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Coronavirus in der Schweiz+++ Spanien kommt auf Liste der Risikoländer +++ Schwangere gelten als besonders gefährdete Personen

Der Bund stuft das spanische Festland als Risikoregion ein, Ausnahmen sind die Balearen und Kanaren. Die Fallzahlen im Land steigen erneut. Schweizer Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • In den letzten Wochen ist die Zahl der Corona-Ansteckungen erneut angestiegen.

  • Die Massnahmen werden wieder verschärft.

  • Seit 6. Juli gilt im ÖV Maskenpflicht für Personen ab 12 Jahren.

  • Der Bundesrat hat ein strengeres Einreise-Regime an den Grenzen eingeführt.

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Bund stuft das spanische Festland als Risikoregion ein

Das spanische Festland befindet sich ab Samstag auf der vom Bund erstellten Liste der Corona-Risikogebiete. Personen, die von dort in die Schweiz einreisen, müssen zehn Tage in Quarantäne. Ausgenommen sind die Balearen und die Kanaren.

Das teilte das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) am Mittwoch mit (die gesamte Pressekonferenz können Sie in unserem Nachrichten-Ticker nachlesen). Auf der Risikoliste befinden sich neu 46 Länder und Regionen.

Neben bekannten Reisedestinationen wie Spanien, die USA, Mexiko, die Dominikanische Republik und Südafrika figurieren auch mehrere osteuropäische Staaten wie Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina darauf.

Wer aus Barcelona oder anderen Orten des spanischen Festlandes in die Schweiz einreist, muss ab Samstag in Quarantäne.
Wer aus Barcelona oder anderen Orten des spanischen Festlandes in die Schweiz einreist, muss ab Samstag in Quarantäne.
(Keystone/Archiv)

Weiter als Risikoländer eingestuft werden Äquatorialguinea, Argentinien, Armenien, Bahamas, Bahrain, das besetzte Palästinensische Gebiet, Bolivien, Brasilien, Kap Verde, Chile, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Irak, Israel, Kasachstan, Katar, Kirgisistan, Kolumbien, Kuwait, Luxemburg, Malediven, Moldau, Oman, Panama, Peru, Sao Tomé und Principe, Saudi-Arabien, Singapur, Sint Maarten, Suriname, Swasiland und die Turks-und Caicos-Inseln.

Die Quarantäne für aus einem Staat oder Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko eingereiste Personen gilt seit Anfang Juli. Die Eingereisten müssen sich innert zweier Tage bei den kantonalen Behörden melden. Diese kontrollieren die Einhaltung der Quarantäne laut eigenen Angaben mit Stichproben. 16'269 Zurückgekehrte sind aktuell in Quarantäne.

Schwangere gehören neu zu den Risikopersonen

Schwangere sind neu auf der Liste der durch das Coronavirus besonders gefährdeten Risikopersonen. Bei ihnen ist das Risiko, das eine Covid-19-Erkrankung schwer verläuft, etwas höher als bei gleichaltrigen Frauen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) habe sich aufgrund der Stellungnahme der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe für diese Vorsichtsmassnahme entschieden, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAG, am Mittwoch in Bern vor den Medien.

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im BAG, fügte an, dass das Risiko durch Covid-19 für Schwangere gegenüber Gleichaltrigen gemäss Studien das Anderthalbfache bis zum Fünffachen betrage. Ein Risiko bestehe auch für das ungeborene Kind, etwa wenn eine Geburt wegen Covid-19 vorzeitig ausgelöst werden müsse.

Schwangere Frauen seien gehalten, sich genau an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten, sagte Masserey. Gehe es um den Schutz der Frauen am Arbeitsplatz, seien die Arbeitgeber in der Pflicht, sowie bei anderen Risikopersonen, etwa Menschen mit Vorerkrankungen.

Kanton Zürich geht in die Offensive

Eigene Wege bei der Durchsetzung der vorgeschriebenen Quarantäne bei Rückkehrern aus Risikogebieten geht der Kanton Zürich. Er erhält am Flughafen Zürich von den Fluggesellschaften die Kontaktdaten aller Passagiere, die aus Risikoländern einreisen. Diese Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften ist ein «eigentlicher Durchbruch», wie Regierungsrat Mario Fehr (SP) am Mittwoch sagte.

