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2022 Pfeifen für ein Halleluja

Die katholische Kirche in Muttenz bekommt eine neue Orgel. Die Gesamtkosten belaufen sich auf gut 1,3 Millionen Franken. Viele Spender tragen das Projekt mit. Das klappt so nicht überall.

Die neue Orgel wird 2022 Pfeifen haben, die grössten sind 5 Meter lang.
Die neue Orgel wird 2022 Pfeifen haben, die grössten sind 5 Meter lang.

Am 13. Januar fährt in der Tramstrasse in Muttenz der erste Sattelschlepper vor. Er liefert Teile der neuen Orgel für die katholische Kirche; bis Ostern ist das 12?Tonnen schwere Musikinstrument eingebaut. Danach folgen die Feineinstellungen, bevor Priester René Hügin die Orgel am Pfingstsonntag segnet und die Besucher des Festgottesdienstes erstmals ein Ohr voll nehmen können. Am Tag darauf findet ein separates Orgelkonzert statt.

Es wird ein erhabener Moment sein für die Kirchengänger. Erstmals seit langem wird der Raum der denkmalgeschützten Kirche wieder mit richtiger Orgelmusik gefüllt. Seit September 2015 mussten die Besucher mit einer kleinen Truhenorgel vorlieb nehmen – die alte Orgel ist defekt.

Zu hoch für das Ohr

Die «Himmelsleiter», wie das neue Instrument wegen seiner Optik und Symbolik genannt wird, ist mit 2022 Pfeifen von 5 Zentimetern bis 5 Metern ausgestattet. «Der höchste Ton ist so hoch, dass viele ihn gar nicht hören können», sagt Felix Wehrle, Präsident des Kirchgemeinderats und der Orgelbaukommission.

Gegen anderthalb Jahre hat die Orgelbau Kuhn AG aus Männedorf gebraucht, um die «Himmelsleiter» anzufertigen. Das Instrument kostet 950'000 Franken. Hinzu kommen rund 350'000 Franken für die notwendigen baulichen Massnahmen in der Kirche sowie gut 60'000 Franken für Publikationen wie die ­geplante Festbroschüre.

Noch beeindruckender als die Eckwerte der Orgel ist die Art der Finanzierung. Die Bedingung lautete: Die Orgel darf erst bestellt werden, wenn 950'000 Franken garantiert sind. Gut eine halbe Million kam von der Kirch­gemeinde, dem Swisslos-Fonds, der Landeskirche und der Einwohnergemeinde. Der Rest muss über Spenden finanziert werden. Und siehe da: Schon vor einem Jahr konnten Wehrle und die ­Orgelbaukommission die «Himmelsleiter» in Auftrag geben, womit man bestens im Zeitplan lag.

Über 900 Spender

Inzwischen sind mehr als 1 Million Franken beisammen. Neben Stiftungen haben vor allem Einzelpersonen tief in die Tasche gegriffen. Bisher haben mehr als 900 Spender «zwischen fünf Franken und einem fünfstelligen Betrag einbezahlt», sagt Wehrle. Die Spendengelder, die über die eigentlichen Kosten für die Orgel hinausgehen, kommen den Umbaukosten in der Kirche zugute. Man sei froh, wenn man dafür nur eine möglichst kleine Hypothek aufnehmen müsse.

Wehrle ist begeistert vom Spendenerfolg. Es handle sich eben «nicht einfach um eine ­katholische Orgel für unsere Kirche, sondern um einen Beitrag für die Kultur in der Nordwestschweiz». So haben beispielsweise auch Protestanten und Nicht-Muttenzer gespendet. Auch die reformierte Kirche Muttenz hat 10'000 Franken bezahlt, da sie viele Konzerte in der katholischen Kirche durchführt. Hier haben 100 Musiker Platz.

Die 12 Tonnen schwere Orgel wird im Januar vom Orgelbauer in ­Männedorf (im Bild) nach Muttenz transportiert.
Die 12 Tonnen schwere Orgel wird im Januar vom Orgelbauer in ­Männedorf (im Bild) nach Muttenz transportiert.

Die Solidarität der Bevölkerung ist nicht selbstverständlich – dessen ist sich Wehrle bewusst. Noch besser weiss das aber Thomas Brand. Er ist Organist und leitet das Projekt der Orgelsanierung in Gelterkinden. Die katholische Kirchgemeinde im Oberbaselbiet wollte per Crowdfunding 70'000 Franken sammeln, um das 220'000 Franken teure Unter­fangen zu finanzieren. Zusammengekommen sind aber nur 13'250 Franken, womit die Kampagne scheiterte und das Geld ­zurückbezahlt werden musste.

Die alte Orgel kann trotzdem saniert werden, erklärt Brand. Das sei mit Beiträgen von Kirchgemeinde, Landeskirche und Swisslos-Fonds gesichert. Doch die Spendenaktionen laufen weiter, und inzwischen seien deutlich mehr Gelder zusammen­gekommen, als man in der geplatzten Crowdfunding-Aktion gesammelt hatte. Der Orgelbauer soll am 17. Februar mit den ­Revisionsarbeiten beginnen, die Einweihung des Instruments ist auf den 23. August angesetzt.

Zweites Leben in Bulgarien

Zurück nach Muttenz. Die alte Orgel ist bereits ausgebaut. Sie erhält ein zweites Leben in einer Kirche in Bulgarien, wo sie von Grund auf repariert wird.

Für Muttenz hätte sich das nicht gelohnt, erklärt Felix Wehrle: «Rückblickend war die Orgel am falschen Ort gebaut, der Ton knallte an die Betondecke.» Deshalb und weil eine Reparatur ebenfalls eine Viertelmillion gekostet hätte, hat man sich für eine neue Orgel entschieden.

Nachdem die alte Orgel zwei Jahre lang im Internet zum Verkauf ausgeschrieben war und niemand Interesse bekundet hatte, haben sich die Muttenzer dazu entschieden, sie einer Gemeinde zu verschenken, die Freude daran hat. Und die Freude ist in der Tat gross: Sogar der Pfarrer kam von Bulgarien nach Muttenz, um mitzuhelfen, das Instrument in den Lastwagen zu hieven.

Doch warum ist eine Orgel für eine Kirche denn so wichtig? Für Wehrle ist klar: «Die Gottesdienste erhalten durch die Orgelmusik eine andere Feierlichkeit und ­Gesamtwirkung. Sie gibt dem Gottesdienst noch mehr Würde.»

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