Auf der Suche nach dem «Dahinter»

Dornach

Der Schriftstellerin Silja Walter wird zum 100. Geburtstag eine Ausstellung gewidmet.

Silja Walter hat den grössten Teil ihres Lebens im Kloster verbracht und mit ihrem literarischen Werk viele Menschen inspiriert.

Silja Walter hat den grössten Teil ihres Lebens im Kloster verbracht und mit ihrem literarischen Werk viele Menschen inspiriert.

(Bild: Tages Anzeiger)

Wer denkt, dass man im Kloster nur betet und den Rest des Tages mit Haus- und Gartenarbeit verbringt, liegt falsch. Die aussergewöhnliche Klosterfrau Silja Walter hat in ihrem Leben ein beeindruckendes literarisches Werk geschaffen.

Heute wäre die schreibende Nonne hundert Jahre alt geworden. Das Heimatmuseum Schwarzbubenland in Dornach eröffnet deshalb eine Ausstellung mit Originaldokumenten, handschriftlichen Skizzen, Büchern und Bildern, die den Werdegang der Autorin illustrieren und einen Einblick in ihre Gedankenwelt gewähren.

Der Sinn und das «Dahinter»

Als zweites von neun Kindern und Schwester des Schriftstellers Otto F. Walter wurde Silja Walter in Rickenbach bei Olten geboren. Bereits im Kindesalter schrieb sie erste Gedichte. Als Tochter einer Verlegerfamilie wuchs sie in einem idealen Umfeld für ihr künstlerisches Schaffen auf. Nach dem Lehrerseminar zog es die junge Frau nach Freiburg und Basel, wo sie Literatur studierte. Allerdings musste sie das Studium wegen einer Lungenerkrankung abbrechen.

Vom Krankenbett aus veröffentlichte sie 1944 ihre ersten Gedichte. Vier Jahre später führte sie ihre rastlose Suche nach dem Sinn und dem «Dahinter» ins Benediktinerkloster Fahr, wo sie als Schwester Maria Hedwig ihr restliches Leben verbrachte. Hinter den Klostermauern verfasste sie viele lyrische Werke, aber auch Mysterienspiele, Theaterstücke, Hörspiele, Gebetbücher für Kinder, Oratorien, Hymnen oder geistliche Lieder.

Preisgekrönte Klosterfrau

Mit ihrem literarischen Schaffen gab die Benediktinerin ihrem spirituellen Weg Ausdruck und inspirierte damit viele. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, etwa durch den Literatur- und Kulturpreis der Stadt Zürich, den Gesamtwerkspreis der Schillerstiftung oder den Kunstpreis des Kantons Solothurn.

Mit Walters Tod im Januar 2011 verstummte eine Stimme, die viele Menschen auf ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens und dem Umgang mit Spiritualität in einer säkularen Welt bis heute inspiriert. «Ich glaube nämlich, ich bin für das ‹Dahinter› gemacht, für das ‹hinter allen Dingen›.» Dieser von ihr verfasste Satz symbolisiert ihr Lebenswerk sehr treffend.

Grosse Sammlung literarischer Dokumente

Ein bedeutendes Element der Ausstellung ist der rege Kontakt von Silja Walter zum Schwarzbubenland, zu Dornach und zum Kloster Mariastein. Ernst Eggenschwiler, ehemaliger katholischer Pfarrer von Dornach, ist Strippenzieher der Ausstellung. Er besitzt eine grosse Sammlung literarischer Dokumente von Walter und hat sie persönlich gut gekannt. «Unsere Pfarreiratspräsidentin, die sie aus jungen Jahren kannte, fragte sie 1985 an, ob sie zum 50. Geburtstag der Kirche einen Gottesdienst gestalten wolle. Daraus wurde ein Mysterienspiel, das 1991 zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft sechsmal aufgeführt wurde.»

Auch später blieb der Dornacher Pfarrer in regem Kontakt mit Walter und legte eine Sammlung ihrer Werke an. «Als ihr Elternhaus geräumt wurde, gab sie mir weitere Dokumente. Darunter befanden sich handgeschriebene Gedichte von 1939 und 1940, die sie mir in Plastiksäcken übergab.» Die Texte hätten ihn zutiefst berührt. «Ich habe so viel profitiert von ihr, das möchte ich nun mit anderen teilen. Denn sie hat auch heute und morgen viel zu sagen.»

Die Vernissage «100 Jahre Silja Walter» findet heute um 18.30 Uhr im Heimatmuseum Schwarzbubenland in Dornach statt. Die Ausstellung läuft bis am 19. Mai.

Basler Zeitung

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