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Sportwagen für den Heimwerker

Die Rochdale Motor Panels & Engineering produzierte von 1960 bis 1967 rund 400 Rochdale Olympic, den wohl konsequentesten Kunststoffsportwagen seiner Zeit. Mit den gelieferten Bausätzen konnten sich Heimwerker ihr Auto basteln.

Rochdale Olympic (1962).
Rochdale Olympic (1962).
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Das geringe Gewicht hilft bei der Kurvendynamik.
Das geringe Gewicht hilft bei der Kurvendynamik.
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Rochdale Olympic (1967): Aufnahme aus dem Faltprospekt eines Phase-II-Modells in «Quick build»-Konfiguration.
Rochdale Olympic (1967): Aufnahme aus dem Faltprospekt eines Phase-II-Modells in «Quick build»-Konfiguration.
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Ein Sportwagen mit dem Leistungsgewicht eines Ferrari zum Preis einer gebrauchten Ford Limousine? Undenkbar? Nicht so im Jahr 1961, wenn man handwerklich talentiert und zu Kompromissen bereit war. Die englische Steuergesetzgebung hatte vielen kleinen Autokonstrukteuren ein Schlupfloch geöffnet, indem Selbstbaufahrzeuge nicht von der Umsatzsteuer belastet wurden und damit erheblich günstiger an die Kunden gebracht werden konnten als fertige Autos. Lotus, TVR, Marcos, Ginetta, Elva, alle bauten sie sogenannte Kitcars und lieferten sie den Kunden in ein paar Kisten zum Fertigstellen aus.

Rochdale und die Specials

Auch Rochdale gehörte seit den Fünfzigerjahren zur englischen Autoindustrie. Die Motorsport-Enthusiasten Harry Smith und Frank Butterworth produzierten in ihrer bereits kurze Zeit nach Ende des Weltkriegs gegründeten Firma Rochdale Motor Panels & Engineering 1954 ihre erste Kunststoffkarosserie, die interessierte Kunden auf das Chassis eines Ford Popular, Morris Eight oder Triumph Vitesse setzen konnten. Mk IV wurde diese Karosserie genannt und sie war mit 150 verkauften Einheiten bis 1961 sehr erfolgreich. Weitere Karosserievarianten, offene und geschlossene, kamen dazu. Der GT, lanciert 1957, war die bemerkenswerteste Schöpfung. Richard Parker, ein Design-Student, hatte ein elegantes, kurvenreiches Coupé gestaltet, das der Zeit voraus war. Das Geschäft florierte und Smith/Butterworth expandierten. 1960 wurden eigene Chassis in das Verkaufsprogramm aufgenommen, diese verkauften sich aber mehr schlecht als recht.

Zum Olympiajahr der Olympic

Im Jahr 1960 präsentierte Rochdale einen völlig neuen Sportwagen, der ähnlich wie der Lotus Elite mit einem Kunststoff-Monocoque ausgerüstet war. Anders als der komplex gebaute Lotus verzichtete Rochdale aber weitgehend auf verstärkende Metallteile im Polyester und nur der Motor und die Vorderradaufhängungen waren an einem Hilfsrahmen befestigt. Die Hinterradaufhängung wurde direkt in die aus einem Teil bestehende Kunststoffkarosserie hineingeschraubt.

Damit war der Rochdale Olympic, wie er im Anklang an die in Rom stattfindenden olympischen Spiele genannt wurde, das konsequenteste Kunststoffauto seiner Zeit und es sollte auch nachher, trotz zahlreicher Versuche, die aber allesamt im Prototypenstadium steckenblieben, kein so kompromisslos ausgelegtes Fahrzeug mehr kommen.

Wiederum hatte Richard Parker seine Feder geschwungen und hatte eine sehr gefällige Form für den viersitzigen Sportwagen gefunden.

Grossserien-Mechanik und -Anbauteile

Für den Zusammenbau des praktisch ausschliesslich in Bausatzform verkauften Olympic konnten Teile aus dem BMC- oder Riley-Lager genommen werden. Mancher Käufer nutzte wohl die Überbleibsel eines verunfallten Riley 1,5, um sich mit dem Kit von Rochdale in rund 50 Stunden (bei manchem dürfte es dann aber wohl auch das Zehnfache gewesen sein) einen neuen Wagen zu bauen. Als Motoren kamen der Riley 1,5-Liter oder Morris-Aggregate zum Einsatz, anspruchsvollere Kunden konnten auch den MG-A-Motor oder gar den leichtgewichtigen Triebsatz von Coventry Climax installieren.

Begeisterte Presse

Die Zeitschrift «The Motor» testete 1961 einen Olympic Rochdale mit Riley-1,5-Mechanik und kam auf fast 170 km/h Spitze und mehr als günstige Verbrauchswerte. Als «leise, komfortabel, kontrollierbar und leistungsstark» beschrieb der Testfahrer den kleinen, rund 700 Kilogramm schweren Sportwagen. 96 km/h wurden in nur 11,9 Sekunden erreicht und auch der Preis schien mit ca. 670 Pfund Sterling (das Basiskit kostete 256 Pfund) in Ordnung zu gehen. Ein wirklicher Gran Turismo, schloss «The Motor» den vierseitigen Testbericht ab.

