Der Porsche des «King of Cool»

Stil-Ikone Steve McQueen fuhr auch privat einen Porsche. Jetzt wird der 911 S von 1970 versteigert. Dieses Modell hatte auch im Film «Le Mans» seinen Auftritt.

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Kann ein Film sehenswert sein, in dem die Schauspieler die ersten 38 Minuten lang kein Wort sprechen? Ja, er kann, und wie: Die Rede ist von «Le Mans» aus dem Jahre 1970/71, gedreht von Lee H. Katzin nach einer Idee von Hauptdarsteller und Co-Produzent Steve McQueen. Zusammen mit «Grand Prix» aus dem Jahre 1966 gehört «Le Mans» sicher zu den eindrucksvollsten Rennsportfilmen und ist ein Dokument über den Motorsport aus einer Zeit, als die Rennfahrer noch Männer waren und keine Marionetten.

Renn-Atmosphäre

Die Handlung allerdings ist etwas dünn. Er handelt von der Rivalität des amerikanischen Rennfahrers Michael Delaney (Steve McQueen) mit seinem deutschen Rivalen Erich Stahler (Siegfried Rauch). Delaney ist traumatisiert, weil er im Jahr zuvor in Le Mans einen Unfall verursacht hatte, bei dem sein Freund Piero Belgetti ums Leben kam. Durch seinen dokumentarischen Stil vermittelt der Film viel von der Renn-Atmosphäre damals, zeigt auch auf, wie mutig die Piloten waren, welchen Gefahren sie sich aussetzten. Es gibt noch einen zweiten Handlungsstrang, eine Liebesgeschichte zwischen Delaney und Belgettis Witwe (gespielt von Elga Andersen, die den unglücklichen bürgerlichen Namen Helga Hymen trug).

Porsche vs. Ferrari

Natürlich gibt es jede Menge wunderbare Autos zu sehen in «Le Mans». Delaney fährt einen Porsche 917, sein Konkurrent einen Ferrari 512S. Mit der Realität hatte das im 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahre 1970 nicht viel zu tun, der Ferrari war damals chancenlos gegen die Porsche, doch der Porsche 908/2, den McQueen und seine Produktionsfirma gemietet hatten, nahm tatsächlich am Rennen teil; der «King of Cool», der ein paar Monate zuvor bei den 12 Stunden von Sebring einen sensationellen zweiten Platz herausgefahren hatte, wollte zusammen mit Jackie Stewart selber am Rennen teilnehmen, die Organisatoren verwehrten ihm den Start.

Gefilmt wurde mehrheitlich am 14. Juni 1970. Später wurden noch weitere Szenen nachgedreht, teilweise mit Original-Rennfahrzeugen, und mit bekannten Fahrern aus jenen Jahren, unter anderem Jo Siffert, Vic Elford, Herbert Linge, Rolf Stommelen und Derek Bell. Für die Unfallszene wurden günstige Lola-T70-Chassis mit entsprechenden Aufbauten verschrottet.

Verfolgungsjagd mit eben diesem Porsche

Trotz grossem Produktionsaufwand wurde «Le Mans» kein Publikumserfolg. Aber was hat das mit dem Porsche 911 S zu tun? Nun, genau dieses Fahrzeug hatte einen längeren Auftritt im Film: Delaney alias McQueen jagt genau diesen Porsche über französische Landstrassen, quasi als Training. Und um nachzudenken, wie es denn in der Beziehung zu Hymen, Entschuldigung, Lisa Belgetti weitergehen könnte. Und, fast noch wichtiger: der Porsche gehörte Steve McQueen.

Steve McQueen, geboren 1930 in der Nähe der Rennstrecke von Indianapolis, hatte erst mit 22 Jahren Schauspielunterricht genommen. Und erst mit 26 seine erste kleine Rolle spielen dürfen, an der Seite von Paul Newmann. Einem breiteren Publikum bekannt wurde er dann ab 1958 in der Rolle des Kopfgeldjägers Josh Randall, eine Serie mit dem Titel «Wanted: Dead or Alive», von der 94 Folgen gedreht wurden. Seine erste grosse Rolle hatte er dann in «Die glorreichen Sieben», dem Western-Remake von Akira Kurosawas «Die sieben Samurai», 1960. Es folgten «Cincinnati Kid» (1965), «Bullitt» (1968, mit einer der besten Auto-Verfolgungs-Jagden der Film-Geschichte), «The Thomas Crown Affair» (1968) und «Papillon» (1973).

McQueen war ein ausgezeichneter Autofahrer

Ob McQueen ein grossartiger Schauspieler war, muss hier nicht diskutiert sein. Aber er war der «King of Cool», eine Mode- und Stil-Ikone der 60er und vor allem 70er Jahre. Und er war ein ausgezeichneter Autofahrer, bei der Verfolgungsjagd im Film «Bullit» sass er selber am Steuer des Ford Mustang. Er war auch begeisterter Motorradfahrer - und beass eine Fluglizenz. McQueen liess in seinem Leben wohl gar nichts aus, Drogen, Frauen, er rauchte wie ein Schlot, und 1980 wurde bei ihm Brustfellkrebs diagnostiziert. Und dann ging alles ganz schnell, am 7. November starb Terence Steve McQueen im mexikanischen Ciudad Juarez.

McQueen hatte ein Flair für schwere Motorräder und schnelle Autos. Dieser Porsche 911 S aus dem Jahre 1970 war lange in seinem Besitz. Die 911er mit der Bezeichnung S waren 1966/67 eingeführt worden - und waren damals mit 160 PS die schnellsten Neunelfer. 1969 wurde noch einmal aufgerüstet, es gab 2,4 Liter Hubraum und 190 Pferde - und der Verbrauch stieg auf 17 L/100 km. Aber der S war in jenen Jahren das schnellste in Deutschland gebaute Serienauto (bis 1972 der Carrera RS auf den Markt kam). Diese 911 S sind heute sehr gesucht, es gibt aber sehr viele nachträgliche Umbauten, was die Situation für die Interessenten nicht gerade einfach macht.

Das hier gezeigte Modell ist ein echter S, in absolut perfektem Zustand, mit dieser hervorragenden Geschichte - und wird am 19./20. August 2011 von RM Auctions in Monterey zur Versteigerung gebracht. Einen Schätzpreis gibt es noch nicht, aber günstig wird das Vergnügen sicher nicht werden, bei diesem Vorbesitzer.

baz.ch/Newsnet

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