«Das vergisst man ein Leben lang nicht mehr»

Muttenz

Muttenzer Gymnasiasten nehmen an einem internationalen Wissenschaftstreffen teil. Dies verdanken die Schüler der Biologielehrerin.

Beim Projekt dabei. Dan Dobler, Seline Aycicek, Raphael Voellmy, Alessia Galvagno (von links) bei der Arbeit in den Räumen des Gymnasiums Muttenz.

Beim Projekt dabei. Dan Dobler, Seline Aycicek, Raphael Voellmy, Alessia Galvagno (von links) bei der Arbeit in den Räumen des Gymnasiums Muttenz.

(Bild: Nicole Pont)

Dina Sambar

Der 19-jährige Dan Dobler hatte in den letzten 16 Monaten ein Programm, das eines Wissenschaftsprofessors würdig war. Nebst der Schule besuchte er Science Meetings in Tschechien, Österreich und Deutschland, und hielt vor internationalem Publikum einen Vortrag auf Englisch darüber, wie man eine DNA vervielfältigen kann.

Was klingt wie eine Ausnahme­erscheinung, ist im Gymnasium Muttenz zurzeit gar nicht so ungewöhnlich. Wie Dobler reisen 16 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums in europäische Länder, um sich mit Altersgenossen aus zehn verschiedenen Nationen über Dinge wie das Nachweisen von Genvarianten der neuronalen Erbkrankheit «Batten Disease» auszutauschen und Experimente durchzuführen. Die Baselbieter Schüler sind Teil des Comenius-Projektes «European Challenges in Innovative Research Diagnos­tic Methods in Life Sciences». Einige Schüler werden, wie Dobler, zu Mentoren ausgebildet, die ihr Wissen an andere Schüler und Lehrer weiter­geben.

Forschergeist und Sachertorte

«Ich hatte zwar schon etwas Lampenfieber, doch es war viel weniger schlimm als gedacht», sagt Dobler über die wissenschaftliche Präsentation, die er auf Englisch vor über hundert Personen halten musste. «Ich glaube, von dieser Erfahrung habe ich am meisten profitiert.» Heute laufe alles auf Englisch, ergänzt Selin Aycicek: «Ich wollte deshalb, das mein erster Forschungskontakt auf internationaler Ebene stattfindet», sagt die 16-Jährige, die an einem einwöchigen Treffen in Wien dabei war. Fragt man sie nach dem Highlight, kommt jedoch wie aus der Pistole geschossen: «Die Sachertorte! Und auch der kulturelle Teil war toll. Wien ist wirklich eine schöne Stadt.»

Tatsächlich geht es bei dem Come­nius-Projekt nicht nur ums Schnuppern in die Life-Sciences-Branche und um Wissensvermittlung. Der interkulturelle und soziale Austausch wird genauso stark gewichtet. Durch solche Treffen soll die Zusammenarbeit von Schulen in ganz Europa gefördert werden. Für Dan Dobler sind all die Punkte aufgegangen, noch heute hat er Kontakt zu anderen Comenius-Teilnehmern aus verschiedenen Ländern.

Ein Realitäts-Check

Dobler weiss aber jetzt auch, dass er nicht Life Sciences studieren will, obwohl er, wie alle Muttenzer Teilnehmer, das Schwerpunktfach Biologie/Chemie belegt: «Life Sciences ist spannend. Doch ich bin zu ungeduldig für die Forschungsarbeit.» Selin Aycicek hingegen sieht sich in ihrem Vorhaben, Medizin zu studieren, bestärkt: «Diese Diagnoseverfahren spielen auch im Labor eine wichtige Rolle.»

Alessia Galvagno (18) und Raphael Voellmy (18) haben ihr Comenius-Treffen in Frankreich noch vor sich. Beide können sich gut vorstellen, später in der Forschung tätig zu sein. Das Treffen ist auch für sie ein Realitäts-Check. Alessia Galvangno ist deshalb vor allem auf den praktischen Teil gespannt: «Ich freue mich zu sehen, wie Probleme international angegangen werden, wie dort der Unterricht gestaltet wird.» Voellmy wiederum hofft, dass er wie Dobler ein Sicherheitslabor besuchen kann: «Alles was hinter verschlossenen Türen liegt, ist doppelt und dreifach interessant.»

Die Teilnahme am Comenius-­Projekt verdanken die Schüler der Biologielehrerin Christine Baader. Weil diese vor zwei Jahren in der Jury eines nationalen Wissenschaftswettbewerb teilnahm, wurde sie vom Projektverantwortlichen angefragt, mit einigen Schülern an Comenius teilzunehmen. In Regina Bandi, die Biologie auf Englisch unterrichtet, fand Baader eine Kollegin, die sich ebenfalls von der Idee begeistern liess.

«Am Anfang waren wir skeptisch wegen des grossen Aufwandes. Die Reisen müssen organisiert werden und der Stundenausfall kompensiert», sagt Baader. Gemeinsam mit der Schulleitung wurde aber beschlossen, das Wagnis einzugehen. Für das Gymnasium ist die Teilnahme kostenlos. Das Projekt wird im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen von der EU gefördert. Die Schweiz beteiligt sich finanziell daran. «Wir sind den Lehrerinnen sehr dankbar für ihre Initiative», sagt Alessia Galvagno. «Das ist sicher etwas, das man sein Leben lang nicht mehr vergisst.»

Basler Zeitung

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