Blutige Attacke: Hund dreht durch und verletzt Frau und Kind schwer

Tenniken

Ein Deutscher Schäferhund hat ein dreijähriges Kind und dessen Tante angegriffen. Der Hund ist ein Wiederholungstäter – trotzdem durfte er bereits zurück zu seiner Halterin.

Ein Deutscher Schäferhund wie dieser hat in Tenniken zwei Personen angegriffen. Symbolbild: Heinz Diener

Ein Deutscher Schäferhund wie dieser hat in Tenniken zwei Personen angegriffen. Symbolbild: Heinz Diener

Lisa Groelly

Was Karin Riekmann am Donnerstag erlebt hat, will sie nie wieder durchmachen müssen. Kurz vor Mittag hört die Tennikerin Schreie aus einem benachbarten Garten. «Zuerst dachte ich, es handle sich bloss um Kinder, die streiten. Doch als ich draussen war, merkte ich schnell, dass hier etwas ganz Schlimmes passiert ist.»

Eine Deutsche Schäferhündin hat ein dreijähriges Kind in einem Garten angegriffen und dieses am Bein sowie am Gesäss verletzt. Als eine 37-jährige Frau, nach Angaben verschiedener Dorfbewohner die Tante des Kindes, dazwischengeht, greift die Hündin auch sie an. Sie wird durch mehrere Bisse schwer verletzt, wie die Baselbieter Polizei gegenüber der BaZ bestätigt.

Karin Riekmann rennt sofort zurück ins Haus, holt ihr Telefon und alarmiert Sanität und Polizei. «Als ich wieder hinausging, kamen mir zwei andere Nachbarn entgegen. Wir riefen einer weiteren Nachbarin, die gut mit Hunden zurechtkommt.» Diese ist auch gleich zur Stelle.

Mit der Rega ins Spital

Die vier Nachbarn eilen sofort zu Hilfe. «Die Frau hat immer nur gerufen, dass wir das Kind wegnehmen sollen, damit ihm nichts mehr passiert», erzählt Riekmann. Die eine Nachbarin kann den Hund glücklicherweise bald unter Kontrolle bringen. Die anderen drei tragen die Frau und das Kind in das Haus. «Wir haben Erste Hilfe geleistet, all die blutenden Stellen abgebunden und alles unternommen, damit die Frau nicht bewusstlos wird.»

Die Sanität ist schnell vor Ort und bringt das dreijährige Kind in Begleitung der inzwischen eingetroffenen Eltern ins Spital. Die 37-jährige Frau wird mit einem Helikopter der Rega ins Spital geflogen. «Der Hund wurde von der Polizei mitgenommen», sagt Riekmann.

Das Tier gehört einer Bekannten der verletzten Frau. Laut Riekmann war die Halterin am Donnerstag den ganzen Tag nicht zu Hause. Deshalb soll sie die 37-Jährige, die in einem anderen Dorf wohnt, gebeten haben, den Hund ins Freie zu lassen, damit er genügend Bewegung hat. Dabei soll es zum Angriff gekommen sein.

Laut Polizeisprecher Adrian Gaugler konnte das Kind das ­Spital bereits wieder verlassen. Dessen Tante befindet sich aber nach wie vor in stationärer Behandlung. Karin Riekmann weiss nichts Genaueres über den Zustand der Frau, die sie vorher nicht gekannt hat: «Wir werden sie morgen im Spital besuchen.»

Ein Wiederholungstäter?

Was mit dem Hund geschehen ist, weiss Riekmann nicht. «Es hoffen einfach alle im Dorf, dass er nie mehr zurückkommt.» Kantonstierarzt Thomas Bürge sei zwar über den Vorfall in Tenniken informiert worden, allerdings nur über einen Hundebiss. Von einem Rega-Einsatz ist ihm nichts bekannt. «Der Hund wurde nach dem Angriff vorübergehend in eine Stätte gebracht, in der man mit solchen Tieren umzugehen weiss», sagt Bürge.

In einem solchen Fall untersuche das Veterinäramt als Erstes den Sachverhalt, um zu beurteilen, ob es sich um einen unglücklichen Zufall oder um tiefere Aggressionen handelt. Daraufhin werden Sofortmassnahmen ergriffen, beispielsweise wird das Tier temporär beschlagnahmt, oder dem Halter werden Auflagen gemacht.

Anschliessend erfolgt eine vertiefte Untersuchung, die eine verhältnismässige Massnahme zum Ziel hat. Hier wird zwischen dem Schutz der Öffentlichkeit einerseits und dem Wohl des Hundes andererseits abgewogen. Diese Massnahmen können im extremsten Fall eine Einschläferung des Tieres zur Folge haben.

Im Falle des Hundes von Tenniken dauerte die temporäre Beschlagnahmung laut Bürge nur bis am Montag: «Der Hund wurde unter Auflagen wieder an den Tierhalter zurückgegeben.»

Im Oberbaselbieter Dorf heisst es, dass es sich bei dem Hund um einen Wiederholungstäter handle. Schon zweimal habe er einen anderen Hund gebissen. In einem Fall soll sogar Anzeige erstattet worden sein.

Ersthelferin Riekmann kennt den Hund nicht gut: «Wenn ich die Halterin mit ihm beim Spazieren sehe, führt sie ihn stets an der Leine. Ich weiss nicht, warum er ausgetickt ist.»

Strafverfahren wird geprüft

Welche Konsequenzen der Vorfall für die Tenniker Hundehalterin haben wird, ist noch unklar. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft prüft, ein Strafverfahren zu eröffnen.

Dass die Polizei den Vorfall nicht kommuniziert hat, begründet Sprecher Gaugler damit, dass bei jedem Ereignis eine Abwägung zwischen dem öffentlichen Interesse und dem Schutz der involvierten Personen durchgeführt werde. «In diesem Fall überwog nach unserer Einschätzung der persönlichkeitsrechtliche Schutz der beteiligten Personen», teilt Gaugler der BaZ mit.

Was Karin Riekmann derzeit am meisten beschäftigt, ist das Gerede im Dorf. «Es ist zum Davonlaufen, was alles für Gerüchte kursieren.» Die vier Helfer gingen derzeit nur sehr ungern auf die Strasse, weil sie nicht ständig belagert und ausgequetscht werden wollen. «Wir müssen das alles auch zuerst verarbeiten.»

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