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In vino veritas....Prost!

Eine heitere Ex-Bundesrätin und ein kreidebleicher Wessels: Die Gugge46 lud zum Fest – einmalig für die Fasnacht, einmalig an der Fasnacht.

«Prost zusammen»: Stephan Zimmermann von der Gugge 46 spricht die Fasnacht und den Wein heilig.
«Prost zusammen»: Stephan Zimmermann von der Gugge 46 spricht die Fasnacht und den Wein heilig.
Pino Covino
Heiliger Klerus: Die Larven der Gugge 46 haben ihre eigenen Sitzplätze.
Heiliger Klerus: Die Larven der Gugge 46 haben ihre eigenen Sitzplätze.
Pino Covino
Dröhnen in der Kirche: Die Tambouren nutzen die Akustik voll aus.
Dröhnen in der Kirche: Die Tambouren nutzen die Akustik voll aus.
Pino Covino
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Bunte Räppli liegen am Boden der Freien Kirche Elisabethen – die Fasnacht ist einmarschiert ins Gotteshaus. Zum feucht-amüsanten Beisammensein lädt weder eine altehrwürdige Clique noch eine rebellische Gugge oder ein zertifizierter Schnitzelbangg: Hier feiern die Herren der Gugge46. Sie feiern die Fasnacht, sie feiern ihre Freunde, sie feiern sich und die Tatsache, dass an der Fasnacht alles geht. Auch ein Weisswein-Apéro um 10.30 Uhr – und Witze aller Gattungen. Zum Beispiel dieser:

Sind zwei 10-Jöhrigi in dr Kirche, frogt dr eint dr andri, ob er au scho mol Sex gha het. «Nei», sait dr ander, «aber gli.» «Wieso das?», frogt dr Ersti. «Mi Mami het mi gester als Ministrant agmolde.»

Die Gugge46 ist eine Fasnachts­gesellschaft, die nicht spielt, die nur das Mindeste dichtet, ausserhalb des ­konventionellen Fasnachts-Universums existiert und dieses doch mit einem Fingerschnippen in die eigene Welt integriert. Denn was die Herren können, ist exzellent feiern.

Anno 1946, der Krieg war durch, die Fasnacht hinkte dem Frieden noch hinterher, beschlossen einige Herren, dem Fasnachts-Dienstag könne ein wenig mehr Heiterkeit nicht schaden. «S isch e Morgestraich-Idee gsii von e paar glatte Stryzzi, wos nit glatt gfunde hänn, am Zyschtig nummen ussschliesslig in d Heeli, ans 33er-Fescht kenne z goo, will am Faasnachtzyschtig rain gaar nyt gloffen isch.» So erzählt man sich das heute. Und weiter ging es: «D Inschdrumänt hän si vo irgendere Gugge, wo im Restaurant Holbeinstube residiert hett, ussglehnt.» So halten es die Herren der Gugge46 bis heute: Jahr für Jahr haben sie bisher ins Stadtcasino geladen: Einerseits das Publikum, andererseits die ausgewählte Unterhaltung. Weisse Tischtücher, delikate Häppchen, Trommelspiel, Pfyffli-Gezwitscher und bodenböse Schnitzelbängge wurden zur Tradition.

Illustre Gäste

Nun musste die Gugge46 wegen der Bauarbeiten im Casino umziehen; die Herren luden in die offene Kirche Elisabethen, verteilten die Sitzplätze an Basler Prominenz und anderswo wichtige, wie alt Bundesrätin Ruth Metzler, und gaben den allgemeinen Tarif durch: «In Vino Veritas» oder einfach «Prost»! Und das geht so. Während geladene, und zudem erstklassige, Guggen, ­Tambouren, Pfyyffer und Schnitzelbängge einander die Bühne warmhalten, wird das Publikum mit Schnittchen, mittäglichen Abendmählern, Desserts und – natürlich – Wein bei Laune gehalten.

Letzterer fliesst ohne Pause. «Wenn jemand Durst hat, einfach die Hand heben, dann kommt ein Mädchen und schenkt euch nach», verkündet Gugge46-Mitglied Stephan Zimmermann von der Kanzel. Denn das erklärte Ziel ist: «Wenn die Leute hinausgehen, soll ein jeder wanken.»

Ob Simonetta Sommaruga, Sabine Pegoraro, Marco Streller, Markus Somm oder Baschi Dürr, jeder bekam an diesem Tag sein Fett weg. Stephan Zimmermann, der auch Gattin und Ex-­Bundesrätin Ruth Metzler (CVP) aufs Korn nahm, leitet die Reihe mit einem Jahresrückblick ein. Darauf folgten Tambouren von der Strasse, deren Trommelwirbel durch die Kirchen-­Hallen donnerten.

Kreidenbleicher Wessels

Während Wessels und Co. in den Schnitzelbänggen für Lacher sorgen durften, waren die Reihen mit anderen Gästen besetzt. Denn es gilt: «Mir lön nit jede iine.»

D Muulwiirf, ein Schnitzelbangg des Comité 1914, nahmen sich Schneider-Ammanns «Rire, c’est bon pour la santé» zur Brust und trugen Anek­doten aus dem 2016 vor, bei denen den Protagonisten nichts anders blieb als ein verzogenes Lächeln.

Me gseht dr Wessels kriideblaich uff dr ­Dreiländerbrugg. Är fahrt nach St. Louis und will si Kischte zrugg. Do sait dr Maire dört: «Dü, das Geld isch gschmolze wie der Schnee. Und dängg dra uf em Heiwääg: Rire, c’est bon pour la santé!

Bevor die Berner Gugge Schlimmphoniker der momentanen Kirchgemeinde einheizte, kontrollierte Doggter FMH die Lachmuskeln auf äusserste Belastbarkeit.

Y bi dr Dr. FMH und das isch d’ Schwester Gundula, sy kunnt us Therwil das liggt im Baselland und syy git mer jede Morge d’Hand.

Die Gugge46 war dieses Jahr das kleine ­Fasnachts-Highlight für die Geladenen.

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