Porter bestellt einen Olympic

Offensichtlich liess sich auch ein Herr Porter von Boon & Porter Ltd, einem Londoner Riley-Händler, vom neuen Stern am Sportwagenhimmel überzeugen, und er bestellte im Juni 1961 (Order 1606) einen dunkelgrünen Olympic-Bausatz mit laminierter Windschutzscheibe, Kabelsatz und Auspuffsystem. Die Teile, auf Sitze und Innenausstattung hatte Bob Porter verzichtet, wurden im Oktober/November geliefert, so dass dem Zusammenbau mit Riley-1,5-Liter-Aufhängungen und einem potenten Motor aus einem MG A nichts mehr entgegenstanden. Da Bob Porter gute Beziehungen zu BMC Special Tuning hatte, dürfte manch spezielles «Performance»-Teil im kleinen Coupé Verwendung gefunden haben.

Rennsporteinsatz

Nach dem Zusammenbau wurde der Riley Olympic mit der Nummer BPL 125 registriert und alsbald unter verschiedenen Fahrern, unter anderem Bobs Tochter Penelope Porter, bei den Brighton Speed Trials von 1963 (stehende Meile in 32,16 Sekunden) und diversen Bergrennen eingesetzt.

Später wechselte der Wagen mehrfach den Besitzer, aber auch die Farbe (von Grün nach Gelb) und kam über Umwege im Jahr 2009 auf Achse in die Schweiz. Obschon optisch scheinbar in gutem Zustand, zwangen die bei einer genauen Analyse zum Vorschein gebrachten Mängel schlussendlich zu einer Totalrestaurierung.

Rund 400 Olympic gebaut

Bis 1967 (einige Fahrzeuge verliessen auch nachher noch die Fabrik, als sich Rochdale der profitableren Herstellung von Heizungskanälen zugewandt hatte) produzierte Rochdale rund 400 Olympic-Modelle, wovon 250 der sogenannten Phase I (bis 1963) zugerechnet werden und 150 als Phase II verkauft wurden. Die Olympic Phase II zeichneten sich durch eine grössere Motorhaube und eine Hecklappe aus. Sie bedienten sich Teilen von Ford und Triumph und waren durch reduzierten Polyestereinsatz beim Karosserieaufbau fast 70 Kilogramm leichter.

Diese späteren Wagen wurden nun in «Quick build»-Form, also als Schnellbausatz, angeboten und kosteten 1967 755 Pfund Sterling. Für den Ford-GT-Motor mit 78 PS mussten zusätzliche 40 Pfund ausgelegt werden, Heizung/Defroster schlugen mit 15 Pfund zu Buche, Sicherheitsgurten mit gut 9 Pfund. 35 Stunden dauerte gemäss Verkaufsprospekt der Zusammenbau, mehr als ein normales Werkzeugset und eine Bohrmaschine waren gemäss Hersteller dazu nicht nötig.

Über England hinaus verbreitete sich der Rochdale kaum, ein Versuch 1961, mit der Präsentation auf dem Genfer Salon den Import in die Schweiz zu starten, scheiterte, einige Fahrzeuge fanden aber trotzdem den Weg in andere Länder.

Am Lenkrad des restaurierten Olympic

Wie mancher seiner Artgenossen ist auch der Rochdale Olympic ein sehr kompaktes Fahrzeug. Auf 3,7 Metern Länge und 1,6 Metern Breite sind keine Platzwunder möglich, speziell auf der Rückbank nicht. Aber auch vorne erwartet den – natürlich rechts sitzenden – Fahrer eine intime Enge. Hat man sich aber eingefädelt, geniesst man eine gute Rundumsicht und den Ausblick auf schön gestaltete Riley-Instrumente.

Leistungsfreudig und komfortabel

Per Schlüsseldreh nimmt der MG-Motor mit riemenangetriebenem Judson-Kompressor seine Arbeit auf, was die Umgebung sofort durch ein recht aggressives Auspuff-Tröten vernimmt. Das Getriebe (MG Magnette/Morris Oxford Farina) lässt sich kurz und knackig schalten, nur der erste Gang ist unsynchronisiert. Landstrassentempo ist in kürzester Zeit erreicht, an die Kinematik der Vorderachse muss man sich zuerst gewöhnen, die Drehstabfederung vorne kann ihre Limousinen-Vergangenheit nicht verbergen. Die Zahnstangenlenkung (Morris Minor) arbeitet angenehm direkt und feinfühlig.

Für einen Kunststoffsportwagen ist der Olympic sehr komfortabel gefedert, das ist dann wohl die Kehrseite der sich etwas «weich» anfühlenden Vorderachse. Die Bremsen (Scheiben vorne, Trommeln hinten) verzögern den mit Luxusausstattung und Judson-Kompressor 780 Kilogramm schweren Rochdale problemlos.

So kompromisslos wie der Rochdale Olympic war vorher und nachher kein Kunststoffauto, diese Sonderstellung bewirkt aber keine Nachteile, an der Stabilität der Karosserie muss nicht gezweifelt werden. An der Struktur selber gab es auch beim gefahrenen Wagen nichts zu restaurieren, im Gegensatz zum Rest des Fahrzeugs, an dem die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen war.

Heute aber präsentiert sich der Rochdale Olympic so, wie sich ein ausserordentlich talentierter und von italienischen Luxussportwagen träumenden Heimwerker 1961 wohl seinen individuellen Sportwagen zusammengebaut hätte. Nur, bei 35 Stunden wäre es dann sicher nicht geblieben.

Wir danken der Firma Classic Car Connection für die Gelegenheit, den frisch restaurierten Rochdale Olympic unter die Lupe nehmen zu können. Weitere Informationen, technische Daten, Originalprospekte, viele Abbildungen und ein ausführlicher Restaurierungsbericht finden sich auf Zwischengas.com.

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