Basel-Stadt zahlt Reinigungskräften den tiefsten Lohn

1800 Angestellte erhalten vom Kanton ein Anfangssalär von unter 4500 Franken.

Viel Arbeit, wenig Verdienst: Putzfrau im Einsatz.

Viel Arbeit, wenig Verdienst: Putzfrau im Einsatz.

(Bild: Keystone)

367 Mitarbeitende des Kantons Basel-Stadt erhalten derzeit einen Monatslohn von weniger als 4500 Franken brutto. Davon sind 247 Frauen (67 Prozent). Dies gibt der Regierungsrat in der Antwort auf eine schriftliche Anfrage von Grossrätin Lea Steinle (Grüne) bekannt.

«Der Arbeitgeber Basel-Stadt sollte eine ausreichende Entlöhnung auch für die am schlechtesten verdienenden Berufsgruppen sicherstellen», schrieb Steinle und forderte genaue Zahlen von der Regierung. Sie setzte eine Grenze bei 4500Franken brutto pro Monat, was mit den zwingenden Abzügen zu einem Nettolohn von weniger als 4000 Franken führt. Ein Monatslohn von 4500 Franken entspricht beim geltenden Anspruch auf 13 Gehälter pro Jahr einem Jahresverdienst von 58500 Franken, hält der ­Regierungsrat fest. Ausserdem bestehe für Personen mit Unterhaltspflicht eine Untergrenze von 4000 Franken bei Vollzeitbeschäftigung.

Hoher Frauenanteil

Insgesamt hatte der Kanton ­Basel-Stadt im vergangenen Jahr 11052 Mitarbeitende, die 367 ­Geringverdiener entsprechen also rund 3,3 Prozent. Die Beschäftigten sind jeweils einer ­bestimmten Lohnklasse, einer Funktions­kette oder Richtposition zugewiesen. Rund 1800 Mitarbeitende gehören zu Richtpositionen, deren Anfangslohn weniger als 4500 Franken beträgt, hält der Regierungsrat fest. Davon sind 1200 Personen auf Positionen, die eine Ausbildung voraussetzen, aber nur 93 verdienten am 30. Juni 2019 wirklich weniger als 4500 Franken. Bei diesen beträgt der Frauen­anteil 55,9 Prozent.

Auf Richtpositionen, für die ­keine Ausbildung vorausgesetzt wird, befinden sich zwar nur 606 Mitarbeitende mit einem Anfangslohn unter der Grenze von 4500 Franken. Von diesen verdienten am Stichtag tatsächlich 274, also 45 Prozent, weniger als 4500 Franken. Bei diesen stellen Frauen mit 71 Prozent einen bedeutend höheren Anteil als bei den Ausgebildeten.

Markanter Lohnanstieg

Mehr als die Hälfte der Geringverdienenden ohne Ausbildung (146) entfallen auf Positionen der Reinigung, deren Anfangslöhne beim Eintrittsalter von 18 bis 20 Jahren mit 3200 bis 3300 Franken am tiefsten liegen. «Da die Mitarbeitenden bei Eintritt aber deutlich älter sind, fällt der effektive Monatslohn höher aus», hält der Regierungsrat fest. Zudem üben rund 50 Mitarbei­tende mit Löhnen unter 4500 Franken unterstützende Aufsichtsfunktionen in Bibliotheken, Museen, Archiven und der Dokumentation aus.

Bei den ausgebildeten Mitarbeitenden sind diejenigen mit einem Lohn von unter 4500 Franken breiter gestreut, die höchste Zahl von 27 entfällt auf den Bereich Betreuungsassistenz bei Tagesaufenthalt, weitere elf Personen sind in der Betreuung bei stationärem Aufenthalt beschäftigt. Hier liegen die Anfangslöhne bei etwa 3900 Franken.

In den ersten Jahren nach dem Beginn der Berufstätigkeit er­halten die Mitarbeitenden mit Ausbildung einen markanten Lohnanstieg, schreibt der Regierungsrat. Sie erhalten ab Alter 26 in der Regel einen Monatslohn von 4500 Franken oder mehr.

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