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Warum tut sich die Politik schwer mit ihrem Netzauftritt?

Der Basler Internet-Experte, «Infamy»-Blogger und baz.online-Mitarbeiter Dani Winter (42) hält Erklärungen bereit.

baz: Dani Winter, die Basler Parteien und Politiker tun sich in diesem Wahlherbst ziemlich schwer mit ihren Internet-Auftritten und Online-Aktivitäten.Überrascht Sie das? Dani Winter: Nicht wirklich. Politik wird ja oft von gesetzteren Herrschaften gemacht. Und dass die im Adaptieren neuer Technologien weniger schnell sind als Teenager, ist für mich nachvollziehbar und verständlich. Der politische Nachwuchs bedient sich schon viel selbstverständlicher der Möglichkeiten des Internets.

Auch Wahl-Blogs funktionieren offenbar nicht wie gewünscht – in der Regel ist die Teilnahme gering. Sind Politiker mit solchen und ähnlichen Formen der Internet-Partizipation überfordert, unterschätzen sie deren Wirkung oder sind es die Blogs, die schlicht überschätzt werden? Nun, das mit der Überforderung kennen wir Journalisten ja auch. Die Wirkung von Blogs einzuschätzen, ist schwierig bis unmöglich. Ein Blog, das mit Verlautbarungen einer Partei gefüllt wird, macht mich als Kandidierenden für das Publikum natürlich nicht fassbarer. Es gibt aber auch schon ganz brauchbare Beispiele.

Könnte es sein, dass die Reserviertheit gegenüber dem Internet gar eine Basler Spezialität ist? Nein, nein. Dann hängen wir die Ewiggestrigkeit lieber den Politikern an. Spass beiseite: Das Internet entwickelt sich ja ständig weiter und kann so gesehen gar nicht begriffen werden. Es müsste aber komisch zugehen, wenn Trends wie das Social Networking an der Politik spurlos vorbeigingen. Das Internet bietet einfach neue Möglichkeiten der Kommunikation. Und wer davon keinen Gebrauch macht, sagt mir, dass er vielleicht meine Stimme in der Urne haben will, aber nicht im Ohr.

Was müssten die Politiker denn anders machen? Tendenziell würde ich meinen, dass es gescheiter ist, zu Themen zu bloggen, welche die Leute bewegen, als über sich selbst. Die jungen Grünen zum Beispiel haben im aktuellen Wahl-«Kampf» ein paar originelle Aktionen gemacht. Im Parteienblog findet man nichts darüber, und wenn, dann keine Bilder oder gar Filmchen. Dabei könnte man das Material in etlichen Kanälen publizieren. Und die Mittel, so ein Filmli zu machen, hat heute ja jeder in der Hosentasche.

In den vergangenen Wochen haben wir erlebt, wie eine Internet-Plattform wie Facebook Tausende Menschen mobilisieren kann (Stichwort Botellón). Könnte das die Zukunft des Wahlkampfs sein? Gerade eben hat mich SP-Politiker Tobit Schäfer zum Facebook-Freund gemacht. Vor zwei Tagen hat jemand versucht, mich als Gegner der Rauchfrei-Initiative zu gewinnen. Aber als Journalist hoffe ich doch, dass wenigstens der eine oder andere Apéro erhalten bleibt. Auch glaube ich, dass die Präsenz auf der Strasse nie komplett überflüssig wird. Sonst könnten wir ja gleich Avatare, also computergenerierte Leute, wählen.

Bei den Präsidentenwahlen in den USA hat der Kampf um die Vorherrschaft im Internet ungekannte Dimensionen angenommen. Zum Beispiel wird ein Grossteil der Wahlspenden online gesammelt. Was ist in den USA anders als in Europa? Ich glaube, die sind einfach ein bisschen früher dran als wir. Aber was wir jetzt ennet dem Teich beobachten können, wird in ein paar Jahren bei uns auch so sein. In der Premiere der neuen «Arena» von SF wurden die Zuschauer aufgefordert, Video-Statements einzuschicken, mit denen die Politiker konfrontiert werden sollen – also genau das, was YouTube und CNN im aktuellen US-Wahlkampf machen. Es ist also durchaus angezeigt, dass sich die hiesigen Politiker mit dem Internet beschäftigen.

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