Trendsetter auf Aufholjagd

Mit dem neuen Range Rover Evoque will Land Rover zurück an die Spitze der stylishen SUV.

Der «Briefkastenschlitz» im Heck darf dem Evoque auch in der zweiten Auflage sein Gepräge geben. Foto: PD

Der «Briefkastenschlitz» im Heck darf dem Evoque auch in der zweiten Auflage sein Gepräge geben. Foto: PD

Von wegen Schlamm und Geröll – spätestens mit dem Evoque hat sich Land Rover zumindest teilweise aus dem Gelände verabschiedet. Zwar hat sich auch der Baby- Range im Gelände besser geschlagen als die meisten seiner Fahrer, doch wenn es einen Geländewagen gibt, der für die Eroberung des «Urban Jungle» steht, dann ist es der kompakte Lifestyle-Range-Rover für die gehobenen Töchter und die Boys der Boheme. Nicht umsonst haben die Briten vom bislang erfolgreichsten Land Rover aller Zeiten in sieben Jahren fast 800'000 Exemplare verkauft, von denen laut Designchef Gerry McGovern 75 Prozent in den ­Metropolen dieser Welt oder zumindest in grossen Städten unterwegs sind.

Dummerweise hat der Erfolg viele Nachahmer auf den Plan gerufen, und der Trendsetter ist zum Ende seiner Laufzeit ein wenig ins Hintertreffen geraten. Doch wenn im Frühjahr zu nahezu unveränderten Preisen ab 43'900 Franken die zweite Auflage an den Start geht, soll sich das wieder ändern, sagt McGovern: «Wir bringen den Evoque dorthin zurück, wo er hingehört – an die Spitze des von ihm geschaffenen Segments.»

Mehr Präzision, mehr ­Proportion, mehr Prestige

Dafür hat McGovern allerdings vergleichsweise wenig getan. Warum etwas ändern, das weltweit extrem gut ankommt, fragt der Designer und belässt es deshalb bei kleinen, aber wirkungsvollen Retuschen. Die Form bleibt gleich, aber die Linien wurden weiter reduziert und die Karosserie geglättet. Die Fugen und Spalten sind dünner und kleiner und die LED-Leuchten sehr viel schmaler und tiefgründiger. Mehr Präzision, mehr Proportion, mehr Prestige – so fasst McGovern die Zielvorgabe zusammen.

Obwohl auch das Format identisch ist, hat Projektleiter Pete Simkin dank zwei Zentimetern mehr Radstand innen mehr Platz geschaffen – auf dem Rücksitz gibt es mehr Kniefreiheit, der 591 bis 1383 Liter grosse Kofferraum fasst zehn Prozent mehr, und überall im Auto gibt es mehr Ablagen für den grossen und kleinen Kram, auf den heute unterwegs niemand mehr verzichten will. Dazu hat McGovern ein Interieur entworfen, das sich stark am vielfach ausgezeichneten Range Rover Velar orientiert: Das Heer der Knöpfe und Schalter wird deshalb ausgedünnt, und das Cockpit ist geprägt von ­digitalen Instrumenten und zwei grossen Touchscreens. Und wer will, bekommt auch einen veganen Innenraum, der zwar ohne Leder auskommt, aber trotzdem nicht billig aussieht – aber natürlich teuer bezahlt werden muss.

Mehr als die Designer haben die Ingenieure am neuen Evoque gearbeitet: Sie haben den Wagen nicht nur auf eine neue, deutlich steifere Plattform gestellt und trotz der Fokussierung auf die Innenstadt und normale Strassen auch Offroad-Kriterien wie die Wat­tiefe und den Böschungswinkel noch einmal verbessert. Sie haben auch die Motorenpalette erneuert: Nur in der Basisversion mit Frontantrieb und sonst serienmässig mit zwei unterschiedlich aufwendigen Allradsystemen gekoppelt, gibt es den Evoque zunächst mit vier Zylindern vom 150-PS-Diesel bis zum 300-PS-Benziner. Die verbrauchen auf dem Papier zwischen 5,4 und 8,1 Liter. In der Kombination mit der neuen 9-Stufen-Automatik werden alle Motoren zu Mild-Hybriden aufgerüstet und bekommen einen 48-Volt-Starter-Generator. Der kann den Evoque zwar nicht alleine antreiben, hilft aber beim Anfahren, verlängert die Start-Stopp-Phasen und rekuperiert beim Bremsen mehr Energie. «So geht der Verbrauch im Schnitt um sechs Prozent zurück», versprechen die Briten. Wem das noch nicht reicht, den bitten sie um ein paar Monate Geduld. Denn Ende 2019 kommt der Evoque erstmals auch mit einem Dreizylinder-Plug-in-Hybrid.

Neben ernsthafter Ingenieurskunst will der neue Evoque aber auch mit ein paar coolen Gimmicks punkten. So bekommt er als weltweit erstes Auto eine «durchsichtige Motorhaube»: Dafür schauen Kameras an der Seite und im Bug des Wagens auf die Fahrbahn, und die Elektronik komponiert daraus eine Liveübertragung auf dem Bordmonitor, die Fahrten im Gelände genauso erleichtern soll wie das Rangieren.

Die grösste Errungenschaft für Designchef McGovern ist aber der digitale Rückspiegel: Weil man jetzt per Knopfdruck auf eine Kamera umschalten kann, durfte er die extreme Kehrseite, die so charakteristisch ist für den Evoque, auch diesmal umsetzen. Denn mit der neuen Technik sieht man jetzt nach hinten viel besser als je zuvor – selbst wenn die Heckscheibe auch weiterhin nicht viel höher als ein Briefkastenschlitz scheint.

Ein Butler an Bord merkt sich die Vorlieben des Fahrers

Ein weiteres digitales Highlight sind die «Smart Settings», die der Neuling als erstes Land-Rover-Modell besitzt. Sie nutzen Algorithmen künstlicher Intelligenz, um Vorlieben des Fahrers zu lernen und dann wie ein Butler an Bord zu agieren. Neben Sitzposition, Audio- und Klimaeinstellungen steuern die «Smart Settings» beispielsweise auch die Lenkradposition, um den Komfort zu maximieren.

«Die erste Evoque-Generation besitzt einen ausgeprägt jugendlichen Charakter», fasst Mike Cross, Chief Vehicle Engineer bei Jaguar Land Rover, zusammen. «Bei der Entwicklung des neuen Modells kam es uns darauf an, dieses Profil weiterzuentwickeln und zu verfeinern. Da der neue Evoque das Range-Rover-Logo trägt, muss er mit Souveränität und Komfort überzeugen, zugleich aber nach wie vor Fahrvergnügen bereiten. Wir sind sicher, dass er dies auf und neben den Strassen zeigen wird.»

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