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Das schnelle Schätzchen

Weniger Auto für mehr Geld? Nach dieser Devise entwickelte Alfa Romeo zusammen mit der Rennsportabteilung Autodelta Mitte der Sechzigerjahre den GTA und schuf damit eine Ikone.

Der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA von 1966 – ein unaufdringlicher GT-Sportwagen.
Der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA von 1966 – ein unaufdringlicher GT-Sportwagen.
Vincent von Rotz/Zwischengas.com
Ein rechtsgelenkter Alfa Romeo, auf der Rennstrecke vorteilhaft, in England eine Voraussetzung für den Markterfolg.
Ein rechtsgelenkter Alfa Romeo, auf der Rennstrecke vorteilhaft, in England eine Voraussetzung für den Markterfolg.
Vincent von Rotz/Zwischengas.com
Carlo Chiti, der Mann hinter Autodelta und dem Alfa Romeo Giulia Sprint GTA.
Carlo Chiti, der Mann hinter Autodelta und dem Alfa Romeo Giulia Sprint GTA.
Werk/Archiv Autodelta/Zwischengas.com
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Alfa Romeo hatte nach Erscheinen des leichtgewichtigen Ford Cortina Lotus gemerkt, dass die Giulia-Limousine im wichtigen Tourenwagensport nicht mehr konkurrenzfähig war. Es musste nachgeschärft werden. Gemäss Reglement musste das Basisfahrzeug 1000-mal gebaut werden und vier Sitze aufweisen. Dies interpretierte man bei Alfa Romeo etwas freier und nahm das windschlüpfrigere Coupé Giulia Sprint GT als Grundlage für den künftigen Renntourenwagen.

Die für die Homologation in der Gruppe 2 notwendigen 1000 Exemplare sind allerdings nie entstanden. Es waren 500, doch auch die reichten bei grosszügiger Auslegung für die Teilnahme an den wichtigen Tourenwagenrennen. Und dort fuhr der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA, wie der Wagen genannt wurde, alles in den Boden, siegte bereits in der ersten kompletten Rennsaison 1966 über 300-mal, holte unzählige europäische und nationale Titel. Die Rennkarriere sollte unglaubliche 14 Jahre dauern, 1979 gewann ein GTA nochmals die europäische Tourenwagenmeisterschaft.

Spagat zwischen Strasse und Rennstrecke

Um diese Rennerfolge zu ermöglichen, musste sich Carlo Chiti, der die Rennabteilung Autodelta lenkte, auf einen Spagat einlassen. Der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA musste gleichzeitig renntauglich und im Alltag noch vernünftig nutzbar sein. Ein reines Rennfahrzeug hätte man unmöglich in der notwendigen Stückzahl verkaufen können, allzu viele Kompromisse aber liessen die erhofften Rennsiege nicht zu.

Chiti und seine Mannen gingen konsequent ans Werk. Statt der Sprint-Stahlblechkarosserie erhielt der GTA eine aus dünnen Aluminiumblechen. Geräuschdämpfung wurde nur noch minimal betrieben, Komfortansprüche auf ein Minimum reduziert. Fehlende Sonnenblenden, minimalistische Türgriffe, Seitenscheiben aus Kunststoff statt aus schwerem Glas, Maschendraht statt Kühlergrill, Fahrwerksteile aus Leichtmetall, eine Ölwanne aus Magnesium, Leichtmetallfelgen und eine vergleichsweise kahle, aber immer noch gefällige Innenausstattung senkten das Basisgewicht des GTA um rund 200 kg auf 745 kg gemäss Betriebsanleitung, die Zeitschrift «Auto Motor und Sport» notierte 845 kg vollgetankt.

Herz mit Potenzial

115 PS leistete der 1570 cm3 grosse und 9,7:1 verdichtete Vierzylindermotor, eine für die Zeit sicher gute Literleistung. Angesichts des betriebenen Aufwands allerdings erwarteten die damaligen Berichterstatter erhebliche Zuschläge für die Rennversion. Chitis Motorenzauberer hatten nämlich die Basis für rund 170 standfeste Renn-PS gelegt, indem sie Ein- und Auslasskanäle vergrösserten, zwei dicke Weber-Doppelvergaser des Typs 45 DCOE 14 montierten, zwei elektrische Bendix-Benzinpumpen einbauten und das Gemisch mit jeweils zwei Zündkerzen pro Zylinder rasant zum Verbrennen brachten.

Bei der Strassenversion lag die Höchstleistung bei 6000 Umdrehungen, die Testfahrer jubelten den Motor bis 7500 Umdrehungen (und mehr?) hoch. Das Ergebnis waren konkurrenzlose Fahrleistungen in dieser Klasse. Den Sprint auf 100 km/h absolvierte der Wagen in 8,8 Sekunden (Giulia Sprint GT: 10,3), 29,9 Sekunden (Giulia Sprint GT 32,2) vergingen, bis nach stehendem Start ein Kilometer zurückgelegt war. «Auto Motor und Sport» notierte 191 km/h Höchstgeschwindigkeit. Sportlich gefahren, setzte der GTA rund 15 Liter Benzin pro 100 km in Vortrieb um.

