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Über die Kirche und die SBB in die Politik

DSP-Grossrat Stephan Maurer ist es ernst mit seiner Kandidatur für den Regierungsrat. Seit die Regio-S-Bahn gut aufgegleist ist, sucht er eine neue Herausforderung.

Für die DSP, die um die Fraktionsstärke kämpft, werden es entscheidende Wahlen, glaubt Stephan Maurer. Wohl auch deshalb hat sich der Fraktionspräsident der kleinen Mitte-Partei als Kandidat für die Basler Regierungsratswahlen zur Verfügung gestellt. Aber das ist nicht der einzige Grund: «Mit 50 Jahren ist es eine gute Zeit, noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen.» Politisch ist Maurer, der seit 2004 für die Demokratisch-Soziale Partei (DSP) im Grossen Rat sitzt, vor allem durch sein Engagement für den öffentlichen Verkehr (ÖV) aufgefallen. So hat er sich für ein Nachtbusnetz und einen Masterplan Badischer Bahnhof eingesetzt. Als ÖV-Spezialist ist er weit über die DSP hinaus anerkannt. Immer wieder erhalte er Anfragen, die Partei zu wechseln.

«Ich kann mir auch ein Engagement in anderen Parteien vorstellen, ausser bei der extremen Rechten. Die Bandbreite ist gross», kommentiert er. Dennoch bleibt Maurer der DSP treu, deren Aushängeschild er ist. Er sagt von sich, dass er sich schnell stark identifiziere. Das sei bei der DSP so gewesen und auch bei den SBB. «Ein toller Job. Die SBB haben mich stets stark unterstützt», lobt er seinen Arbeitgeber, bei dem er schon seit 30 Jahren ist und verschiedene Führungsfunktionen innehatte. Er startete als ausgebildete Bahnbetriebsdisponent und hat sich ständig weitergebildet. Derzeit ist Maurer Produktmanager für die Regio-S-Bahn. Seit 2006 arbeitet er zu 80 Prozent, um Zeit für die Politik zu haben.

Den Weg in die Politik fand Maurer über die Kirche, wo er sich das Rüstzeug dafür aneignete. 13 Jahre lang war er im Kirchenvorstand und Baudelegierter der reformierten Titusgemeinde auf dem Bruderholz. Die Solaranlage auf dem Kirchendach ging auf seine Initiative zurück. Das kirchliche Engagement hat sicher erleichtert, dass die gemeinsame Liste mit der EVP für die Regierungsratswahlen zustande kam.

Maurer wohnt seit 20 Jahren wenige hundert Meter entfernt von der Tituskirche in einem teils eigenhändig restaurierten älteren Haus. Auch hier findet sich auf dem Dach eine moderne Solaranlage. «Nachhaltigkeit ist mir wichtig.» Auf dem Bruderholz engagierte er sich erfolgreich gegen Pläne der Regierung, Grünzonen zu überbauen und ist seit 1995 im Quartierverein aktiv. «Wir haben beide Referenden 2006 klar gewonnen», sagt er – noch heute sichtlich zufrieden, die unbebauten Zonen für künftige Generationen gerettet zu haben.

Stephan Maurer ist in einer Genossenschaftswohnung im Neubad aufgewachsen. Als er zehn war, zogen die Eltern aufs Bruderholz, wo sie heute noch leben. Oben auf dem Wasserturm, den er sich als Ort für eines der beiden Fotos wünschte, kommentiert er begeistert den Rundblick bis über die Grenzen.

«Die Regio habe ich durch die Arbeit für die grenzübergreifende S-Bahn kennengelernt.» Bei den SBB ist Maurer seit 1993 für ihren Aufbau zuständig. «Da habe ich verstanden, wie wichtig die Politik für die Umsetzung eines derartigen Projekts ist.» Kein Wunder, dass er für das zweite Foto die neue S-Bahn-Station Dreispitz ausgesucht hat. Heute sind die wichtigsten Grundlagen der S-Bahn gelegt. Zeit für einen Wechsel, aber Maurer ist Realist genug, um sich als Aussenseiter bei den Wahlen zu sehen.

ÖV-Spezialist und zudem kein Akademiker, das reiche nicht als Qualifikation für den Regierungsrat, lautet ein Hauptkritikpunkt an Maurers Kandidatur. Er entgegnet: «Ich verfüge über viel Wissen und Erfahrungen beim ÖV, Bauen und der Raumplanung, kann mich schnell auf neue Situationen einstellen und gut vermitteln. Niemand beherrscht sieben Themen gleichzeitig.» Zudem habe er die Erfahrung gemacht, dass mit Akademikern und Nichtakademikern gemischte Teams effizienter seien. Im Gesundheits- oder Erziehungsdepartement allerdings sehe er sich weniger.

Gradlinig, konziliant, anständig, ein Teamplayer mit grossem Begeisterungspotenzial – man hört viel Positives über Maurer bei Politikern und Journalisten. Er kennt diese Charakterisierungen und empfindet sie als zutreffend. Seine Schwächen? «Ich bin manchmal ungeduldig und zu fordernd, habe zu viele Ideen, die ich nicht alle umsetzen kann.» In die DSP trat er 1994 ein und war schon 1995 Mitglied der Parteileitung – der Aufstieg in einer kleinen Partei ist einfacher als in einer grossen. Freunde hatten ihn in die DSP geholt und Freunde sind wichtig für ihn. Seit dem 40. Lebensjahr geht Maurer einmal im Monat mit zwei Freunden, die er aus der Pfadi kennt, einen Tag wandern. «Ein Architekt und Apotheker. Diese Tage sind ein Thinktank für mich.» Mit anderen Ex-Pfadifreunden betreibt er am Klosterbergfest einen Stand. Mit dem Erlös wird stets eine gemeinsame Städtereise in Europa finanziert. Überhaupt reist er gerne. Diesen Februar war er mit seiner Frau in Chile.

Bei allem zeitraubenden Engagement bleibt die Familie ein wichtiger Ruhepol. Froh ist er über seine Tochter (22) und seinen Sohn (20), die beide gut im Leben stehen. «Das ist ja nicht selbstverständlich», freut er sich. Wichtig sind die abendlichen Gespräche mit seiner Frau, die als Religionslehrerin arbeitet. Der Fernseher bleibt meistens aus, Maurer geht oft früh zwischen 22.00 und 22.30 Uhr zu Bett und steht um 6 Uhr wieder auf. Um 7.00 oder 7.15 Uhr ist er im Büro, das er mit einem Kollegen teilt. Auf einen Raum für sich alleine hat Maurer verzichtet: «Ich arbeite lieber im Team als alleine.»

Trotz seinem Engagement für den ÖV und die Umwelt sieht er sich nicht als Linker. «Ich bin ein unternehmerischer Typ. Das Kosten-Nutzenverhältnis muss stimmen.» Warum ist er dann Mitglied in der Eisenbahnergewerkschaft? «Aus Solidarität und weil ich auch von deren Lohnverhandlungen profitiere.»

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