Geschminkte Gesichter statt Larven

Die Witterswiler Gugge Noote Heuer hat ihrem Auftritt auf dem Theaterplatz für grosse Entrüstung gesorgt. Auf deren Homepage hagelt es seit Sonntag wütende Kommentare.

So nicht: Gesichtsschminke gehöre nicht an die Basler Fasnacht, wirft ihnen eine Fasbook-Gruppe vor.

So nicht: Gesichtsschminke gehöre nicht an die Basler Fasnacht, wirft ihnen eine Fasbook-Gruppe vor.

Dina Sambar

Die Witterswiler Gugge Noote Heuer hat mit ihren Auftritten am Theaterplatz am Fasnachtsdienstag einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In der eigens geschaffenen Facebook Gruppe «Sag NAI zu Fasnachts-Tourismus» wird die Gugge an den virtuellen Pranger gestellt.

Zwar richtet sich die Gruppe in ihrer Kurzinfo generell «gege uswärtigi Guggemuusige, wo unyyglaade an dr Basler Fasnacht und an de Bummelsunntige dailnämme, obwohl se in dr Stadt nit willkomme sin». In der ausführlicheren Beschreibung wird jedoch klar, dass es vor allem um die Noote Heuer geht.

Denn sie sind nicht nur Auswärtige. Was die Gemüter vollends zum Kochen bringt, ist, dass die Gugge mit geschminkten Gesichtern spielte. Das sei «ein absolutes NO-GO! und ein Affront gegenüber unserer Basler Fasnachtskultur», heisst es in einem Artikel auf fasnacht.ch, der wohl den Anstoss für die kollektive Empörung gab.

So besetzten die Noote Heuer laut Artikel am Gugge-Zyschtig immer wieder den Theaterplatz, um dann während Stunden zu konzertieren. Das Stossende sei jedoch, dass sich die Gugge nicht an die Aufforderungen des Fasnachts-Comités im Rädäbäng halte, die Platzkonzerte mit Larve zu spielen, sondern mit geschminkten Köpfen musiziere. Laut fasnacht.ch wurde die Gugge «bereits mehrfach auf dieses unsägliche Verhalten während unserer Fasnachtstage hingewiesen, diese scheinen jedoch resistent gegenüber solchen Voten zu sein».

Wütende Kommentare im Netz

In der Gruppe «Sag NAI zu Fasnachts-Tourismus», in geteilten Links, auf der Facebook-Seite der Noote Heuer und auf deren Homepage hagelt es seit Sonntag wütende Kommentare. Arroganz, Frechheit und Unbelehrbarkeit wird der Gugge vorgeworfen – manchmal in solch unflätigen Worten, dass sie Gaetano Giglio, Präsident der Witterswiler Gugge, löschen musste.

Er kann die Aufregung um die geschminkten Auftritte nicht verstehen. Man wolle auf keinen Fall respektlos sein. «Wir spielen seit 18 Jahren geschminkt auf dem Theaterplatz. Das ist auch schon eine Tradition», so Giglio. Die Noote Heuer würden den Platz mitnichten besetzen, sondern drei halbstündige Konzerte spielen. Dieser Standort sei extra so gewählt, dass man die Fasnacht nicht störe. «Wenn wir um 20 Uhr das erste Mal auftreten, warten die Leute bereits», sagt Giglio. Die ganze Theaterstrasse sei immer gerammelt voll: «Das Publikum hat wie wir Freude und stört sich nicht an der Schminke. Ich weiss nicht, was die Basler Guggen für ein Problem haben.»

Das Schminken gehöre einfach zu den Noote Heuern. Ob seine Gugge damit tatsächlich Basler Tradition bricht, stellt Giglio infrage: «Bis ins frühe 20. Jahrhundert gab es gar keine Larven, sondern man hat sich mit Russ und Asche das Gesicht angemalt.» Zudem habe die Gugge sehr wohl eine Larve – einen Helm mit Visier –, welche die Mitglieder beim ersten Stück auch getragen hätten. «Natürlich kann man jetzt diskutieren, was eine Larve ist. In Sissach, wo Larvenpflicht herrscht, sind wir mit den Helmen offiziell dabei.» Tatsächlich findet man im Netz sehr viele Kommentatoren (auch aus Basel), welche die Gugge unterstützen und die Diskussion lächerlich finden. Die Gugge-IG und die FG gehören nicht dazu. Auch sie beurteilen das Verhalten der Witterswiler Gugge als inakzeptabel.

Gugge-IG nicht erfreut

«Ich persönlich finde, dass sie gar nicht ungefragt nach Basel kommen sollen. Und falls doch, sollen sie sich den hiesigen Gepflogenheiten anpassen», sagt Patrick Müller, Obmaa der Gugge-IG. Die Gugge-IG habe sich schon schriftlich an die Gugge gewandt und sie gebeten, eine Larve zu tragen. Leider könne auch die IG nichts gegen diese Unsitte unternehmen. «Unser früherer Präsident, ebenfalls ein Witterswiler, hat sich mit dem Präsidenten der Noote Heuer getroffen, ist aber nicht durchgedrungen.» Dem widerspricht Giglio. Bis auf ein Essen mit dem früheren IG-Präsidenten, bei dem man übereingekommen sei, dass Schminke zwar nicht gern gesehen, aber toleriert werde, habe er nie etwas Schriftliches zu diesem Thema erhalten.

Allerdings stand seine Gugge bereits 2007 wegen der Schminke im Fokus der Öffentlichkeit, hat aber nichts an ihren Auftritten geändert. Ob das so bleiben wird, lässt Giglio offen: «Wir sind nicht unbelehrbar. Wir werden nun das Gespräch suchen. Ich bin überzeugt, dass es eine Lösung gibt.» Schliesslich haben wir vor 13 Jahren aufgrund eines Schreibens des Fasnachts Comités auch aufgehört, am Bummelsonntag durch die Freie Strasse zu defilieren.»

Basler Zeitung

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