Beim Bund ist man weniger begeistert. Es gebe beim BAG Fragen in Bezug auf die Legalität, die noch geklärt werden müssten, sagte Mathys dazu. Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren (GDK) hatte vor wenigen Tagen eine Empfehlung herausgegeben, dass die Kantone Massnahmen treffen sollten, wenn sich die Lage regional verschärfe.

Die neue Liste der Corona-Risikoländer

Ab kommendem Samstag gilt für 46 Länder bei der Einreise in die Schweiz eine Quarantänepflicht. Bisher waren es 42 Gebiete. Detaillierte Informationen zu den Risikoländern und -gebieten finden Sie in unserer interaktiven Übersicht.

Staaten und Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko

  • Äquatorialguinea (gilt ab dem 8. August)

  • Argentinien

  • Armenien

  • Bahamas (gilt ab dem 8. August)

  • Bahrain

  • Besetztes Palästinensisches Gebiet

  • Bolivien

  • Bosnien und Herzegowina

  • Brasilien

  • Cabo Verde

  • Chile

  • Costa Rica

  • Dominikanische Republik

  • Ecuador

  • El Salvador

  • Eswatini (Swasiland)

  • Guatemala

  • Honduras

  • Irak

  • Israel

  • Kasachstan

  • Katar

  • Kirgisistan

  • Kolumbien

  • Kosovo

  • Kuwait

  • Luxemburg

  • Malediven

  • Mexiko

  • Moldova

  • Montenegro

  • Nordmazedonien

  • Oman

  • Panama

  • Peru

  • Rumänien (gilt ab dem 8. August)

  • Sao Tome und Principe (gilt ab dem 8. August)

  • Saudi-Arabien

  • Serbien

  • Singapur (gilt ab dem 8. August)

  • Sint Maarten (gilt ab dem 8. August)

  • Spanien (Balearen und Kanaren ausgenommen) (gilt ab dem 8. August)

  • Südafrika

  • Suriname

  • Turks- und Caicos-Inseln

  • Vereinigte Staaten von Amerika (inklusive Puerto Rico und US Virgin Islands)

Nicht mehr auf der Liste (ab 8. August)

  • Aserbaidschan

  • Russland

  • Vereinigten Arabischen Emirate

25 Prozent der Bevölkerung haben App heruntergeladen

Handynutzerinnen und -nutzer in der Schweiz haben die Corona-Warn-App bisher 2,15 Millionen Mal heruntergeladen. Das sind rund 25 Prozent der Bevölkerung. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) genügt dieser Anteil nicht, wie Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation im BAG, am Mittwoch in Bern vor den Medien sagte. «Wir wollen mehr Leute dabei haben.»

Bisher gaben 327 Personen den Code via App ein, die möglicherweise angesteckte Kontaktpersonen warnt. Das seien 10 Prozent aller positiv Getesteten, sagte Kim.

Gearbeitet wird noch am internationalen Datenaustausch mit den Apps der Nachbarländer und auch der EU-Staaten. Während man technisch gut unterwegs sei, blieben auf der politischen Ebene noch Aufgaben zu lösen, sagte Kim.

BAG meldet 181 neue Fälle

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 181 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden, wie es am Mittwoch hiess. Das sind deutlich mehr als am Vortag.

Am Dienstag waren dem BAG 130 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden. Das waren fast doppelt so viele als am Vortag, aber ein paar weniger als am Mittwoch vor einer Woche. Damals waren dem BAG 193 neue Ansteckungen gemeldet worden.

In der vergangenen Woche waren dem BAG jeweils am Donnerstag und Freitag über 200 neue Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Sonntag und Montag lag die Zahl der Neuansteckungen bei 138 respektive 66.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie bisher laut den neusten BAG-Zahlen 35'927 laborbestätigte Fälle. Gleichzeitig meldete das BAG im Vergleich zum Vortag eine neue Hospitalisation. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung blieb bei 1706.

In Isolation aufgrund der Kontaktrückverfolgung befanden sich 1370 infizierte Personen, wie das BAG weiter mitteilte. In Quarantäne waren 4083 Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Die Zahlen stammen aus 24 Kantonen und aus Liechtenstein. 16'269 weitere Menschen waren nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 815'937. Bei 5,3 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus.

Studie des Freiburger Spitals stimmt nachdenklich

Viele Corona-Spitalpatienten haben auch nach der Rückkehr nach Hause Symptome wie Müdigkeit und Atembeschwerden. Das zeigt eine am Mittwoch publizierte Studie das Freiburger Spitals (HFR).

Nach eigenen Angaben ist das HFR neben dem Kantonsspital Aarau eines von nur zwei Schweizer Spitälern, das eine datenbasierte Studie zur Betreuung und Entwicklung von Corona-Patienten veröffentlicht hat. Erfasst wurden Patienten, die zwischen 1. März und 12. April 2020 mit einer Corona-Infektion hospitalisiert wurden.

Ein typischer Coronavirus-Patient ist demnach männlich, etwa 70 Jahre alt und weist Vorerkrankungen auf – insbesondere Diabetes, Bluthochdruck oder Adipositas. «Das bedeutet jedoch nicht, dass sich eine junge Person nicht anstecken und eine schwere Infektion erleiden kann», betont Gaël Grandmaison, stellvertretender Oberarzt der Inneren Medizin, im Communiqué.

Mehr als 60 Prozent der hospitalisierten Patienten sind 30 Tage nach Beginn der Symptome wieder zu Hause. Zwei Drittel von ihnen weisen aber auch nach diesen 30 Tagen Symptome auf, besonders Müdigkeit und Atembeschwerden. «Diese Daten zeigen, dass eine langfristige Nachkontrolle der Patienten organisiert werden muss», erklärte Grandmaison.

Das Kantonsspital Aarau hatte seine Studie bereits am 21. Juli publiziert. Die Autoren kamen unter anderem zum Schluss, dass ein sehr hohes Alter oder bestimmte Vorerkrankungen nicht zwingend zu schweren Verläufen führen. Umgekehrt können auch Personen unter 60 Jahren ohne schwere Grunderkrankungen schwer betroffen sein.

Der Eingang in den Notfall des Spitals in Freiburg.
Der Eingang in den Notfall des Spitals in Freiburg.
(Keystone/Archiv)
Waadt und Wallis nicht mehr auf belgischer Risikoliste

Die Kantone Waadt und Wallis stehen ab Mittwoch nicht mehr auf der Coronavirus-Risikoliste Belgiens, Genf allerdings schon. Aussendepartements-Chef Ignazio Cassis teilte dies am Dienstagabend per Twitter mit. Er hatte gegen den belgischen Entscheid interveniert.

Bundesrat Cassis zeigte sich hocherfreut und wünschte in seinem Tweet vom Dienstagabend allen belgischen Touristen in der Schweiz schöne Ferien.

Die belgische Regierung in Brüssel hatte die Kantone Genf, Waadt und Wallis mit Wirkung ab dem 1. August auf die rote Liste gesetzt. Zwei Tage später, am Montag, hiess es aus dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Bern, man berate sich mit Brüssel.

Das EDA sei bereits vor dem Inkrafttreten dieser Rote-Liste-Massnahme mit dem belgischen Aussenminister in Kontakt getreten, auch um detaillierte Informationen darüber zu erhalten, welche epidemiologische Kriterien angewendet würden, hiess es am Sonntag. Das EDA bleibe auch in Kontakt mit anderen europäischen Behörden, um schnell über allfällige Massnahmen, die die Schweiz beträfen, informiert zu sein.

Bis Mitte Juli hatte Belgien bereits die Quarantäne und den Test für Reisende aus dem Tessin vorgeschrieben. Der Kanton fand sich jedoch nur auf der orangen, nicht auf der roten. Damals hiess es, auf der orangen Liste würden alle Regionen aufgeführt, die mehr als doppelt so viele Ansteckungen wie Belgien aufweisen – und zwar pro 100'000 Einwohner. Nach Kritik von Tessiner Regierung und Kantonsarzt hatte das EDA in Belgien interveniert. Die belgischen Behörden strichen das Tessin daraufhin von der Liste.

BAG: Schweiz vor Abschluss eines Impfstoff-Kaufvertrages

Die Schweiz steht kurz vor dem Abschluss eines Kaufvertrages für einen Coronavirus-Impfstoff, und zwar mit dem US-amerikanischen Unternehmen Moderna. Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), sprach am Dienstagabend von «nur ein paar Stunden».

Moderna werde wohl als erste Firma einen Impfstoff gegen das Coronavirus herstellen. «Und mit diesem Vertrag werden wir ihn sehr schnell bekommen», sagte Strupler in der Sendung «Club» von Schweizer Fernsehen SRF vom Dienstagabend.

Wenn der Zugang zu einem Impfstoff (hier ein Überblick zu den Projekten) gesichert sei, sei es auch denkbar, dass die Schweiz bei Impfstoff-Tests mitmache, wurde Strupler auf der SRF-Homepage vorab zitiert. Über den Preis, den die Schweiz Moderna für den Impfstoff vertraglich zugesichert hat, wollte Strupler keine Auskunft geben.

 «Mit diesem Vertrag werden wir den Impfstoff sehr schnell bekommen»: BAG-Direktor Pascal Strupler.
«Mit diesem Vertrag werden wir den Impfstoff sehr schnell bekommen»: BAG-Direktor Pascal Strupler.
Keystone

Bund meldet 130 neue Fälle

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag 130 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden. Das sind fast doppelt so viele wie am Vortag.

In den vergangenen sieben Tagen belief sich die Zahl damit auf 1032. In der vergangenen Woche waren dem BAG jeweils am Donnerstag und Freitag über 200 neue Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Sonntag und Montag lag die Zahl der Neuansteckungen bei 138 respektive 66.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie bisher laut den neusten BAG-Zahlen 35'746 laborbestätigte Fälle. Gleichzeitig meldete das BAG im Vergleich zum Vortag sechs neuen Hospitalisationen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung belief sich neu auf 1706. Am Vortag lag die Zahl bei 1707 Todesfällen. Das BAG entfernte nun zwei fälschlicherweise gemeldete Todesfälle aus der Statistik. Effektiv kam seit Montag ein neuer hinzu.

In Isolation aufgrund der Kontaktrückverfolgung befanden sich 1064 infizierte Personen, wie das BAG weiter mitteilte. In Quarantäne waren 2930 Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Die Zahlen stammen aus 25 Kantonen und aus Liechtenstein. 12'514 zusätzliche Personen waren nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 808'031. Bei 5,3 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus.

GDK rät Kantonen situativ zu Maskenpflicht in Läden

Kantone mit anhaltend hohen Fallzahlen oder einem beunruhigenden Anstieg von Fällen sollen zusätzliche Massnahmen erlassen, etwa eine Maskenpflicht in Läden. Das empfiehlt der Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK).

Nur bis hundert Personen sollen sich in Bars, Clubs und Diskotheken aufhalten dürfen, wenn weder der Abstand eingehalten noch das obligatorische Tragen von Masken durchgesetzt werden kann. Ebenso sollen stark betroffene Kantone auf die von der GDK schon Anfang Juli empfohlene Ausweispflicht in Clubs zurückgreifen.

18 Kantone gehen mit ihren Schutzvorschriften bereits weiter als der Bund. Eine Ausweispflicht in Clubs gilt nach der Mitteilung der GDK vom Dienstag in mittlerweile 17 Kantonen. Mehrere Kantone schreiben auch Masken in Läden vor oder haben die Gästezahl für Veranstaltungen oder in Betrieben stärker beschränkt als der Bund.

Unterschiede von Kanton zu Kanton

Der GDK-Vorstand rät zur Absprache: «Wir empfehlen den Kantonen, die Massnahmen mit ähnlich betroffenen Kantonen und insbesondere mit den Nachbarkantonen zu koordinieren», liess sich Präsident Lukas Engelberger zitieren. Ebenso sollen die Kantone die von den Einschränkungen betroffenen Verbände vorgängig informieren.

Dass nicht alle Kantone in der Pandemie dasselbe tun, liegt laut Engelberger daran, dass sich die Lage von Kanton zu Kanton teilweise stark unterscheidet. (Lesen Sie dazu auch unseren Artikel «Was Sie zur Maskenpflicht wissen müssen»).

Pandemie wirkt sich stark auf Bahnverkehr aus

Das Virus hat sich im zweiten Quartal 2020 stark auf die Nachfrage im Schweizer Schienenverkehr ausgewirkt. Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Quartalsreporting Bahn von Litra und dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV) hervor.

In den Monaten April bis Juni 2020 wurden im Vergleich zum Vorjahr 63,6 Prozent weniger Personenkilometer zurückgelegt, wie es weiter heisst. Beim Güterverkehr sei der Rückgang der Nettotonnenkilometer mit 13,9 Prozent weniger dramatisch. Die Auswirkungen der Krise seien nichtsdestotrotz spürbar.

Infolge der sinkenden Passagierzahlen wurde das öV-Angebot während der Zeit des Lockdowns zwischen dem 16. März und dem 16. Juni schrittweise ausgedünnt, ein Grossteil des Angebots wurde jedoch im Auftrag des Bundesrates aufrechterhalten. Die Trassenkilometer des Personenverkehrs liegen deshalb nur 10 Prozent unter den Werten des Vorjahres.

Einbussen: Die Sitze im ÖV blieben im Frühling oft leer.
Einbussen: Die Sitze im ÖV blieben im Frühling oft leer.
Foto: Christian Beutler (Keystone/8. Juni 2020)

So sei während der Corona-Pandemie eine grosse Diskrepanz zwischen einem nur geringfügig reduzierten Aufwand (Angebot) und einem drastischen Ertragseinbruch (Nachfrage) entstanden, heisst es in dem Quartalsreporting. Dies habe bei den öV-Unternehmen zu hohen finanziellen Ausfällen geführt.

Insgesamt haben der Schienenpersonen- und Schienengüterverkehr im zweiten Quartal dieses Jahres 44,7 Millionen Trassenkilometer in Anspruch genommen – 10 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Grosse finanzielle Verluste

Noch sei ungewiss, wie lange es dauere, bis sich der öffentliche Verkehr vom drastischen Nachfragerückgang während der Corona-Pandemie erholt habe. Die Unternehmen des öffentlichen Verkehrs hätten grosse finanzielle Verluste erlitten, die sie nicht aus eigener Kraft kompensieren könnten.

Das eidgenössische Parlament wird in der Herbstsession 2020 eine Vorlage zur Kompensation der Ertragsausfälle in Höhe von 800 Millionen Franken beraten.

Hotels locken im Juni mehr inländische Gäste an

Die Schweizer Hotels erholen sich wieder etwas vom Absturz in der Coronakrise. Im Juni gab es wieder 1,4 Millionen Übernachtungen. Das sind zwar 62 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Gegenüber dem Vormonat Mai legten die Übernachtungen dennoch deutlich zu, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag in einem Communiqué bekannt gab. Im Mai hatte das BFS nur 0,6 Millionen Logiernächte gezählt, im April waren es gar nur 0,2 Millionen gewesen. (Vgl. unseren Artikel zu diesem Thema).

Der allergrösste Teil der Gäste kam aus der Schweiz. Bei den inländischen Gästen betrug der Rückgang lediglich ein Viertel, während die Nachfrage der ausländischen Touristen im Juni um 88 Prozent einbrach.

Insgesamt gab es im ersten Halbjahr damit 9,9 Millionen Übernachtungen. Das sind 47,5 Prozent weniger als im gleichen Vorjahressemester. Damit hat die Schweizer Hotellerie von Januar bis Juni kumuliert 8,9 Millionen Übernachtungen verloren.

Am schlimmsten war der Einbruch im April, als 92,4 Prozent weniger Logiernächte gebucht wurden. Im Mai betrug das Minus noch 79,2 Prozent. Im März, als der Bundesrat Mitte Monat die Eindämmungsmassnahmen verhängte und die Grenzen schloss, tauchte die Nachfrage um 62,3 Prozent.

Das Luzerner Seebecken: Im Juni haben sich die Zahlen für die Hotellerie wieder etwas erholt.
Das Luzerner Seebecken: Im Juni haben sich die Zahlen für die Hotellerie wieder etwas erholt.
(Keystone/Symbolbild)
Nur wenige Firmenkonkurse im Juli

Die Hilfsmassnahmen der Schweizer Regierung zur Bekämpfung der Folgen der Pandemie scheinen zu wirken. Im Juli gab es nur 259 Firmenpleiten.

Die Finanzspritzen des Bundes erlaubten vielen gefährdeten Unternehmungen ein letztes Aufbäumen, teilte der Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B am Dienstag mit. Die Entwicklung der Konkurse gegenüber dem Vorjahr sei aktuell sogar noch rückläufig. Im Juli 2020 betrug der Rückgang 38 Prozent, was nur 259 Firmenkonkursen entspricht.

Zwischen Januar und Juli nahm die Zahl der Insolvenzen laut den Angaben um 22 Prozent ab. Insgesamt sei bei 2129 Firmen ein Verfahren eröffnet worden.

In fast allen Branchen habe die Zahl der Pleiten abgenommen, so beispielsweise im Einzelhandel um 26 Prozent und im Grosshandel um 29 Prozent, im Gastgewerbe um 49 Prozent und bei den Handwerksbetrieben gar um 54 Prozent. Diese Entwicklung dürfte sich voraussichtlich spätestens im vierten Quartal 2020 aber umkehren, schreibt der Wirtschaftsinformationsdienst.

Bei den Unternehmensgründungen zeichne sich bereits ein leichter Rückgang ab. Von Januar bis Juli wurden 26'455 Firmen neu ins Handelsregister eingetragen, was einer Abnahme von einem Prozent entspreche.

Massnahmen scheinen zu greifen: Die Bunderäte Ueli Maurer, Guy Parmelin und Alain Berset (v. l.) während einer Medienkonferenz in Bern.
Massnahmen scheinen zu greifen: Die Bunderäte Ueli Maurer, Guy Parmelin und Alain Berset (v. l.) während einer Medienkonferenz in Bern.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone/Archiv)
Epidemiologin: «Genf ist momentan ein Hotspot»

Die Infektionszahlen im Kanton Genf steigen momentan stark an. In den letzten 14 Tagen verzeichnete der Kanton 103 Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner. Diese sogenannte Inzidenz zieht das BAG auch für die Definition der Länder auf der Quarantäne-Liste herbei: Liegt der Wert in einem Land über 60, gilt das Land als Risikogebiet, und Rückkehrer müssen sich für zehn Tage in Quarantäne begeben.

Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern, erklärt gegenüber 20 Minuten: «Die Inzidenz-Zahlen beziehen sich jeweils auf ein ganzes Land. Im Durchschnitt sind sie in der Schweiz tiefer als in den Ländern, welche auf der Quarantäne-Liste stehen.» Betrachte man aber nur die Zahlen im Kanton Genf, so werde klar: «Genf ist derzeit ein Hotspot. Wäre Genf ein Land, müsste das BAG es auf die Quarantäne-Liste nehmen.» Der starke Anstieg der Fallzahlen in Genf in den letzten Tagen sei beunruhigend.

Die Gründe für den Anstieg sieht Low vor allem in der Lage und in der Urbanität des Kantons Genf: «Der Kanton liegt an der Grenze zu Frankreich, ist insbesondere in der Stadt Genf dicht besiedelt und verfügt über einen Flughafen.» All diese Faktoren würden die Ausbreitung des Virus begünstigen.

Der Kanton hat mit verschärfenden Massnahmen reagiert. Für Antoine Flahault, Leiter des Instituts für Global Health an der Universität Genf, sind die Zahlen aus Genf beunruhigend. Diese müssten aber auch im Zusammenhang mit der gesteigerten Testaktivität gesehen werden: «Wenn die Anzahl Tests verdreifacht wird, was seit Ende Mai der Fall war, werden natürlich auch mehr Fälle und im Idealfall Ansteckungs-Hotspots entdeckt.»

Schmelztiegel Genf: Auch der Flughafen kann Viren ausbreiten.
Schmelztiegel Genf: Auch der Flughafen kann Viren ausbreiten.
Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone/28. Juli 2020)

Stimmung der Konsumenten war im Juli besser

Die Stimmung der Schweizer Konsumenten hat sich vom Einbruch im April weitgehend erholt. Die Erwartungen für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung haben sich verbessert. Für den Arbeitsmarkt bleiben sie jedoch sehr negativ.

Der Index der Konsumentenstimmung, der vierteljährlich erhoben wird, hat sich im Juli auf minus 12 Punkte deutlich erholt und liegt nun wieder deutlich über dem historischen Tiefpunkt vom April (-39 Punkte).

Aber damit befindet sich die Konsumentenstimmung weiterhin auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Der langfristige Mittelwert beträgt -5 Punkte, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte.

Die Erwartungen für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung hätten sich gleichwohl substanziell verbessert. Im Zuge der Lockerung der Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus habe eine gewisse wirtschaftliche Erholung eingesetzt und der entsprechende Teilindex sei auf -17 von -78 Punkten geklettert.

Sorgen um den Arbeitsplatz bleiben

Hingegen bleiben die Erwartungen hinsichtlich der Arbeitsmarktentwicklung sehr negativ. Der Index zur erwarteten Arbeitslosigkeit hat sich zwar ebenfalls verbessert, befindet sich aber weiterhin ziemlich nahe der historischen Niveaus, die in der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht wurden. Zudem werde die Sicherheit der Arbeitsplätze deutlich schlechter beurteilt als noch im April.

Konsumentinnen und Konsumenten blicken hierzulande wieder optimistischer in die Zukunft.
Konsumentinnen und Konsumenten blicken hierzulande wieder optimistischer in die Zukunft.
(Keystone/Symbolbild)
BAG geht nach Zahlenchaos über die Bücher

Nach den Falschangaben über Ansteckungsquellen mit dem Coronavirus will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) über die Bücher. Über den Fehler sei indessen umgehend informiert worden. Und das BAG erhalte täglich zahlreiche Medienanfragen zu dem Virus.

Das hält das Amt am Montag in einem Tweet an die Adresse der FDP fest. Die internen Abläufe würden überprüft. Die Freisinnigen hatten ebenfalls auf Twitter eine Erklärung verlangt, wie es zu der Fehlinformation kommen konnte, wonach Clubs und Restaurants die Hauptansteckungsquelle seien. Es gehe um die Planungssicherheit für «unzählige Betriebe, die in ihrer Existenz gefährdet sind».

Am Donnerstag hatte BAG-Direktor Pascal Strupler vor den Bundeshausmedien die Ansteckungswege allerdings korrekt wiedergegeben. Er sagte, obwohl die meisten Ansteckungen in der Familie und am Arbeitsplatz erfolgten, sei die Kontrolle von Clubs und Bars wichtig, da es dort schnell zu einem Massenausbruch kommen könne.

Freizeitpark Connyland führt bei den Shows Maskenpflicht ein

Der Freizeitpark Connyland in Lipperswil TG führt bei den Shows die Maskenpflicht ein. Die Mehrheit der Besucherinnen und Besucher hielten sich nicht an die wegen des Coronavirus eingeführten Abstandregeln.

Connyland-Besitzer Roby Gasser bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht. «Eine Besucherin der Seelöwen-Show, die sich über die Besucher aufregte, die nicht Abstand hielten, hat 20 Minuten ein Bild geschickt», so Gasser.

Das Connyland habe reagiert und für alle Shows eine Maskenpflicht eingeführt. Betroffen sind die Seelöwen-Show, das Aushängeschild des Parks, mit rund 180 Besuchern in der Arena, die überdachte Papageien-Show mit rund 80 Plätzen und das 4D-Kino mit 100 Sitzen.

Eine Pflegerin arbeitet mit einem Seelöwen im Connyland in Lipperswil TG.
Eine Pflegerin arbeitet mit einem Seelöwen im Connyland in Lipperswil TG.
Foto: Keystone

Rund 60 Prozent der Gäste seien die Abstandsregeln egal – trotz Durchsagen und Hinweisschilder, sagte Gasser. Die neue Regel sei von den Besuchern gut aufgenommen worden. «Die meisten bringen ihre eigene Maske mit», so Gasser.

App-Zahlen am Weekend nicht aktualisiert

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom Montag lag die Gesamtzahl aller aktiven SwissCovid Apps am Sonntag bei 1,21 Millionen. Am Vortag nutzten gemäss den Angaben vom Montag 1,19 Millionen Personen die App.

Die automatisierte Aktualisierung der Gesamtzahl aller Swiss Covid-Apps sei über das Wochenende ausgesetzt worden, hiess es am Montag auf Anfrage beim BFS. Man habe damit «etwaige technische Fehler respektive deren Auswirkungen auf die publizierten Zahlen ausschliessen» wollen. Ab wann die Aktualisierung übers Wochenende wieder aufgenommen werde, könne derzeit noch nicht gesagt werden. Unter der Woche werde die Seite weiterhin täglich aktualisiert.

Eine Person in Lausanne benützt die Schweizer Covid-19-App.
Eine Person in Lausanne benützt die Schweizer Covid-19-App.
Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone/Symbolbild)

Die Covid-App warnt Benutzer, falls diese engen Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Die App ergänzt das Contact-Tracing der Kantone, das die Infektionsketten rückverfolgt. (Lesen Sie hier unseren Artikel «Wie nutze ich die Swiss-Covid-App?»)

sda/reuters/red