Die Emotionen auf den Barfi getragen

Die Plätze im Gross- und im Kleinbasel waren gestern fest in den Händen der schränzenden Guggenmusiken.

Grinsen mit blauen Augen. Die <b>Chaote</b> konnten auf dem Seibi heuer ihren Geburtstag feiern. Sie sind inzwischen 30.

Grinsen mit blauen Augen. Die Chaote konnten auf dem Seibi heuer ihren Geburtstag feiern. Sie sind inzwischen 30.

(Bild: Kostas Maros)

Martin Regenass

Es sind Emotionen, welche die Guggen wie die Pumperniggel, die Messingkäfer oder die Ventilatore auf ihrem Sternmarsch von der Messe her auf die Bühnen am Clara-, am Markt- oder am Barfüsserplatz tragen. Tausende Zuschauer säumen die Strassen und halten bei sentimentalen Liedern inne oder schaukeln mit, wenn die Bläser- und Rhythmus-Sektionen der Guggen Stücke wie «The Battle Hymn of the Republic», «Massachusetts» oder «Sing, Sing, Sing» zum Besten geben.

Die Stimmung in der Stadt verrät es unmissverständlich: Es ist der Abend des Fasnachtsdienstags, und die Hauptachsen der Stadt gehören für ein paar Stunden den Guggen. Ein grosser Moment für Eveline Allenbach, Majorin der Rätsch-Beeri, welche die erste reine Frauengugge in der Gugge-Interessengemeinschaft, der Gugge-IG, war. «Dieser Abend bedeutet uns alles, weil wir quasi das Regiment haben über die Stadt», sagt sie.

Junge Garde am Start

Allenbach hat diesen «Lieblingstag» an der Fasnacht schon viele Male erlebt und sieht den Dingen, die da kommen, in einer Beiz am Riehenring vor dem Abmarsch gelassen entgegen. Schliesslich hat die erfahrene Majorin schon zahlreiche Konzerte vor mehreren Tausend Zuschauern auf dem Seibi hinter sich.

Ganz anders präsentiert sich da die Gefühlslage beim 9-jährigen Kai und beim 15-jährigen Nero von den Gugge-Mysli. Die Formation hat heuer 13 Jungs im Alter von 6 bis 18 Jahren dabei, die aktiv Instrumente spielen. «Wir sind etwas nervös vor dem ersten Konzert, freuen uns aber und glauben, dass wir unsere Sache gut machen werden», sagen die beiden Paukisten.

Die Gugge-Mysli sind aktuell die einzige Gugge, die eine Junge Garde mit Bläsern und Schlagzeugern am Start hat. Gegründet wurde sie vor knapp einem Jahr. «Wir hatten immer schon viele Kinder im Vortrab und wollen für sie nun auch eine Möglichkeit bieten, Musik machen zu können», sagt Rafael Claude vor dem Abmarsch beim Messezentrum.

Der Major wünscht sich auch mehr weiblichen Nachwuchs. «Leider sind die Mädchen etwas scheu, wenn sie frisch bei einer Gruppe mit so vielen Jungs hinzustossen.»

Claude bedauert, dass sich in der Zwischenzeit die Junge Garde der Barbarossa-Schlurfer wieder aufgelöst hat. Er sieht ein Problem, dass nicht mehr Guggen eine Junge Garde nachziehen, bei den Aufgaben, die anfallen. «Eine Junge Garde bedeutet Mehraufwand – zum Beispiel im Vorstand oder bei den Finanzen. Bei Dingen eben, die junge Leute nicht regeln können.» Zwar sei auch Claude anfangs skeptisch gewesen gegenüber dem Projekt, das in den nächsten Jahren weiter aufgebaut werden soll, allerdings seien die Erfahrungen gut. «Die Jungs strengen sich richtig an.»

Erholsamer als Cortège

Punkt 19.30 Uhr geht es auf dem Marktplatz los mit dem Konzert. Die Stimmung ist ausgelassen unter den aktiven und passiven Fasnächtlern. Einige sind mit fahrbaren Bars unterwegs und schenken tüchtig Bier, Wein oder Wodka ein. Dääfeli und kleine Leuchtstoffröhren fliegen durch die Luft.

Als Erste spielen die Träne-Furzer auf, deren Bläser- und Percussion-Section die Menge auf dem grossen Platz noch nicht so mitzureissen vermögen. Das liegt wohl am Publikum, das erst noch etwas warm werden muss. Bereits bei den Räpplischpalter steigt das Stimmungsbarometer. So auch bei Laura aus Basel. Sie schätzt die «etwas andere Atmosphäre» der Guggenkonzerte im Gegensatz zum Cortège. «Dieser ist jeweils etwas hektisch, weil ich mich stets vor den Waggis in Acht nehmen muss», sagt die junge Frau. Am Konzert der Guggen könne man sich zudem besser bewegen, sagts, und schunkelt zu «Alles aus Liebe».

Basler Zeitung

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