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Folgen der Corona-KriseAussichten für den Schweizer Arbeitsmarkt hellen sich auf

Weniger Arbeitslose als befürchtet, tiefere Kosten für die Kurzarbeit als erwartet: Neue Wirtschaftszahlen stimmen optimistisch. Doch manche Branchen erholen sich nur sehr langsam.

Die Arbeitsvermittlungszentren könnten weniger zu tun haben als erwartet: RAV in Basel.
Die Arbeitsvermittlungszentren könnten weniger zu tun haben als erwartet: RAV in Basel.
Foto: Christoph Stulz

Die jüngsten Daten zum Schweizer Arbeitsmarkt zeigen eine deutlich bessere Lage, als das noch zu Beginn der Corona-Krise im März und April befürchtet wurde. Das zeigen die am Mittwoch vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) präsentierten Daten.

Zum einen ist die Arbeitslosenquote nicht weiter gestiegen, sie hat sogar von 3,4 Prozent im Mai auf 3,2 Prozent im Juni abgenommen, wenn man Saisoneffekte durch eine höhere Arbeitsnachfrage im Sommer unberücksichtigt lässt. Bereinigt um diesen Effekt, stieg die Quote geringfügig von 3,2 auf 3,3 Prozent.

Wie Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, gegenüber den Medien ausführte, machen die Zahlen auch für die kommenden Monate Hoffnung auf eine deutlich bessere Entwicklung als bisher befürchtet. Bisher rechnet man beim Seco mit einer Arbeitslosenquote von 3,8 im Durchschnitt des laufenden Jahres, was mit einem Anstieg dieser Quote auf 5 Prozent bis Ende Jahr verbunden wäre. Eine solche Entwicklung zeichne sich aber angesichts der wieder deutlich gestiegenen Dynamik auf dem Schweizer Arbeitsmarkt nicht ab, wie Zürcher betonte. Deshalb rechnet er damit, dass diese Prognose künftig korrigiert wird.

Keine Anzeichen für eine Konkurswelle

Berichten, dass es im Herbst zu Massenentlassungen und Massenkonkursen kommen könnte, hielt der oberste Arbeitsamtschef entgegen, dafür gebe es keine Hinweise. Allein die von 12 auf 18 Monate verlängerte Frist für den Bezug von Kurzarbeit mache dies unwahrscheinlich. Auch bei den Konkursen zeichne sich bisher keine Entwicklung ab, die sich von jener etwa des letzten Jahres deutlich unterscheide.

Ein wichtiger Grund für diesen Optimismus ist die Entwicklung der Dienstleistungsbranche, wo in der Schweiz zwei Drittel aller Beschäftigten tätig sind. Sie hat unter dem Lockdown am stärksten gelitten, und dort zeigt sich jetzt wieder eine deutliche Dynamik – nicht nur bei der Geschäftstätigkeit, auch wieder bei Einstellungen.

In der Gastronomie werden die Umsätze noch länger tiefer als üblich bleiben: Abstandmessen im Restaurant des Casinos Bern.
In der Gastronomie werden die Umsätze noch länger tiefer als üblich bleiben: Abstandmessen im Restaurant des Casinos Bern.
Foto: Adrian Reusser (Keystone)

Trotz dieser überraschend positiven Entwicklung im Vergleich zu den Erwartungen entspricht die Lage allerdings noch nicht dem Normalzustand. Im Gastgewerbe und in der Hotellerie steht die Arbeitslosenquote saisonbereinigt noch immer bei 9,3 Prozent, im Mai lag sie noch bei rund 10 Prozent. In anderen Bereichen, wie in der Uhrenbranche, liegt sie bei 7,2 Prozent, und dort zeichnet sich vorerst keine Besserung ab. Auch für die Industrie bleiben die Aussichten angesichts der weltweiten Wirtschaftslage angespannt.

Besonders augenfällig ist auch die Entwicklung bei der Kurzarbeit. Die Zahlen für entsprechende Anträge durch Unternehmen haben seit dem Mai praktisch nicht mehr zugenommen: Im März haben Unternehmen für 1,6 Millionen Beschäftigte eine Kurzarbeit beantragt. Bis zum Mai stieg die Zahl kontinuierlich auf 1,91 Millionen Anträge für Beschäftigte an. Seither ist die Zahl weitgehend stabil geblieben.

Kurzarbeit wird weit weniger beansprucht als erwartet

Entscheidend ist aber, in welchem Ausmass die Unternehmen die Kurzarbeit auch tatsächlich anwenden, wenn ihr Antrag bewilligt wurde. Weil rund drei Monate vergehen, bis dazu verlässliche Zahlen vorliegen, sind erst zum März weitgehend gesicherte Aussagen möglich. Auch diese sind sehr viel besser, als das ursprünglich befürchtet wurde: Von den bewilligten Anträgen für Kurzarbeit in jenem Monat wurden nur rund 55 Prozent tatsächlich genutzt. Das heisst, es arbeiteten im März statt wie beantragt 1,6 Millionen nur 884’000 Personen in Kurzarbeit. Da auch jetzt noch nicht alle Bewilligungen abgearbeitet wurden, kann sich die Zahl noch geringfügig ändern.

Für den April zeichnet sich bisher ein ähnliches Bild ab: Gemäss bereits vorliegenden Daten arbeiteten in jenem Monat 1,1 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit, was rund 58 Prozent der für den Monat vorliegenden Anträge entspricht. Gemessen an den Stunden, für die Kurzarbeit ausgerichtet wurde, lag die Beanspruchung aber auch in diesem Monat bei 55 Prozent. Wie zu erwarten, war sie in jenen Branchen am grössten, die vom Lockdown auch am stärksten betroffen waren. So lag sie im Gastgewerbe bei 77 Prozent, gemessen an der bereits abgerechneten Kurzarbeit.

Sehr viel geringer als erwartet ist angesichts dieser Entwicklung auch die Belastung für die Arbeitslosenversicherung. Über diese wird auch die Kurzarbeit abgerechnet. Während man beim Seco für den März mit Kosten von 2 bis 3 Milliarden Franken gerechnet hatte, belaufen sie sich jetzt bloss auf rund eine Milliarde. Für den April lagen die Schätzungen bei 5 bis 7 Milliarden, jetzt belaufen sie sich auf 2,4 Milliarden. Im Mai werden es zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden sein. Um die Zusatzkosten für den Arbeitslosenfonds zu decken, hat der Bund einen Zusatzbetrag von maximal 14,2 Milliarden Franken beantragt. Wie Boris Zürcher vom Seco erklärt, wird nun voraussichtlich deutlich weniger Geld benötigt als ursprünglich befürchtet.