Wie der Camaro ZL-1 Autogeschichte schrieb

Chevrolet lässt den ZL-1 neu aufleben. Das Original kam 1969 auf dem Markt, dem wohl besten aller Auto-Jahrgänge – und lässt auch heute noch die Herzen der Liebhaber höher schlagen.

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Immer dann, wenn die Auto-Industrie nicht mehr so recht weiter weiss, erinnert sie sich an ihre Vergangenheit. Bei Chevrolet hat sich die erste Neuauflage des Camaro nicht ganz so toll wie erwartet verkauft. Also lassen die Amerikaner 2012 ein Modell neu aufleben, dessen Bezeichnung dem Kenner und der Liebhaberin Herzklopfen verursacht: ZL-1. Ein willkommener Grund, auf die Entstehung des Originals zurückzublicken.

Neidische Blicke auf den Mustang

Ford hatte mit dem Mustang, der am 17. April 1964 erstmals auf den Markt kam, gewaltigen Erfolg. Zwar war der Mustang im Vergleich zu den echten «Muscle Cars» der 60er Jahre mehr ein Pferdchen, oder eben ein «Pony Car», wie später das gesamte Segment genannt werden sollte. GM und Chrysler blickten neidisch, und es war klar, dass auch die Ford-Konkurrenten unbedingt so ein Modell im Programm haben mussten.

«Ein kleines, böses Tier»

Am 28. Juni 1966 kündigte Pete Estes (der verantwortlich gezeichnet hatte für den ersten aller «Muscle Car», den Pontiac GTO von 1964) eine neue Modellreihe an: den Chevrolet Camaro. Als die Journalisten fragten, was das denn sein soll, Camaro, antworteten die Chevrolet-Mitarbeiter: «Ein kleines, böses Tier, das Mustangs frisst.» Die ersten kleinen Chevys standen am 29. September 1966 bei den Händlern. Extra für den Camaro (und den ein Jahr später folgenden Pontiac Firebird) war eine neue Plattform entwickelt worden, der so genannte F-Body. Basis-Motorisierung war ein 3,8-Liter-Sechszylinder, doch es gab auch richtig böse Geräte, etwa den SS, für den ein 6,5-Liter-V8 erhältlich war.

Geheimtipp

Aber der wahre Geheimtipp war die Option Z/28, die im Dezember 1966 eingeführt wurde. Auf dem Papier sah es nicht nach viel aus, ein 4,9-Liter-V8 mit offiziell 290 PS. Doch wer genauer hinsah, erkannte, dass die Version ein Renn-Gerät war. Der Motor hatte einen Alu-Block, einen vierfach-Holley-Vakuum-Vergaser, scharfe Nockenwellen – und drehte locker bis 7000/min. Das bedeutete mindestens 400 PS. 602 Stück des Z/28 wurden vom 67er-Jahrgang verkauft. Das war nichts im Vergleich zum Erdbeben, das der Camaro unter den «Pony Cars» verursachte: 221'306 Exemplare wurden schon im ersten Jahr abgesetzt.

1968 kam es noch besser, 235'147 Camaro wurden verkauft. Und weil der Z/28 auch in den offiziellen Prospekten aufgeführt war, stiegen seine Verkaufszahlen an, auf 7199 Exemplare. 1969 zeigte einen weiteren Anstieg, 243'085 Camaro wurden abgesetzt, davon 20'302 Z/28. Er wurde fast schon zum Normal-Programm. Aber es gab einen harten Kern von Fans und Händlern, die sich mehr Kompromisslosigkeit wünschten. Die Frage stand im Raum: Wieso nicht auch einen Camaro bauen mit diesem 7-Liter-Triebwerk?

COPO – Die Abteilung für Sonderwünsche

Die Lösung hiess: «Central Office Production Order» (COPO), die Chevrolet-Abteilung, welche sich mit Sonderwünschen beschäftigte. Wer zum Beispiel ein Taxi mit einer speziellen Farbe wollte, der wandte sich an COPO. Die Abteilung musste sich nie an die Befehle von ganz oben halten, Hauptsache, es wurde Geld verdient. Nun taten sich einige Chevrolet-Händler zusammen und äusserten ihren Wunsch nach einem 427er-Camaro. Vince Piggins, der Mann, der schon den Z/28 konstruiert hatte, machte sich an die Arbeit. Nur die Eingeweihten durften wissen, dass sie unter dem COPO-Code 9561 einen Camaro mit dem 427-ci-Motor bestellen konnten (und unter Code 9562 eine ebensolche Chevelle). Das war ein feistes Teil, 425 PS und ein maximales Drehmoment von 624 Nm bei 4000/min.

Ein echter Rennwagen

Der engste Kern schrieb aber «9560» auf die Bestellung – und erhielt einen echten Rennwagen. Aussen und auch innen sah das Vieh aus wie ein profaner Sechszylinder-Camaro, doch unter der Haube schlummerte das Beste, was GM in jenen Jahren zu bieten hatte. Auch ein 7-Liter-V8, komplett aus Alu. Mit einer Verdichtung von 12,0:1. Offiziell schaffte das Triebwerk 430 PS, doch keines dieser handgemachten Teile hatte weniger als 550 Pferdestärken. Besonders gut ausbalancierte Maschinen sollen gar auf 580 PS gekommen sein. Das maximale Drehmoment lag bei 610 Nm bei 4400/min, was für viel Stimmung auf den amerikanischen Strassen sorgten. Im Springt kam der Camaro in 5,3 Sekunden von 0 auf 60 Meilen. Man darf davon ausgehen, dass Chevrolet nie ein potenteres und schnelleres Gerät gebaut hat als diesen ZL-1.

Nur 69 ZL-1 gebaut

69 dieser ZL-1 wurden gebaut. Der Verbrauch war absurd, die riesigen Holley-Vergaser sogen bis zu 48 Liter auf 100 Kilometern aus dem Tank. Und auch der Preis war jenseitig, ein ZL-1 kostete ohne Optionen 7200 Dollar, das Doppelte eines gut ausgestatteten SS396-Camaro-Coupé; 4160 Dollar waren allein für den Motor zu entrichten. Echte ZL-1 kommen heute selten in den Verkauf. Im vergangenen Sommer versteigerte RM Auctions einen dieser Camaro ZL-1 aus der Sammlung des «muscle car»-Sammlers Milton Robson für 418'000 Dollar. Erstaunlich günstig, der Schätzpreis hatte bei 750'000 Dollar gelegen.

baz.ch/Newsnet

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