Die Kraft der 13 Kräuter

Nenzlingen

Der Schaugarten von Ricola ist ein Naturparadies, in dem man viel Lehrreiches erfahren kann – und das zum Verweilen einlädt.

Es gibt jeden Tag etwas zu tun. Gärtner John Parry kümmert sich mit Leidenschaft um die 250 verschiedenen Kräuter- und Pflanzenarten, die im Schaugarten wachsen.

Es gibt jeden Tag etwas zu tun. Gärtner John Parry kümmert sich mit Leidenschaft um die 250 verschiedenen Kräuter- und Pflanzenarten, die im Schaugarten wachsen.

(Bild: Pino Covino)

Jeder von uns bekam sie als kleiner Steppke schon einmal aus dem Mantelsack des Vaters oder aus dem Küchenschrank der Oma zugesteckt. Oder hatte sie später selbst in der Hosentasche und wickelte sie, wenn es im Hals kratzte, aus dem gelben Papier mit der dunkelgrünen Schnürchenschrift: Ricola Kräuterzucker. Die Bonbons mit den 13 Kräutern gehören zu den typischen Schweizer Produkten.

486 Meter über Meer, in Nenzlingen, liegt einer der fünf Ricola-Kräutergärten der Schweiz. Nur zehn Autofahrminuten von Laufen entfernt, dem Städtchen, wo 1940 die erste Rezeptur für die klassischen Kräuterbonbons von Emil Richterich gemischt wurde.

Sorgfalt und Hingabe

Die Felder sind saftig grün, der Wald dicht und der Ausblick auf die Hügel des Juras schön. Auch wenn es bei unserem Besuch im Kräutergarten etwas bewölkt ist: Die Szenerie, die zusätzlich durch Kuhglockengebimmel und fröhliches Vogelgezwitscher begleitet wird, mutet traumhaft an.

Als wir in den Garten eintreten, treffen wir auf John Parry, den Grünflächen-Allrounder, der sich eben an einem Beet zu schaffen macht. Insgesamt 250 verschiedene Kräuter und Pflanzen sind auf der rund eine Hektare grossen Fläche angepflanzt. Der Hauptteil ist den 13 klassischen Ricola-Kräutern gewidmet.

«Alle Prozesse hier laufen im totalen Einklang mit der Natur ab», sagt John Parry. Das heisst unter anderem: Es werden keine chemisch-synthetischen Mittel eingesetzt. Die welken Pflanzen werden kompostiert und als frischer Humus wieder auf den Feldern ausgestreut. «Die einzelnen Pflanzen bleiben maximal drei Jahre auf demselben Feld danach wird gewechselt. Das erhöht die Fruchtbarkeit des Bodens und sorgt dafür, dass sowohl die Erde als auch die Pflanzen stark und gesund sind», erklärt John Parry. Seit 17 Jahren arbeitet der Ire im Nenzlinger Kräutergarten.

Insgesamt 44 verschiedene Minzen sind in einem Beet gleich am Anfang des Gartens angebaut. Durchquert man dieses, verbreitet sich ein intensiver Duft, und man sieht erstaunliche Sorten der Heil- und Gewürzpflanze. So beispielsweise Schokoladen-Minze, Thai-Minze, Feigen-Minze, Apfel-Minze, Argentinische Minze, ­Vietnamesische Minze oder Spearmint. Erstere erinnert beim Geschmackstest an After Eight, Letztere an Sportmint und Kaugummi.

Mit einem Wettbewerb, dessen Karten in einem Briefkasten in der Anlage aufliegen, kann man sich auf die Suche nach den 13 Ricola-Kräutern machen. Zudem laden Holzbänke zum Verweilen ein. Es gibt viel zu entdecken und zu riechen.

Ein Stück weiter oben auf der Grünfläche befindet sich ein Beet mit asiatischen Pflanzen, in dem unter anderem Tibetischer Enzian, Chinesischer Salbei und Aloe wachsen. Weiter hinten ist ein Riesenfeld mit Sonnenblumen. «Die lassen wir so stehen, auch wenn sie verblüht sind», sagt John Parry. «Erstens sind sie gut für den Boden, zweitens können Insekten darin ihren Winterschlaf abhalten.»

Gleich hinter dem Ricola-­Garten führt übrigens der Bienenpfad durch. 21 Posten auf dem Weg geben Informationen und Einblicke über die emsigen Tiere. Es gibt etwa Schaukästen mit Waben, in denen man die Insekten beobachtet kann. Und an einem anderen Posten kann mit Hörmuscheln ihrem intensiven Summen gelauscht werden.

Nebst 420 Einwohnern hat Nenzlingen definitiv zwei wunderschöne Naturerlebnisse zu bieten. Mindestens.

In einer losen Serie stellt die BaZ Ausflugstipps im Dreiland vor. ­Zuletzt erschienen: «Von Schmetterlingen umschwirrt» am 5. September 2019.

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