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Farbenfroher Cortège unter grauem Himmel

Gesellschaftskritisches, Lokalpolitisches, Umweltsorgen und der FCB in verschiedenen Facetten sorgen für Unterhaltung.

Di Alte Stainlemr illustrieren die Differenzen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un.
Di Alte Stainlemr illustrieren die Differenzen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un.
David Thommen
Gasmasken verdeutlichen die von der Clique akzentuierte atomare Bedrohungslage.
Gasmasken verdeutlichen die von der Clique akzentuierte atomare Bedrohungslage.
David Thommen
Der Hype um Einhörner dauert schon zu lange an. Zeit für eine Kampfansage.
Der Hype um Einhörner dauert schon zu lange an. Zeit für eine Kampfansage.
Katrin Hauser
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Das Wichtigste zuerst: Der Cortège blieb trocken. Unter grauem Himmel zwar, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Und entsprechend legten sie los, vor allem die Jungen. Die Schnuffer und Schnoogge vor der Alte Richtig eröffnen auf der inneren Route am Steinenberg, das Sujet heisst «Travail Carnavanimal» und ist tierisch: Im Vortrab BVB-Bären und politisierende Affen, dann pfeifende Köche und Stadtreinigungsratten und trommelnde Briefdybli oder Spürhunde, und dazwischen eine Giraffe als Tambourmajor, welche den Roche-Turm putzt. Bravo!

Auf der äusseren Route nehmen die Klingedal-Waggis die Pole-Position ein. Elsässer zu sein, hat sich gelohnt – sie bekamen von den Bâlois dafür Millionen … Die Fuege-Fäger sind die erste Gugge, die sich zeigt – sie sind Mumien, die jetzt in Basel entdeckt werden. Ein schöner Zug. Der Cortège läuft ganz flott, eine Einheit nach der anderen erscheint. Was auffällt: Die Sujetvielfalt ist sehr, sehr gross, viele haben sich etwas einfallen lasen, gepflegt werden die Details.

Der Barbara-Club setzt eine ernste Note – der Zug paradiert fast in Schwarz, es geht um die G20 und die unliebsamen Begleiterscheinungen wie Krawalle und Chaos-Tage et cetera, und das Sujet heisst denn auch «In nomine Pacem – G20», also im Namen des Friedens, frei übersetzt.

Dem 20-jährigen Stein der Weisen huldigt die Junge Lälli: Trachtenmädchen pfeifen, die Tambouren haben Schwingerhosen an. Dahinter gleich der Lälli-Stamm: Gezeigt wird «Äääär – my Sindebogg, zem vorwärts koo». Dem Unschuldslamm soll es an den Kragen gehen, das besorgen der Harst der Pfeifer und Tambouren und besonders der Tambourmajor. Wer den Zeedel liest, merkt dann schon, worum es geht: In unserer Gesellschaft hat es eingerissen, die Schuld und die Fehler immer bei einem anderen zu sehen und zu suchen statt bei sich selber. Da ist was dran.

Gleich nochmals ein schwarzer Zug – der Stamm der Märtplatz-Clique rauscht an, mit RevolutioNAARE, sowohl im Vortrab als auch im Spiel. Nicht so farbig, das Sujet, teilen sie lapidar noch mit.

Bei mehreren Cliquen läuft die Junge Garde gleich vor dem Stamm (oder umgekehrt). Der Nachwuchs der Glunggi, Junge Garde und Binggis, stellt im Sujet fest: «Dr Kaländer spinnt». Darum werden wohl viele Weihnachtsbäume mitgeführt, sowohl im Requisit als auch von den Pfeifern und Tambouren.

Gesellschaftskritisches auch beim Stamm der Glunggi: «Neis in der Pharma – Mir hälfe de Grangge, um jede Bryys». Dabei geht es auch um den neuen Chef der Novartis, Vasant Narasimhan, abgekürt «Vas». Entsprechend macht der Tamourmajor «Vasnacht». Und der Zeedel, von dem wir hier den letzten Vierzeiler zitieren, gibt auch hier Auskunft:

Mir findes guet wenn d Chefe nit nur nämme,bi uns hängge Investitione mit dr Fasnacht zämme.Vasant, syg e grade Maa,s Gäld griegsch uss Basel, dängg do draa!

