Fleisch schlägt vermehrt auf den Magen

Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen häufen sich, weil manche beim Grillieren zu wenig geduldig sind. Auch das Fondue Chinoise ist gefährlich. Von einer Epidemie kann aber noch keine Rede sein.

Mehr Infektionen im Sommer: Poulet- und Schweinefleisch müssen genügend lange gebrutzelt werden.

Mehr Infektionen im Sommer: Poulet- und Schweinefleisch müssen genügend lange gebrutzelt werden.

(Bild: Keystone)

Brechreiz und Durchfall sind die unliebsamen Anzeichen, dass es einen erwischt hat: Magen-Darm-Infekt. Oftmals wird die Krankheit durch Viren, vornehmlich Noroviren, oder aber Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacteriose ausgelöst. Dass sich in den warmen Monaten mehr Menschen damit anstecken, hat einen einfachen Grund: «Viele grillieren ihr Fleisch nicht genügend lange», sagt Adrian Egli, Leiter klinische Mikrobiologie am Universitätsspital Basel. Insbesondere Pouletbrüstli und Schweinekotelett seien heikel, wenn sie nicht genügend lange auf dem Grill lagen.

Fondue Chinoise wird zur Falle

Doch nicht nur im Sommer lauert die Ansteckungsgefahr: «Einen zweiten Peak gibt es zur Fondue-Chinoise-Zeit während den Feiertagen und Neujahr», sagt Simon Fuchs, Leiter Sozialmedizin im Stadtkanton. Denn auch dabei kann es leicht passieren, dass man vor lauter «Gluscht» nicht mehr warten mag und das Fleisch zu früh aus der heissen Brühe nimmt. Oder man mit dem rohen Fleisch Teller, bereits gekochtes Fleisch oder Saucen kontaminiert. Eine strikte Trennung von rohem und gekochtem Fleisch ist deshalb unerlässlich.

Ein Blick in die Statistik bestätigt, dass sich die Infektionen im Sommer und nach den Festtagen häufen: Ansteckungen mit Campylobacter gab es im Baselbiet im Juni 36, im Juli 42 und im August 41. Im Dezember des Vorjahres gab es 25 Infektionen, im Januar 41. Zum Vergleich: Im November lag der Wert bei 21, im März bei 15 Fällen. Auch im Stadtkanton wurden während Grill- und Fondue-Chinoise-Saison mehr Infektionen gemeldet: Im Sommer durchschnittlich 21, im Dezember 19 und im Januar 20.

Eine deutlichere Sprache sprechen die Zahlen der nationalen Statistik: Die Anzahl Infektionen waren im Januar (751), Juli (877) und August (737) deutlich grösser als beispielsweise im März (254). Schweizweit handelten sich rund 8000 Personen im letzten Jahr eine bakterielle Infektion ein, die Brechreiz und Durchfall zur Folge hatte.

Hände gut waschen

Ebenfalls unangenehme Folgen hat ein viraler Infekt für die Betroffenen. Ein solcher ist hochansteckend und kann bereits durch Berührungen weitergereicht werden. «Händeschütteln oder bei Kindern normales Spielverhalten können bereits ansteckend sein», erläutert Michael Walther, Oberarzt auf der interdisziplinären Notfallstation im UKBB und spezialisiert in Kindernotfallmedizin. Somit könne man sich nicht vollständig schützen, «wenn jemand weiter am sozialen Leben teilnehmen möchte». Regelmässiges Händewaschen sei aber immerhin eine Möglichkeit, um das Risiko zu minimieren, Krankheitskeime weiterzureichen.

Auch in den letzten Wochen waren einige Kinder wegen einer bakteriellen oder viralen Magen-Darm-Grippe auf der UKBB-Notfallstation, doch von einer Epidemie könne deswegen noch lange nicht die Rede sein. «In den meisten Fällen sind die Kinder bei ihrem Hausarzt in den besten Händen und müssen gar nicht auf die Notfallstation kommen», berichtet Walther weiter.

Unbedingt viel trinken

Der Besuch des Notfalls ist auch bei Erwachsenen selten angezeigt; ein Virus wie beispielsweise der Norovirus ist innerhalb von 24 bis 48 Stunden ausgesessen, eine bakterielle Infektion kann sich bis zu fünf Tage hinziehen. «Wenn Fieber oder Blut im Stuhlgang hinzukommen, dann sollte man den Arzt aufsuchen», sagt Egli vom Unispital. Dann müsse der Einsatz von Antibiotika geprüft werden.

Prekär sind Magen-Darm-Infekte insbesondere für Babys, Kinder und ältere Menschen. «Die Flüssigkeit, die der Körper ausstösst, muss zwingend wieder zugeführt werden», erläutert Egli. Gemäss Walther verspüren Kinder vor allem in den ersten Krankheitstagen häufig eine starke Übelkeit und erbrechen Flüssigkeit postwendend wieder. Ein Kinderarzt kann in diesem Fall ein Medikament verschreiben, welches den Brechreiz unterdrückt. Ansonsten benötigen die Infekt-Geplagten Geduld, bis der Infekt abebbt. Dies gilt auch für die Erwachsenen: Diese müssen viel Wasser oder Tee trinken und abwarten.

Basler Zeitung

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