Viele Verbesserungen im Detail

Wie die Basis-Giulia-Sprint-GT setzte auch der GTA auf Einzelradaufhängungen mit Querlenkern vorne und eine Starrachse hinten. Statt der 15-Zoll-Räder wurden Magnesium-Campagnolo-Felgen mit 14 Zoll Durchmesser und 6 Zoll Breite eingesetzt, was kleinere Scheibenbremsen erforderte. Überall am Fahrwerk aber wurde für die angestrebte Renntauglichkeit optimiert, erleichtert und umgebaut, sodass kaum mehr ein Teil mit den normalen Serienautos austauschbar war. Am Ende des Tages war ein GTA so weit von einem normalen Giulia-Coupé entfernt, wie viele Jahre später ein BMW M3 E30 von seinem Bruder BMW 320i.

Der Aufwand allerdings hatte sich gelohnt. Bereits die «Stradale»-Version erhielt Bestnoten von den Autojournalisten, wenn auch das Nässeverhalten von einigen Testfahrern kritisiert wurde. Bernhard Cahier fuhr den GTA für «Sports Car Graphics» und meldete: «Der Wagen fühlt sich sehr sicher an; der ‹point of no return› scheint so hoch angesiedelt zu sein, dass jeder normale Fahrer Schwierigkeiten haben dürfte, ihn überhaupt zu erreichen.»

Wertvoll und immer wertvoller

So viel Aufwand musste seinen Preis haben. 23'450 Franken verlangte Alfa Romeo für einen strassentauglichen GTA im Jahr 1965. Das war deutlich mehr, als seine optisch kaum unterschiedliche Schwester Giulia Sprint GT mit 16'900 Franken kostete. Und der GTA war auch wesentlich kostspieliger als der Konkurrent Ford Cortina Lotus, den man für 14'650 Franken kaufen konnte.

Dass er es wert war, zeigen seine Rennerfolge, und die bis heute anhaltende Wertschätzung zeigen deutlich sechsstellige Marktpreise, die auch schon einmal eine «2» als vorderste Ziffer haben dürfen. Allerdings sollte man den Unterhaltsaufwand nicht unterschätzen, die vielen Spezialteile und die Fragilität des Wagens können schnell ein grosses Loch in die Geldbörse reissen.

Gebaut wurde der Alfa Romeo Giulia Sprint GTA zwischen 1965 und 1969, es folgten ihm 493 GTA Junior 1300, der von 1968 bis 1972 das Werk verliess. Zudem gab es 1967 bis 1968 noch eine kleine Anzahl GTA SA mit aufgeladenen Motoren, und in den Jahren 1970 und 1971 den GTAm mit Stahlblechkarosserie und Zweilitermotor. Und weil sie so attraktiv und legendär waren, entstanden viele, viele Nachbauten, die oftmals optisch kaum von den Originalen unterscheidbar sind.

Auf der rechten Seite

Genug erzählt, jetzt wird gefahren. Wir setzen uns ans Lenkrad eines rechtsgelenkten Giulia Sprint GTA Stradale von 1966. Das sorgfältig restaurierte Fahrzeug strotzt nur so vor Originalität. Es wurde ursprünglich mit weisser Lackierung nach England ausgeliefert, die Rechtslenkung war aber für den Renneinsatz durchaus beliebt, weil die meisten Rundstrecken nach rechts drehen und man als Fahrer auf der Kurveninnenseite besser aufgehoben ist.

Gestartet wird per Schlüssel rechts vom Lenkrad, und sofort nimmt der Motor seine Arbeit auf. Starallüren hat er nicht, er verfällt schnell in einen gesunden Leerlauf und nimmt auf Anhieb Gas an. Die linke Hand fällt wie von selbst auf den Schalthebel, der direkt ins Fünfganggetriebe führt. Der erste Gang liegt links vorne, da ist keine Umgewöhnung nötigt. Der Kraftaufwand für die Pedalbedienung unterscheidet sich kaum von anderen Fahrzeugen jener Zeit, und eigentlich verläuft die Fahrt recht unspektakulär.

Immer noch ein Gran Turismo

Selbst die Geräuschkulisse fällt nicht aus dem Rahmen, der Motor ist nicht unflätig laut, allein das Getriebesingen zeigt, dass Dämmmaterial nur marginal vorhanden ist. Allerdings ist der gefahrene GTA recht kurz übersetzt, bei 80 km/h zeigt der Drehzahlmesser bereits 3000 Umdrehungen. Da kann man sich schnell ausmalen, dass bei doppelter Geschwindigkeit das eingebaute Radio nicht mehr nötig ist. Der Wagen rollt recht straff ab, ist aber immer noch genügend komfortabel für längere Fahrten. Die sehr einfach gehaltenen Sessel sind überraschend bequem, und eine passende Sitzposition kann dank der schrägen Schienen gut gefunden werden.

Das Highlight im Cockpit ist das wunderschöne Lenkrad, wie man es auch in der Giulia Tubolare Zagato fand. Die Aluminiumspeichen und der Holzkranz wirken zusammen mit dem schwarz gehaltenen Alfa-Zeichen im Zentrum ultraklassisch und stilvoll. Die Armaturen fallen dagegen fast ein wenig ab, zumal sie nicht ganz spiegelfrei sind. Für die Familie gibt es drei weitere Sitze, die hinteren sollte man wirklich nur Kindern zur Verfügung stellen, und sogar einen Kofferraum. Aber wer möchte mit diesem Sammlerauto schon lange Ferienreisen unternehmen, dazu ist er heute definitiv viel zu schade.

Der für diesen Bericht porträtierte Alfa Romeo Giulia Sprint GTA von 1966 wird am 7. Juni 2014 durch die Oldtimer Galerie Toffen auf dem Dolder ob Zürich versteigert.

Weitere Informationen, Originalunterlagen und viele Bilder finden sich auf www.zwischengas.com.

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