«Wo isch aus s Bethli Ackermaa?», fragen die Rhygwäggi, die in blauen Hosen und rot-weiss gestreiften Leibchen vorbeimarschieren. Ja, die Frage aller Fragen! Die Clique hilft jedenfalls beim Suchen, und sie bittet um schonendes Anhalten, falls jemand dieses Bethli finden sollte … Man kann es übrigens beim Präsidialdepartement abgeben.

«Wickie und die starken Männer» – das sind die Jungen Pierrot. Sie zielen damit auf den FC Basel, wo es jetzt einen Wicky hat. Sie kommen halb als Wikinger, halb als FCB-Spieler, schön gemacht. Dahinter der Wagen der Rauracher-Rueche mit dem Sujet «Raphi Wicky und die starken Männer», es geht um das Gleiche. Und der Zufall will es, dass am Cortège genau im richtigen Zeitpunkt der Wagen der Warteck-Rueche heranfährt – «Die root-blaui Macht vom Joggeli, vo dr Larve bis zem Zoggeli». Ja gut, nicht in den letzten beiden Meisterschaftsspielen gegen Lugano und St. Gallen. Aber das konnten die Fasnächtler nicht voraussehen.

Um die Umwelt und um den Rhein sorgt sich die Spezi-Clique – «Alles goot dr Bach ab», lautet das Sujet. Sie sehen aus wie Rettungsschwimmer, schwimmen jedenfalls im Bach, und der Dreck des Flusses ist an ihnen hängen geblieben. Die Ladäärne markiert das Käppelijoch, auf dem Wagen führen sie gelbe Wickelfische mit. Hier die letzten zwei Zeilen des Zeedel:

Denn magsch no so rassig dr Bach ab goo,gäll, vergissisch am Schluss nit uuse z koo!

Sie kemme und geen, mer blyybe», sagt die Junge Garde der J.B.-Clique Santihans – es geht um Globi, Donald Duck und Co., die dann auch in ihrem Zug mitlaufen. Gefeiert wird damit 135 Jahre Taschenbücher mit Globi und Donald Duck. Wunderschön und farbig.

Mit einem dicken Virus marschiert der Stamm der JBC an – dem Tambourmajor. Man befindet sich auf Virenjagd, die hat es nämlich überall, oder macht neudeutsch auf «Cyber-defence.exe». Die Grundfarbe der Gewänder war wohl mal Gelb, jetzt ist alles verschmiert und verdreckt, Viren halt.

Die Basler Rolli zeigen, wie man vom Egoisten zum Egoid wird (Tipp: Lesen Sie den Zeedel). Fast in Weiss, in glänzendem Stoff rauschen sie an, die Grössten im Spiel, und der Allergrösste ist der Tambourmajor.

Einen starken Zug präsentieren auch die Schnooggekerzli, die zum ApéroCalypse laden. Die entsprechende Bar ist das Requisit, wunderbar gestaltet. Ein Riesenharst, und darum ein Genuss, ihnen zuzuhören.

Die Verschnuuffer haben sich mit dem Wagen der Luuser-Waggis zusammengetan – ausgespielt wird die Swiss Hacker Army. Unterwegs sind Swiss-Army-Soldate mit Tannenbäumen, die sie schon gefällt haben. Natürlich geht es beim Hacken aber um die Cyber-Attacken.

«Mir seen numme no root!», protestieren die Spoorepeter – sie meinen die Rotlichter der Stadt. Der ganze Zug erscheint in Rot, eine Augenweide. Mit der gleichen Farbe hat es die Alte Garde der Spezi-Clique – dort sieht man rot wegen der Baustellen in der Stadt.

Wir haben längst nicht alles gesehen – Tschuldigung! Aber der Cortège hatte eben auch mal Pausen oder Stau, je nach Blickwinkel. Dem zu verdanken ist, dass wir etwa zehn Minuten lang den Chriesi-Buebe zuhören durften – die Tambourengruppe, bäuerisch gekleidet, zeigte sich mit ihren Holztrommeln in grosser Form. Dafür, dass es wieder weiterging, sorgten schliesslich die Rhyschnoogge: Ihr Sujet heisst schlicht: «Yyschtoo!»

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