Anschubhilfe für junge Hausärzte

Arisdorf

Eine Firma kauft Praxen, die keinen Nachfolger finden, und stellt junge ausgebildete Ärzte an, die Deutsch sprechen. Eine Expasion ist bereits geplant.

Einzelpraxen sind ein Auslaufmodell: Neueinsteiger bevorzugen Gemeinschaftspraxen.

Einzelpraxen sind ein Auslaufmodell: Neueinsteiger bevorzugen Gemeinschaftspraxen.

(Bild: Keystone)

Alessandra Paone

Als Cezary Nowak 2009 in Arisdorf als Hausarzt zu arbeiten begann, lief nicht alles nach Plan. Die Praxis, die er übernahm, war zuvor während drei Monaten geschlossen gewesen, weil sein Vorgänger keinen Nachfolger gefunden hatte. Viele Patienten hatten sich bereits nach einem neuen Hausarzt umgesehen. Nowak musste einen eigenen Patientenstamm aufbauen. Erst vor drei Jahren begann es normal zu laufen.

Seit Februar ist die Praxis in Arisdorf aber bereits wieder in anderen Händen. Nowak hat sich neu orientiert und ist als Frauenarzt in eine Gemeinschaftspraxis eingestiegen. Schon während seiner Zeit als Hausarzt hatte er sich parallel mit der Frauenheilkunde befasst. Zu gross sei der Frust in der Hausarztpraxis gewesen, erzählt er.

Im Gegensatz zu der Übernahme vor fünf Jahren ging die Nachfolgeregelung der Praxis aber reibungslos über die Bühne. Die PraxisPro AG hat ihm die Praxis abgekauft. Das neu gegründete Unternehmen berät Ärzte bei der Nachfolgeplanung und -regelung ihrer Praxen und kümmert sich auch um deren Betrieb sowie um alle damit zusammenhängenden Tätigkeiten.

Finanzielle Entlastung

Die PraxisPro AG hat ihren Sitz in Zwingen und besteht aus vier Hausärzten, einer Hausärztin, einem Investor und einem Treuhänder. «Es hat uns gestört, dass Hausarztpraxen immer öfter von branchenfremden Firmen übernommen werden», sagt Stephan Gerosa, Verwaltungsratspräsident und Hausarzt in Läufelfingen. Meistens würden die Praxen dann von ausländischen Ärzten mit geringen bis fehlenden Deutschkenntnissen im Anstellungsverhältnis betrieben. Auch Krankenkassen tummelten sich in diesem Geschäft.

Das Geschäftsmodell der PraxisPro AG hingegen funktioniert wie folgt: Die Firma kauft Praxen, die keinen Nachfolger finden, und sucht gut ausgebildete, junge, deutschsprachige Ärzte. Diese arbeiten in einer ersten Phase als Angestellte und können später die Praxis als selbstständig Erwerbende übernehmen. «Es besteht kein Druck. Sie haben Zeit, bis die Praxis läuft», sagt Gerosa.

Das finanzielle Risiko und der administrative Aufwand schrecken junge Ärzte ab, sich selbstständig zu machen. Es sei seit längerer Zeit problematisch, einen Hausarzt auf dem Land zu finden, bestätigt Cezary Nowak. Die jungen Ärzte seien nicht risikobereit und suchten sich Nischen im Spital mit wenig administrativer und fachlicher Verantwortung. Zudem seien in den letzten zehn Jahren die Fixkosten gestiegen und es gebe deutlich mehr Auflagen.

Letztere sind auch Gründe, weshalb Nowak den Weg der Gemeinschaftspraxis gewählt hat. «Es ist für mich eine grosse Entlastung; ich kann mich mehr auf meine Patienten und mein Fach konzentrieren», sagt er. Einzelpraxen seien ein Auslaufmodell, Gemein-schaftspraxen die Zukunft.

Das hat auch die PraxisPro AG erkannt. Dank Financier Rolf Schäfer, der eine Chemiefirma in Bubendorf besitzt, hat das Unternehmen die Möglichkeit, die aufgekauften Praxen umzubauen, damit mehrere Ärzte darin arbeiten können. Die jungen Ärzte wollten in grosszügigen, modern eingerichteten Räumlichkeiten arbeiten, sagt Gerosa. Hinzu komme, dass immer mehr Frauen den Ärzteberuf wählen und diese arbeiteten in der Regel Teilzeit. «Leider hat die ältere Generation der Ärzteschaft noch nicht verstanden, dass sich die Zeiten geändert haben», sagt Gerosa. Kaum einer leiste am Ende seiner Tätigkeit noch einen Effort und passe seine Praxis den neuen Anforderungen an.

Landesweite Tätigkeit vorgesehen

Die Praxis in Arisdorf ist das erste Projekt der neuen Firma. Durch seine Tätigkeit am universitären Institut für Hausarztmedizin beider Basel hat Stephan Gerosa Kontakt zu jungen Ärzten und hofft, ihnen das neue Modell näherzubringen. Derzeit konzentriere man sich auf Praxen in der Region. Das Ziel sei aber, schweizweit tätig zu sein.

Gemäss Roland Schwarz werden in den kommenden fünf Jahren im Baselbiet rund 40 von den insgesamt 258 in der Grundversorgung tätigen Praxis-Inhaber (Stand 2014) altershalber aufhören. Schwarz ist Facharzt für Innere Medizin und Präsident der Syndata AG, ein ärzteeigenes Unternehmen, das professionelle Dienstleistungen im Bereich des Datenaustauschs und der Datenauswertung erbringt. Er war auch Präsident der Ärztegesellschaft Baselland. In Anbetracht dieser Zahlen seien Firmen, die Ärzte bei der Nachfolgeregelung ihrer Praxis unterstützen, grundsätzlich willkommen, sagt Schwarz. Sofern nicht das eigene Interesse, sondern die Grundversorgung und die Anliegen der Ärzteschaft im Vordergrund stehen. Die standespolitischen Interessen seien zu wahren, findet auch Friedrich Schwab, Geschäftsführer der Ärztegesellschaft Baselland.

Die Schwierigkeit, Nachfolger für Hausarztpraxen zu finden, hat auch damit zu tun, dass in der Schweiz zu wenig Ärzte ausgebildet werden. Laut einer Statistik der FMH wurden 2013 786 Humanmediziner ausgebildet. Gleichzeitig wurden aber 760 Personen mit Facharztdiplom, also fertig ausgebildete Ärzte, aus Deutschland importiert.

Basler Zeitung

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