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Kämpfer für Familiengärten und gegen Fluglärm

Nach nur zwei Jahren im Grossen Rat möchte der Riehener Anwalt Heinrich Ueberwasser den Sprung in die Regierung wagen.

Für Heinrich Ueberwasser ist der Landgasthof in Riehen ein Beispiel für eine urbane Gemeinschaft, wo jeder seinen Platz hat. Foto: Mischa Christen
Für Heinrich Ueberwasser ist der Landgasthof in Riehen ein Beispiel für eine urbane Gemeinschaft, wo jeder seinen Platz hat. Foto: Mischa Christen

Es ist eine Blitzkarriere, die Quereinsteiger Heinrich Ueberwasser (51) durchlaufen hat. Erst 2003 rückte er für die «Vereinigung Evangelischer Wählerinnen und Wähler» (VEW) – die heutige Evangelische Volkspartei (EVP) – in den Riehener Einwohnerrat nach. 2006 wurde er bestätigt und rückte in den Grossen Rat nach. Und nun folgt die Regierungsratskandidatur.

Trotz kurzer Politkarriere glaubt sich Ueberwasser gut vorbereitet: «Vor 20 Jahren habe ich zum Thema «Kollegialprinzip in der Regierung» den Dr. iur. und damit quasi die theoretische Prüfung für den Regierungsrat gemacht.» Politisiert hat er seit der Jugend: «Ich wollte zeitgeschichtliche Phänomene direkt kennenlernen, angefangen von Besuchen bei den AKW-Besetzern in Kaiseraugst während meiner Schulzeit bis zum spontanen Friedensgebet für Armenien und Aserbaidschan unmittelbar vor Ausbruch des Krieges in Georgien in einem Kloster in Berg Karabach. Meine wirkliche politische Inspiration bleibt allerdings, dass ich mit 21 Jahren Vater wurde und mit 37 nochmals und dass ich von meiner Tochter quasi persönlich verantwortlich gemacht werde, wenn irgendwo ein Baum gefällt wird.» Ueberwasser war auch schon mal Freimaurer, ein Engagement, das er mit dem Einstieg in die Politik aufgegeben hat.

Moostal-Initiativen

Zur Politik ist der Vater eines 30-jährigen Sohnes und einer 14 Jahre alten Tochter in den Neunzigerjahren eher zufällig gekommen, als in Riehen das Moostal – eines der letzten grünen Gebiete der Landgemeinde – hätte überbaut werden sollen. Heinrich Ueberwasser wehrte sich, gründete die IG Moostal und lancierte die Moostal-Initiativen. In einer Volksabstimmung sprachen sich die Riehener dann 2004 für die Entlassung grosser Teile des Moostals aus der Bauzone aus. Obwohl 2007 ein Rekurs dagegen Erfolg hatte, soll das Areal nun in der anstehenden Gesamtzonenplanrevision weitgehend freigehalten werden.

In den «Moostaljahren» trat Heinrich Ueberwasser der EVP bei, obwohl «für einen Juristen mit dem EVP-Parteibuch keine Türen aufgehen». Die EVP schütze aber als einzige Partei Grüngebiete und Familiengärten nachhaltig und sei gleichzeitig sozial und liberal, begründet er den Parteieintritt. Schnell bekannt wurde er durch einen unkonventionellen, mitunter schrägen Politstil. Dies stiess nicht nur auf Gegenliebe und brachte ihm den Ruf eines Selbstdarstellers ein. Ueberwasser seinerseits bemängelt das Fehlen von Selbstironie bei vielen politischen Persönlichkeiten im Stadtkanton: «Politiker, die meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben und sich selbst für unersetzlich halten, sind nicht teamfähig.» Seinen Stil sieht er inspiriert von englischer Selbstironie und Understatement. Bekannt wurde er aber auch durch ein Gespür für «gute» Themen.

Vision von Urbanität

Ein solches Thema ist der «Landgasthof» in Riehen. Dank seinem Einsatz wird er vorerst weiter bestehen bleiben. Die Landbeiz ist Teil seiner Vision von Urbanität, nicht nur für Riehen: «Ich will ein urbanes Basel mit den Energiepolen Bestehendes und Weltneuheiten. Basel soll wachsen, aber nicht nur die Handschrift eines einzigen Architekturbüros tragen, auch wenn es das beste der Welt ist. Basel soll auch scheinbar ?altmodische? Treffpunkte wie den ?Landgasthof? leben lassen. Ich liebe Beizen, in denen quer durch die Bevölkerung alle willkommen sind. » Ueberwasser, der in der Stadt ins Gymnasium ging und im Kleinbasel lebte, will die Dorfatmosphäre Riehens für die Stadt adaptieren.

Dazu passt auch sein Einsatz für Familiengärten: «Meine Urbanität vereint Vielfalt: Familiengärten und ein grüner Bäumlihof neben Roche-Turm und Novartis Campus.» Durch den neuen Basler Richtplan sei ein Drittel der Familiengärten akut bedroht. Dagegen wehren sich die Familiengartenvereine mit einer Initiative unter tatkräftiger Mithilfe von Heinrich Ueberwasser: «Familiengärten sind eine faszinierende Welt: Tausende Garten- und Gemüseparadiese, starke soziale Netze, die Jung und Alt, Schweizer und Ausländer, ja ganze Quartiere zusammenbringen. Die Gärten sind auch Garanten für zentrumsnahe Grünflächen», begründet er sein Engagement.

Flughafenexperte

Zur Urbanität gehört auch der lärmige Luftverkehr, wie Ueberwasser weiss. Als Anwalt vertritt er seit zehn Jahren schweizerische und deutsche Gemeinden in Fällen um den Flughafen Zürich: «Gekröpfter Nordanflug, Parallelpisten, Anflugbeschränkungen über Deutschland usw. – alles komplexe rechtliche Fragen an der Schnittstelle von Recht und Politik. Für den Flughafen sein und doch für die Entwicklungsfähigkeit der Gemeinden kämpfen», so Ueberwasser zu seinen Mandaten. Die Zürcher Flughafenbetreiber seien bem Ausbau zu wenig auf die Anwohner und die Entwicklungen in der Luftfahrt eingegangen. Das will er in Basel vermeiden.

Wie das geht, beschreibt er in einem Exposé. Der EuroAirport soll zum «anwohnerfreundlichen Hochleistungsflughafen» gemacht werden. Probleme wie ILS-34 könnten mit Sofortmassnahmen entschärft werden. Es gelte bestehende Stärken des EuroAirports zu nutzen, unter anderem durch vermehrte Direktverbindungen. Ueberwassers Vision ist klar: «In wirtschaftlich guten Zeiten sollten wir uns auf schwierigere vorbereiten, sparsam, ökologisch und sozial sein. Um Basel attraktiv zu machen, sollten wir es baulich aufwerten, aber eben nicht zubauen.»

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