Die Bürgerwehr rückt wieder aus

Giebenach

Freiwillige patrouillieren abends in der Baselbieter Gemeinde Giebenach, um Einbrecher abzuschrecken. Die Polizei betrachtet die Aktion als sinnvolle Ergänzung.

Seit über zehn Jahren sorgen die Bürger in Giebenach selber für Recht und Ordnung.

Seit über zehn Jahren sorgen die Bürger in Giebenach selber für Recht und Ordnung.

(Bild: Keystone)

Die Einwohner von Giebenach gehen wieder auf Streife. Täglich ab 18 Uhr patrouillieren sie in der Abenddämmerung durchs Dorf. Es gibt einen genauen Einsatzplan: In zwei Schichten lösen sie sich ab. Die Mission: Beobachten und berichten – Einbrecher und verdächtige Personen aufspüren und der Polizei melden.

Die Patrouille hat in Giebenach Tradition. Seit über zehn Jahren sorgen die Bürger in ihrem Dorf noch selber für Recht und Ordnung. Oder zumindest dafür, dass die Gemeinde «bei den Einbrechern einen schlechten Ruf bekommt», wie Gemeindepräsidentin Katharina Thommen präzisiert. Nach zwei Jahren Unterbruch wurde der Bewachungstrupp Giebenach, im Dorf BewaTruGi genannt, wieder aktiviert.

Man habe in den vergangenen zwei Jahren Mühe gehabt, Freiwillige für die Aktion zu gewinnen, sagt Thommen. Bei jedem Wetter draussen zu stehen, sei nicht jedermanns Sache. Im Sommer seien wieder Stimmen laut geworden, die eine Reaktivierung der BewaTruGi forderten. Mit dem kürzlichen Einsatz der Militärpolizei im Baselbiet habe dies aber nichts zu tun, betont die Gemeindepräsidentin.

Bereits im Frühsommer hatte sich Thommen auf die Suche nach jemandem gemacht, der Freiwillige rekrutieren sollte. Ihr Augenmerk fiel auf Claude Zufferey, den ehemaligen Birsfelder SVP-Gemeinderat, der seit einem Jahr in Giebenach wohnt. In Birsfelden machte sich Zufferey als Sicherheitschef einen Namen. Auch in seinem ehemaligen Wohnort gingen Bürger auf Streife. Dies mit grossem Medienecho. Vielen ist der Beitrag im Schweizer Fernsehen über das wehrhafte Dorf in Erinnerung: Vor laufender Kamera wurde die Bürgerpatrouille von Vermummten angepöbelt.

Klare Aufgabenaufteilung

Zu Konfrontationen soll es in Giebenach nicht kommen, betont Zufferey, die Aufgabenverteilung zwischen der Bürgerpatrouille und der Polizei sei klar. 34 Frauen und Männer konnten er und weitere Mitglieder der Aktion gewinnen, «auch die Initianten der BewaTruGi der letzten Jahre sind im Boot», sagt Zufferey.

Bisher habe er auf die Reaktivierung der Bürgerwehr nur positive Reaktionen erhalten. Auch die Baselbieter Polizei, die über den Bürger-Einsatz informiert wurde, steht hinter der Aktion: «Grundsätzlich begrüssen wir sämtliche präventiven Massnahmen – dazu gehören auch Bürgerpatrouillen. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass die Spielregeln klar sind. Das bedeutet: Bürgerpatrouillen sollen beobachten und melden, alles andere ist Sache der Polizei», sagt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Man betrachte solche Aktionen in Kooperation mit der Polizei als durchaus sinnvolle Ergänzungen.

Ursprünglich wurde die BewaTruGi wegen hoher Einbruchszahlen in der Gemeinde gebildet. Seither seien die Einbrüche zurückgegangen. Die Reaktivierung des Trupps habe aber andere Gründe: «Zwar gab es erst letzte Woche einen Einbruch, doch die Lage hat sich nicht verschärft. Das System hat sich bewährt und die Einwohner fühlen sich einfach sicherer», sagt Thommen. Dies bestätigt die Polizei: «Ohne auf Detailzahlen einzugehen: Giebenach ist bezüglich Einbruchzahlen kein Hotspot.»

Die Bürgerwehr ist in Giebenach mehr als eine Patrouille. «Zusammen auf Streife zu sein verbindet», sagt Thommen. Selbstverständlich greife auch sie – als Aushilfe – wieder zur Taschenlampe, wenn Not an der Frau sei.

Basler Zeitung

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