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«Das Kribbeln im Bauch!»

Maserati-Chef Harald Wester erklärt, wie die Marke wachsen will und warum der Quattroporte einzigartig bleibt.

Maserati-CEO Harald Wester.
Maserati-CEO Harald Wester.
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Harald Wester, wie kommt Maserati mit der derzeitigen europäischen Absatzkrise klar?


Wir sind etwas glücklicher dran als die grossen Volumenhersteller. Der Europa-Absatz ist deutlich zurückgegangen, aber wegen der Zuwächse in den USA, China, Asien/Pazifik und dem Mittleren Osten konnten wir uns zum Vorjahr selbst mit der bestehenden Produktpalette um zwei, drei Prozent steigern.

Trotzdem erscheinen Ihre Absatzziele bis 2015 von unter 10 000 auf 50 000 Fahrzeuge extrem ambitioniert.


Wir erneuern unsere Produkte und weiten die Palette aus. Bisher konnten wir nur 20 Prozent im wachsenden Luxussegment abdecken, mit dem kleineren 4-Türer Ghibli werden wir auch im oberen E-Segment vertreten sein, 2014 folgt der Levante. Grosse Sport-SUV sind in Europa zwar nicht mehr so gefragt, weltweit aber ein Riesenmarkt. Auch der Quattroporte spricht in Zukunft mehr Kunden an: Gerade in der Schweiz waren wir ohne Allradantrieb nur für besonders Passionierte ein Thema.

Gefährdet das Wachstum
nicht das Image?


Nein. Selbst der Ghibli mit der kleinsten Motorisierung bleibt 100-prozentiger Maserati. Es wird ihn nur in Leder geben, wir bieten keine Flottenvariante mit 4-Zylinder, Stoffsitzen und Plastikverkleidung an. Und 50 000 Maserati unter den jährlich 70 Millionen Neuzulassungen werden die Exklusivität nicht bedrohen.

Hatte der Fokus auf China und die USA Einfluss auf die Entwicklung des Quattroporte?

Aufs Design sicher nicht. Unsere Identität als exklusive italienische Marke spielt eine übergeordnete Rolle. Aber klar schauen wir uns die Märkte an. Kunden in den USA und China bevorzugen grössere Fahrzeuge mit langem Radstand und fahren häufig nicht selbst. Entsprechend ist das Modell gewachsen. Interessant ist übrigens, dass heutige Quattroporte-Kunden in Europa und den USA durchschnittlich 55-jährig und männlich sind. In China sind es beispielsweise 40 Prozent Frauen, Durchschnittsalter 37 – die haben einen anderen Geschmack und bevorzugen andere Farben.

Die Limousine war stets für ihren
V8 berühmt, wie wird der neue V6 ankommen? Der 6-Zylinder à la Ferrari und Maserati ist einzigartig und bietet sogar die bessere Performance als der heutige 4,7-Liter-V8. Er wird auf allen Märkten gut ankommen, denn er entspricht den Zeichen der Zeit.

Was zeichnet den Quattroporte gegenüber anderen sportlichen Luxuslimousinen aus? Ich habe grösste Achtung für die Wettbewerber, glaube jedoch, in puncto Styling sind wir nach wie vor alleinstehend. Viele Autos sind perfekt, aber langweilig. Gerade in der Oberklasse können nur wenige Emotionen auslösen. Jeder Kunde sucht natürlich etwas anderes, aber für mich persönlich gibt es nichts Emotionaleres als bestimmte Geräusche. Wenns ein bescheidener Tag im Büro war, muss ich nur durch einen Tunnel fahren, die Fenster öffnen, den Sportknopf drücken, dreimal raufund runterschalten, schon kann ich lächeln. Wie sich das Auto anhört, zählt für alle unsere Kunden zu den Top-Argumenten. Es ist dieses Kribbeln im Bauch, das den Quattroporte ausmacht. (nv)

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