreas Dürr beobachtete, habe sich die Dorfstrasse innert Minuten in einen Bach verwandelt. So bekämpfte die Feuerwehr das Wasser, das gegen die Tür der Bäckerei Suter drückte. Kommandant Stephan Henzi freute sich vor allem darüber, dass Einwohner selbst Hand anlegten und die Schächte öffneten und nicht darauf warteten, bis die Feuerwehr die Arbeit erledigen würde.

Zu Hilfe eilen mussten die Fachkräfter der Von Roll  AG. Dort verstopften Hagelkörner die Dachrinnen. «Der Hagel verursachte stellenweise Schäden an Gebäuden, es kam zu Wassereintritt. «Die Feuerwehr wurde zur Bewältigung der Wasserschäden kurzfristig aufgeboten», bestätigt Von-Roll-Sprecherin Claudia Güntert. Erstaunlich ist, dass die exponierten Panels einer der grössten in der Nordwestschweiz installierten Fotovoltaikanlagen nicht beschädigt zu sein scheinen. «Die Solaranlage sieht auf den ersten Blick unversehrt aus, eine detaillierte Abklärung findet noch statt», schreibt Güntert.

Bei der Solothurner Gebäudeversicherung sind bis jetzt gegen 600 Schadenmeldungen eingegangen. Gemeldet wurden zerschlagene Oberlichter, Eternitplatten und Dachfenster, Einschläge in der Gebäudehülle, gerissene Fensterläden und so weiter. Direktor Alain Rossier rechnet mit einem Schadenvolumen von zwei Millionen Franken. Eigenartig habe er es gefunden, als er das Radarbild betrachtet habe: «In der Gewitterzelle war nur ein winzig kleiner, roter Punkt zu sehen», so Rossier. Es falle der Versicherung darum schwer, eine zuverlässige Hagelprognose herauszugeben.

Basler Zeitung

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