Rhytaxi und Bootsfahrlehrer fürchten um ihre Existenz

Privatbootbesitzer sollen für ihre Standplätze deutlich mehr bezahlen – Schweizerische Rheinhäfen wollen nach 25 Jahren mehr Geld.

Vielleicht bald weg. René Didden von Rhytaxi Basel überlegt sich den Umzug an den Vierwaldstättersee.

Vielleicht bald weg. René Didden von Rhytaxi Basel überlegt sich den Umzug an den Vierwaldstättersee.

(Bild: Pino Covino)

Mischa Hauswirth

Was für eine frohe Weihnachtsbotschaft hat die Regioport AG als Betreiberin des kleinen Hafens für Privatbootbesitzer erhalten! Denn gemäss onlinereports.ch will Hans-Peter Hadorn von den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) als Verantwortliche für das Areal künftig von Regioport einen deutlich höheren Mietzins: statt bisher 24 000 sind neu 144 000 Franken gefordert. Das wäre eine Steigerung von rund 600 Prozent.

Ohne eine deutliche Erhöhung der Miete für die Bootsanlegeplätze würde es gemäss Regioport-Präsident Felix Oeri gar nicht gehen. «Wenn SRH 144 000 Franken von uns möchte und unsere Mieteinnahmen sich auf 158 000 Franken belaufen, wird deutlich, worum es geht und wie nah diese Forderung an unseren Brutto-Mietzinseinnahmen liegen. Wir haben ja noch Unterhaltskosten sowie Strom oder den Lohn für den Hafenmeister zu bezahlen.» Oeri spricht deshalb von einer 700-prozentigen Erhöhung, die droht, und sieht im Vorgehen der SRH eine «staatliche Willkür».

Zurzeit haben etwa fünfzig Besitzer die 54 Plätze unter sich aufgeteilt. Für einen Bootsplatz muss ein Besitzer zwischen 1000 und 6000 Franken pro Jahr bezahlen. Insgesamt habe Regioport 1,7 Millionen Franken in den Hafen investiert und beispielsweise Kunststoff-Stege, den stählernen Wellenabweiser oder die Pumpanlagen angeschafft, alles Dinge, die zu einem Hafen gehören; diesen gibt es in der heutigen Form seit 35 Jahren. «Wenn das so durchkommt, werden uns viele Leute verlassen und von Basel wegziehen», sagt Oeri. Das Fortbestehen des Yachthafens wäre damit infrage gestellt.

«Teuerste Standplätze am Rhein»

Der Vertrag zwischen den SRH und Regioport läuft Ende Jahr aus, eine Einigung über einen neuen Vertrag scheint in weiter Ferne zu sein. Denn die Parteien konnten sich auf keinen Kompromiss einigen.

Oeri versteht das Vorgehen der SRH nicht. Vor einem Jahr noch sah es für die Vertragserneuerung gut aus, sagt er, die Verlängerung schien reine Formsache. Bis 2043 sollte Regioport weiterhin einen Hafen für Privatbootbesitzer betreiben können. Dann jedoch kam von den SRH ein Nachtragsschreiben mit dem Anhang 4, dem Teil, in dem eine Mietpreiserhöhung das erste Mal erwähnt war.

«Wenn ich 700 Prozent mehr bezahlen müsste, dann könnte ich den seit bald 18 Jahren mit viel Herzblut und Engagement für die Stadt Basel aufgebauten Rhytaxi-Schifffahrtsbetrieb zumachen», sagt René Didden, Inhaber des Rheintaxi Basel. «Würde eine solche Mietzinserhöhung kommen, müsste ich überlegen, mit allen vier Booten an den Vierwaldstättersee zu ziehen. Wir haben jetzt schon die teuersten Standplätze am gesamten Rhein, zwischen Rheinfelden und Hoek van Holland, noch höhere Kosten sind wirtschaftlich nicht verkraftbar.»

Einige reden auch von «Privatbootbesitzer-Mobbing» oder einem strategischen Entscheid, der politisch motiviert sei. Grund: Der Yachthafen liegt genau dort, wo einige Stadtentwickler und Architekten gerne ihr «Rheinhattan» hochziehen würden mit hohen Wohnblöcken direkt am Rhein. Da gibt es keinen Platz mehr für Boote von Privaten.

Für Bootsfahrlehrer Ruedi Schneider zieht eine solche Mietzinserhöhung «einen ganzen Rattenschwanz von Folgen mit sich», wie er sagt. Er ist überzeugt: Mit dieser Preiserhöhung würde die SRH den Markt in Basel kaputt machen. Er persönlich müsste mit etwa 20 000 Franken höheren Kosten rechnen, etwas, das sein Kleinunternehmen mit vier Personen nicht verkraften könnte.

Schneider denkt aber nicht nur an seine wirtschaftliche Zukunft, sondern auch an die von anderen. «Es gibt Mieter, die sich das Boot durch persönlichen Verzicht und viel Engagement gerade so leisten können und sicher nicht zu den Wohlhabenden gehören.» Auch diese würden ihren Platz aufgeben müssen – der Regiosport würde auseinander brechen.

Vergleich nicht akzeptiert

Es gehe jedoch nicht nur um die Bootsbesitzer, so Schneider. Es bestehe in Basel auch ein Markt rund um den Yachtsport und Motorboote. Von diesem Markt profitieren nebst den Fahrlehrern auch Anbieter wie Händler und Bootsmechaniker. Jedes Jahr bilden Bootsschullehrer 400 bis 500 Personen aus, und auch die Behörden würden mit der Rheinpolizei und ihren Aufgaben in dieses Netz verwoben sein. «Mit einem solchen Entscheid würden die Leute ins Ausland gehen und dort die Prüfung machen», so Schneider. Zudem wisse er nicht, welche Industrie eine so massive Mietzinserhöhung rechtfertigen könne.

SRH-Direktor Hans-Peter Hadorn ist erstaunt über die Richtung der Diskussion, die um die Mietzinserhöhung entstanden ist. Er bestätigt auf BaZ-Anfrage, dass die neue Jahresmiete mit dem Faktor sieben berechnet worden sei. «Regioport AG hat in den vergangenen 25 Jahren einen symbolisch tiefen Zins für die Wasserfläche bezahlen müssen», sagt Hadorn. Dieser tiefe Zins sei seit 25 Jahren unverändert auf der Höhe einer 4-Zimmerwohnung für eine grosse gewerbliche Fläche geblieben. «Regioport wusste, dass es auf Ende 2018 zu Anpassungen kommen würde.»

Wie das im Mietrecht bei Uneinigkeit üblich sei, wurde die Erhöhung der Mietschlichtungsstelle zur Beurteilung vorgelegt. «Diese hat als Kompromiss eine dreieinhalbfache Erhöhung vorgeschlagen, notabene wieder auf 25 Jahre fix», sagt Hadorn. Das wären etwa 85 000 Franken statt der ursprünglich geforderten 144 000 Franken. «Für uns wäre das akzeptierbar gewesen», so Hadorn. Die Regioport ist jedoch nicht auf diesen Kompromiss eingetreten.

Den Vorwurf, über diese Mietzinserhöhung «Mobbing» für städtebauliche Vorhaben zu betreiben, weist Hadorn von sich. «Sonst hätten wir dem Kompromissvorschlag nicht zugestimmt, der dann ja wieder 25 Jahre gelten würde.»

Basler Zeitung

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