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Aufenthalt im Reich der Toten

Carl Laszlo ist letzten Freitag 90-jährig gestorben. Ein Nachruf auf den Auschwitz-Überlebenden, der den Glauben an Gott trotz des Holocaust nicht verlor.

Das Gesamtkunstwerk Carl Laszlo: eine sakrale Welt hinter der unscheinbaren Fassade eines kleinen Häuschens im Gellertquartier.
Das Gesamtkunstwerk Carl Laszlo: eine sakrale Welt hinter der unscheinbaren Fassade eines kleinen Häuschens im Gellertquartier.
Margrit Müller

Ich kannte Carl Laszlo nicht, als mich Klaus Littmann, der Basler Kulturproduzent, fragte, ob ich Lust hätte, ein Interview zu führen mit dem neunzigjährigen Mann, der Auschwitz überlebt hatte. Obwohl ich schon so viel über den Holocaust gelesen hatte, obwohl ich als Journalist so viele Juden befragt oder als Student in Amerika manche Emigranten kennengelernt hatte, die seinerzeit vor den Nazis aus Europa geflohen waren, hatte ich noch nie jemanden getroffen, der im Konzentrationslager gewesen war. Es klingt morbid: Aber ich war gespannt. Wie würde sich das anfühlen, fleischgewordene Geschichte, dieser alte Jude aus Ungarn? Würde mich eine Art metaphysisches Gewitter überkommen? Würde ich dem gewachsen sein?

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