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Angriff des Tigers

Kompakter als der Cayenne, bissiger als seine Artgenossen – der neue Porsche Macan verspricht dem Sportwagenbauer fette Beute.

«Das richtige Fahrzeug...
«Das richtige Fahrzeug...
Porsche
...zum richtigen Zeitpunkt»:
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Porsche
So beschreibt Porsche seinen neuen Sport-SUV Macan.
So beschreibt Porsche seinen neuen Sport-SUV Macan.
Porsche
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Laut chinesischem Horoskop steht mit dem Jahr des Pferdes ein schwieriges Jahr an. Doch in Deutschland, bei jener Automobilmarke, die das Tier im Wappen trägt, glaubt man nicht an das Schicksal. Eher an den weltweit ungestillten Hunger nach Kompakt-SUV und an die Opfergabe von 500 Millionen Euro für neue Produktionsanlagen in Leipzig. Der Cayenne, der seit 2002 gebaut wird, ist längst das umsatzstärkste Modell – um seinem 17 Zentimeter kürzeren, um 3400 Franken günstigeren Bruder eine goldene Zukunft vorauszusagen, muss man folglich kein Astrologe sein. Abgesehen davon steht das Jahr für Porsche keineswegs im Zeichen eines behuften Fluchttiers: Macan bedeutet auf indonesisch Tiger, und Vertriebschef Bernhard Maier ist überzeugt, dass die fünfte Baureihe neue Kundschaft erbeuten wird – in Europa, in den USA und gerade auch in China, wo im Schnitt alle 14 Tage ein neues Porsche-Center eröffnet wird. «Der Macan ist das richtige Fahrzeug zum richtigen Zeitpunkt», verkündet er feierlich.

«Supersportler im Segment»

Die Front Cayenne-inspiriert, die schmucken Sideblades, dreidimensional ausgeformte Heckleuchten und das Lenkrad als Zitate vom Supersportler 918, die breite Mittelkonsole aus dem Panamera, der zentrale Drehzahlmesser und die Stoppuhr wie im 911er – optisch gibt der 4,7 Meter lange, flach geduckte SUV seine Herkunft deutlich zu erkennen. Doch ob Porsche mit dem Audi Q5 als Genspender auch technisch aufs richtige Pferd gesetzt hat? «Zwei Drittel der Komponenten wurden ausgetauscht oder modifiziert», stellt die Porsche-Spitze klar.

Unter anderem betrifft dies stärkere V6-Motoren, von denen die beiden Benziner neue Eigenentwicklungen sind, die serienmässige Doppelkupplung PDK, den markentypischen Sport- oder auf Wunsch auch Sport-Plus-Knopf für eine bissigere Abstimmung sowie ein Fahrwerk mit Stahl- oder Luftfederung – Letzteres ist eine Premiere im Segment. Vor allem aber wurde der Allradantrieb Quattro gegen ein vollvariables System ausgewechselt. Wie die vierradangetriebenen 911er fährt der Macan betont hecklastig und schaltet die Vorderräder elektronisch nur bei Bedarf hinzu. Der «Supersportler im Segment» gibt sich damit als Spitzenprädator: In Sachen Präzision, Direktheit und Kurvenfreude will er keine natürlichen Feinde kennen.

Ab 76 100 Franken

Dass die Raubkatze nicht nur in der chinesischen Symbolik vor Kraft strotzt, beweist das Spitzenmodell Turbo schon als Tiger auf Papier: 3,8-Liter-V6-Biturbo, 400 PS, 550 Nm Drehmoment, in 4,8 oder mit dem Sport-Chrono-Paket sogar 4,6 Sekunden auf Tempo 100 und 266 km/h Spitze lauten die Eckdaten. Am meisten imponiert jedoch, wie man mit dem Macan auf der Rennstrecke 911er jagen kann. Wie leichtfüssig er sich durch Schikanen windet. Wie gewaltig er aus Kurven herausbeschleunigt. Wie zuverlässig sich die Mischbereifung in den Asphalt krallt. Und wie wenig man sich dabei in einem 1,9 Tonnen schweren SUV fühlt. Die gegenüber dem Cayenne 70 Millimeter tiefere Sitzposition erhöht die Sportfreuden umso mehr.

Dabei brüllt es aus den beiden Doppelauspuffrohren zwar verhaltener als von einem Raubtier erwartet, doch letztlich dürfte der 5-sitzige, mit 500 Ladelitern versehene Tiger ohnehin als Haus(frauen-)Katze domestiziert werden. Weshalb man sich ja auch mit dem 340 PS starken, ebenfalls von zwei Turboladern befeuerten Macan S oder dem 258 PS leistenden S Diesel zufriedengeben könnte, die – apropos theoretisch – 76100 statt 105 000 Franken kosten und bestenfalls nur 8,7 Liter Benzin respektive 6,1 Liter Diesel je 100 Kilometer verbrauchen.

50 000 Einheiten pro Jahr

Für einen Sport-SUV zeigt der Macan auch in freier Wildbahn überraschende Talente. Mit der optionalen Luftfederung lässt sich die Bodenfreiheit per Offroad-Taste auf 23 Zentimeter erhöhen, der Rampenwinkel beträgt 17,1 Grad, und für tiefe Abgründe steht eine Bergabfahrhilfe bereit – nur die rund ums Testgelände weidenden, zuweilen auf dem Teller von Werksbesuchern landenden Auerochsen zeigen sich unbeeindruckt.

Ähnlich unbeeindruckt dürften Sportwagenfans vom Macan sein. Dass er die SUV-Mittelklasse auf den Kopf stellen wird, steht jedoch ausser Zweifel. Zunächst sind jährlich nur 50 000 Einheiten geplant – weniger als vom Cayenne, der 2013 über 80 000 Käufer fand, darunter 999 in der Schweiz –, doch schon heute heisst es,

dass die Produktion bei Bedarf nach oben angepasst werden könne. Ungeachtet dessen, was der Mondkalender verspricht, darf erwartet werden, dass der Tiger bald den Löwenanteil des Porsche-Verkaufsvolumens ausmacht. Wenn nicht im Jahr des Pferdes, dann im Jahr der Ziege, spätestens aber dann, wenn der Affe das Schicksal bestimmt. Das ist nicht als Beleidigung zu verstehen, immerhin steht das Tier sowohl für Dynamik als auch Wohlstand.

Nina Vetterli fuhr den neuen Porsche Macan am 11./12. Februar auf Einladung der Porsche Schweiz AG in Deutschland.

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