Birsfelden will seine Künstler loswerden

BIRSFELDEN

Die Gemeinde hat den Kunstschaffenden im Atelierhaus gekündigt – dabei ist ihr jedoch ein Formfehler unterlaufen. Nun haben die betroffenen Künstler Rekurs eingelegt.

Umstrittene Kündigung: Obwohl keine weitere Nutzung absehbar ist, sollen die Künstler aus dem alten Fabrikgebäude in Birsfelden ausziehen.

Umstrittene Kündigung: Obwohl keine weitere Nutzung absehbar ist, sollen die Künstler aus dem alten Fabrikgebäude in Birsfelden ausziehen.

(Bild: Henry Muchenberger)

Schon seit 34 Jahren schmückt sich die Gemeinde Birsfelden mit einem Atelierhaus für Kunstschaffende. Doch damit soll nun Schluss sein: Allen elf Künstlern, die in den Räumlichkeiten der stillgelegten Druckerei neben dem Gemeindehaus und der Polizei arbeiten, ist kürzlich die Kündigung ins Haus geflattert.

Die Gemeinde Birsfelden hat seit Jahren finanzielle Probleme, weshalb die Kündigung der Atelierräumlichkeiten an der Hardstrasse nicht ganz unerwartet kommt. Trotzdem sorgt sie für einiges Kopfschütteln. Denn laut der angehenden Gemeinderätin Regula Meschberger ist noch nicht klar, wie das ehemalige Fabrikgebäude nach dem geplanten Auszug der elf Künstler genutzt werden soll.

Pionierleistung im Baselbiet

1978 gründeten unter Platznot leidende Baselbieter Künstlerinnen und Künstler die Genossenschaft Künstleratelierhaus GSMBA Basel. Die Vereinigung hatte es sich zum Ziel gesetzt, Kunstschaffenden Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen. Mit den tiefen Mietzinsen, welche die Gemeinde Birsfelden der Genossenschaft gewährte, vollbrachte sie eine Pionierleistung: Als erste Baselbieter Gemeinde stellte Birsfelden Ateliers für Künstler zur Verfügung. Obwohl dies in den 70er-Jahren bei der breiten Bevölkerung zunächst auf wenig Gegenliebe stiess, ist das Atelierhaus heute eine feste Institution im kulturellen Leben des Baselbiets.

Falsch adressiert – Künstler rekurrieren

Es verwundert also nicht, dass sich die Genossenschaft gegen die Kündigung wehrt. Insbesondere, weil dem Gemeinderat ein kleiner, aber bedeutungsvoller Fehler unterlaufen ist: Die Kündigungen erfolgten direkt an die elf einzelnen Künstler – obwohl die Genossenschaft die eigentliche Mieterin des Gebäudes ist. Aus Sicht der Künstlerinnen und Künstler ist die Kündigung daher nicht rechtsgültig. Deshalb hat die Genossenschaft bei der Mieterschlichtungsstelle Rekurs eingelegt.

Offenbar ist sich auch der Gemeinderat bewusst, dass die Kündigung falsch adressiert wurde. Gemeindepräsident Claudio Botti war gestern nicht bereit, sich zum hängigen Verfahren zu äussern. Auch die Genossenschaft hält sich bedeckt: Bevor der Fall nicht entschieden ist, möchten sich die Künstler gemäss Bildhauer und Vorstandspräsident Jakob Engler nicht zum Thema äussern.

«Grundlos rausgeworfen»

Regula Meschberger, die auch SP-Landrätin ist, gibt ihrer Empörung über die Kündigung hingegen lautstark Ausdruck: «Es ist eine Schweinerei, dass die Künstler grundlos rausgeworfen werden!», sagte sie gestern auf Anfrage. Meschberger, der Kunst und Kulturförderung ein grosses Anliegen sind, sieht zwei Möglichkeiten, wie in Sachen Atelierhaus gehandelt werden könnte: «Entweder sucht man das Gespräch mit den Künstlern, um alternative Standorte für die Ateliers zu finden, oder man lässt von vornherein alles so, wie es bisher war.»

Meschberger ist der Meinung, dass die Kündigung rückgängig gemacht werden müsste. Zumindest bis klar ist, was mit dem Gebäude passiert. Bis konkrete Projekte zur weiteren Nutzung ausgearbeitet seien, könne es jedoch noch Jahre dauern. Jahre, in denen das Haus leer stehen würde.

Basler Zeitung

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