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Das Nachbarnet kämpft ums Überleben

Der Basler Vermittlungsstelle sind auf einmal die Hälfte der Einnahmen weggebrochen.

Pierre-Alain Niklaus und Agata Uniatowicz leiten gemeinsam das Nachbarnet in Basel. Foto: Lucia Hunziker
Pierre-Alain Niklaus und Agata Uniatowicz leiten gemeinsam das Nachbarnet in Basel. Foto: Lucia Hunziker

Als Peter Zemp die Basler Vermittlungsstelle «NachbarNet» 1999 gründet, hat er als Arbeitsmittel nicht mehr als einen grossen Karteikasten. Mit diesem klappert er Woche für Woche die Kirchgemeinden ab und erkundigt sich, wem man wie helfen kann. Der Name seines Vereins soll eine ironische Anspielung auf das Internet sein, an das er nicht so richtig glaubt, obwohl es immer stärker genutzt wird.

Heute, über 20 Jahre später, gibt es die gemeinnützige Organisation immer noch. Sie hat sich inzwischen von der Kirche emanzipiert und sich dem digitalen Zeitalter angepasst – ohne den Namen ändern zu müssen. Ihre Aufgabe ist aber dieselbe geblieben: Sie unterstützt als Vermittlungsstelle die nachbarschaft­liche Zusammenarbeit in der ­Agglomeration Basel. Dabei richtet sie ihren Fokus vor allem auf Menschen, die sozial schlecht vernetzt sind, finanziell nicht so gut dastehen oder mit der Digitalisierung nicht zurechtkommen. Zur Zielgruppe gehören ebenfalls Personen, die die deutsche Sprache nicht beherrschen und deshalb Mühe haben, Anschluss zur Gesellschaft zu finden – auch körperlich und seelisch eingeschränkte Menschen.

Soziale Funktion

«Das Nachbarnet hat sich zu einem starken Netzwerk entwickelt. Für viele Menschen ist es unentbehrlich geworden, um Alltagsprobleme selbstbestimmt ­lösen zu können», sagt Pierre-Alain Niklaus. Er leitet zusammen mit Agata Uniatowicz das Nachbarnet. «Wir helfen, Löcher zu stopfen, bieten Überbrückungen an.» Wenn zum Beispiel ein älterer Mann ins Spital gehen muss und niemanden hat, der mit dem Hund spazieren geht. Oder: Eine alleinerziehende, berufstätige Mutter mit geringem Einkommen sucht nach dem Umzug Hilfe bei der Einrichtung des Kinderzimmers. Sie hat keine Zeit, die Wände zu streichen und die Möbel aufzubauen.

Das Nachbarnet fördere den Kontakt zwischen Jung und Alt und unterstütze die Integration, sagt Niklaus. «Indem sie helfen, haben viele das Gefühl, wieder nützlich zu sein.» Das Netzwerk bilde die urbane Gesellschaft ­Basels durch die Vielfalt der ­Beteiligten gut ab. Es lebe vor allem durch die Bewohnerinnen und Bewohner der Region Basel, zudem beteiligten sich zahlreiche soziale Institutionen und Quartierorganisationen.

Es ist allerdings unklar, wie ­lange die Organisation ihre gemeinnützige Arbeit noch weiterführen kann. Denn das Nachbarnet steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Ende 2018 teilte die ­Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige mit, ihre Leistungen einzustellen. Der Verein hatte das Nachbarnet 20 Jahre lang unterstützt, zuletzt mit einem jährlichen Beitrag von 40’000 Franken. «Es wäre schon schwierig genug gewesen, diesen Ausfall zu kompensieren. Wir waren aber einigermassen zuversichtlich, es zu schaffen», sagt Niklaus. Bis die Basler Fachstelle ­Diversität und Integration Ende September 2019 ebenfalls bekannt gab, ihren jährlichen Beitrag von 30’000 Franken zu streichen, obschon das Nachbarnet seit 2017 mit dem Kanton über einen Staatsbeitrag verhandelt hatte.

«Uns ist auf einmal die Hälfte der bisherigen Einnahmen weggebrochen», sagt Niklaus. Er hat Verständnis dafür, dass Institutionen und Stiftungen nicht ewig zahlen. «Dass dies aber sozusagen von einem Tag auf den anderen geschieht – damit habe ich Mühe.» Der Betriebsaufwand ohne Projekte und Fonds betrug in den letzten Jahren zwischen 140’000 und 150’000 Franken. Für 2020 rechnet das Nachbarnet mit einem Aufwand von 145’000 Franken.

Neu mit Mitgliederbeiträgen

Niklaus weiss, dass es inzwischen viele Vermittlungsplatt­formen in den sozialen Medien gibt, die ohne grossen Aufwand funktionieren und daher kostengünstiger sind. «Aber weil wir eine bestimmte Zielgruppe ansprechen, braucht es im Hintergrund erfahrene Fachpersonen.» Es brauche eine Moderation. Deshalb wird die Vermittlungsarbeit beim Nachbarnet in bezahltem Pensum geleistet. Niklaus und Agata Uniatowicz teilen sich eine 100-Prozent-Stelle.

Um die Finanzierungsprobleme kurzfristig etwas abzufedern, hat sich die Organisation an die Politik gewandt: Basta-Gross­rätin Beatrice Messerli hat via Budgetpostulat einen einmaligen Betrag von 15’000Franken beantragt. Der Vorstoss kam in erster Lesung durch; der definitive Entscheid steht aber noch aus.

Als weiteren Schritt hat die Geschäftsleitung beschlossen, jährliche Mitgliederbeiträge von 30 bis 60 Franken einzuführen. Dafür sollen die Nutzer aber ­näher begleitet und beraten werden. Zudem möchte man vermehrt auf Stiftungen zugehen und die Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Eine Medienkonferenz wäre der Anfang gewesen – doch dann kam Corona.

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