Ausnahmezustand in Pratteln

Pratteln

Lidl und Coop mussten wegen eines Stromausfall Ware aus dem Kühlsortiment wegwerfen.

Kühlkette unterbrochen. In der Coop-Filiale Pratteln mussten viele Lebensmittel nach einem Stromausfall weggeworfen werden.

Kühlkette unterbrochen. In der Coop-Filiale Pratteln mussten viele Lebensmittel nach einem Stromausfall weggeworfen werden.

(Bild: Boris Gass)

Am Samstagnachmittag gingen in Pratteln die Lichter aus. Von 13.05 bis 15.35 Uhr waren Teile der Gemeinde ohne Strom. Der Blackout blieb nicht ohne Folgen. Einer Kundin der Prattler Lidl-Filiale präsentierte sich am späten Nachmittag ein trauriges Bild: Als der Laden nach zweistündiger Schliessung wieder geöffnet wurde, waren alle Kühlgeräte ausgeräumt. Mitarbeitende scannten die Artikel und warfen alle in einen riesigen Karton. Wegen eines zu langen Unterbruchs der Kühlkette wurde das gesamte gekühlte Sortiment entsorgt. «Es hat mich geschmerzt, so was anzusehen, während anderswo Menschen Hunger leiden», sagt die Augenzeugin der Vernichtungsaktion. Sie habe beim Personal nachgefragt, ob das wirklich sein müsse, berichtet sie weiter. Man habe ihr erklärt, dass ein weiterer Verkauf der Ware verboten sei. Lidl Schweiz bestätigt die Schilderungen der Kundin.

Auch die Coop-Filiale an der Bahnhofstrasse wurde während des Stromausfalls für zwei Stunden geschlossen, ebenso das Restaurant. Auch Coop musste gekühlte Ware – Fleisch, Charcuterie und Fisch – abschreiben, heisst es beim Grossverteiler auf Anfrage. Keine Angaben macht Coop zur Höhe des Schadens, gegen den man versichert sei, oder zur durch die Schliessung erlittenen Umsatzeinbusse. Auf den Wochenend-Einkauf verzichten mussten die Prattler am Samstag aber nicht. Die nur eine Querstrasse vom Coop-Center entfernte Migros-Filiale blieb vom Stromausfall verschont.

Senioren fit und munter

Ohne Folgen blieb die Stromlücke für das Altersheim Madle. Zur grossen Erleichterung von Pflegeleiterin Kerstin Ahke waren die Lifte des Heims leer, als die Lichter ausgingen. Wäre ein Heimbewohner stecken geblieben, hätte es bei der Hitze brenzlig werden können, sagt sie. Alle 115 Bewohner hätten den Temperaturanstieg im Heim um rund zehn auf bis zu 38 Grad heil überstanden. Das Pflegepersonal habe den Senioren mit kühlenden Fussbädern und Lappen fürs Gesicht beigestanden, so Ahke. Die Krisensituation sei vorbildlich gemeistert worden.

Locker hat Hektor Brand, der an der Bahnhofstrasse eine Metzgerei betreibt, den Ausnahmezustand hingenommen. Er habe nach dem Stromausfall eine Waage mit Batterie in Betrieb genommen und die Preise mit dem Taschenrechner ermittelt. Und weil auch das Gerät für Zahlungen mit Bankkarte ausfiel, habe er Kunden ohne Bargeld anschreiben lassen. Anders als die Grossverteiler musste Brand keine Ware vernichten. Weder in der Fleischauslage noch im Kühlraum habe die Temperatur einen kritischen Wert erreicht. Unangenehm, so die Bilanz des Metzgers, sei einzig die Ungewissheit gewesen, wie lang der Strom noch wegbleibt. «So lang hat es noch nie gedauert.»

Die maximal zweieinhalb Stunden seien tatsächlich eher viel, bestätigt Urs Winiger von der EBL. Dies hänge von der Erreichbarkeit und der Grösse des betroffenen Netzes ab, da dieses vor der Einschaltung vor Ort überprüft werden müsse. Er betont, dass die ersten Kunden schon nach gut anderthalb Stunden wieder Strom hatten. Die Analyse der Störung sei noch am Laufen. Es gebe aber Hinweise, dass Kabelverbindungsstücke oder das betroffene Stromkabel wegen der anhaltend hohen Temperaturen Schaden genommen haben. Dazu könne es trotz laufender Modernisierung des Netzes vereinzelt kommen.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt