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Umrüsten ist problematisch

Hersteller von Nachrüstkits versprechen: Jeder Benziner mit Monopoint- oder Multipoint-Einspritzung kann auf den Betrieb mit Ethanol 85 umgerüstet werden. Es gibt aber einen gesetzlichen Aspekt. Und der ist komplex.

In der Schweiz haben schon einige ihren Benziner auf den Betrieb mit Ethanol 85 umrüsten lassen. Verschiedene Hersteller bieten mittlerweile Steuergeräte an, die zwischen das Motorsteuergerät und die elektrischen Anschlüsse der Einspritzanlage gehängt werden. Diese Zusatzsteuergeräte passen die Einspritzmenge an die Art des Treibstoffs an (Benzin oder Ethanol 85).

Eine solche Nachrüstung, die jederzeit wieder ohne grossen Aufwand rückgängig gemacht werden kann, gibts ab ungefähr 1500 Franken für Vierzylindermotoren. Je mehr Zylinder, desto höher die Kosten. Nachgerüstet werden können alle Benziner mit Mono- oder Multipoint-Einspritzung (man kann sagen Autos ab Baujahr 1990), ausser Direkteinspritzer. In der Schweiz ist alles anders als in Deutschland, wo Ethanol-Nachrüstungen vorläufig von den Strassenverkehrsämtern geduldet werden. Hier die Knackpunkte für Umrüster in der Schweiz:

Was sagt die MFK?

- Der Betrieb mit E85 verändert an einem Auto, das für den Benzinbetrieb typengeprüft ist, die Abgas- und Geräuschemissionen. Etwas radikaler ausgedrückt: In der Schweiz immatrikulierte Autos verlieren die Betriebserlaubnis, wenn die technische Änderung nicht beim Strassenverkehrsamt abgenommen wird (VTS, Art. 34, Abs. 2).

- Um diese technische Abnahme zu bestehen, muss der Nachrüster dem Strassenverkehrsamt beweisen, dass sich die Abgas- und Geräuschemissionen im E85-Betrieb zumindest nicht negativ verändern.

- Diesen Beweis zu erbringen, ist gar nicht so einfach. Solange dem Umrüstkit kein Gutachten von einer anerkannten Prüfstelle beiliegt, das nachweist, dass sich die Abgas- und Lärmwerte im Ethanol-Betrieb nicht verschlechtern, bleibt nur der teure Gang über eine entsprechende Prüfstelle in der Schweiz wie z. B. die Ingenieurschule in Biel oder die Empa in Dübendorf. Ein Lied davon singen kann etwa Adrian Stucki von der Garage Bilsport AG in Thun. Offeriert er eine solche Nachrüstung einem Kunden, informiert er, dass die Änderung den Gang zur MFK bedingt: Laut Stucki kann das die eigentlichen Umrüstkosten von etwa 2000 Franken um ein paar Tausender für die Abgas- und Geräuschmessungen verteuern.

Kämpfer Sutter

Ernst Sutter aus Steckborn TG ist in der Schweiz ein Ethanol-Befürworter der ersten Stunde und rüstet auch um. Für die Befreiung von der Typengenehmigung eines in Zusammenarbeit mit der Firma Tschannen Hp, Dotzwil, entwickelten E85-Steuergeräts ging er sogar vor Bundesgericht (Entscheid ist hängig). Er macht geltend, dass die Abgaswerte mit E85 nur besser werden, die Geräusche eher abnehmen. Immerhin aber ist er im Besitz eines Gutachtens des Dynamic Test Center in Vauffelin, das zeigt, dass sein Steuergerät zumindest im Modus Benzin die Motorsteuerung des Fahrzeuges unverändert lässt (www.e85-fahren.ch).

Mir doch egal!

Natürlich wird es Autofahrer geben, die sagen: Mir egal, ob eine Ethanol-Nachrüstung eine Nachkontrolle erfordert. Das merkt sowieso niemand. Und bei der periodischen Nachprüfung wird das Ethanol-Steuergerät einfach wieder demontiert. Man muss mit dem nachgerüsteten Auto nur in einen Unfall geraten. Das Treibstoffsystem schlägt Leck, es läuft Ethanol aus, obwohl Benzin auslaufen sollte. Die Polizei fragt sich, warum das so ist, die Versicherung kriegt Wind von der Sache, und schon hat man den Schlamassel.

Materialverträglichkeit

Die technische Abnahme einer Ethanol-Nachrüstung ist die eine Unsicherheit, die Materialbeständigkeit die andere. Ethanol verhält sich aggressiver zu manchen Materialien als Benzin. Namentlich kann das Ethanol Gummileitungen aufquellen lassen und allenfalls Ventilsitze des nachgerüsteten Motors angreifen. Muss allerdings nicht sein und hängt nicht zuletzt vom Zustand des Motors ab. Zurzeit fehlen schlicht Langzeiterfahrungen.

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