Wo 50 Millionen Flüchtlinge unterkommen

Die UNO veröffentlicht dramatische Zahlen. Weltweit gibt es so viele Flüchtlinge wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Eine neue Heimat finden sie fast ausschliesslich in Entwicklungsländern.

Entwicklungsländer nehmen aktuell 86 Prozent der weltweiten Flüchtlinge auf: Ein Grafik zeigt die am stärksten beanspruchten Länder. (Quelle: UNHCR)

Entwicklungsländer nehmen aktuell 86 Prozent der weltweiten Flüchtlinge auf: Ein Grafik zeigt die am stärksten beanspruchten Länder. (Quelle: UNHCR)

Weltweit stieg die Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden sowie der Vertriebenen innerhalb des eigenen Landes bis Ende 2013 auf 51,2 Millionen an - sechs Millionen Menschen mehr als noch 2012. Das teilt das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mit.

Jeder Fünfte von ihnen hat im Laufe des vergangenen Jahres seine Heimat verlassen müssen, teilten die Vereinten Nationen in Genf aus Anlass des Weltflüchtlingstages am 20. Juni mit. Besonders dramatisch sei die Lage in Syrien. Innerhalb des Bürgerkriegslandes sind den Angaben zufolge 6,5 Millionen Menschen auf der Flucht, weitere 2,5 Millionen Syrer seien ins Ausland geflohen.

Flucht und Vertreibung hätten aber auch in Afrika wieder erheblich zugenommen. «Wir sehen hier die enormen Kosten nicht enden wollender Kriege sowie fehlgeschlagener Bemühungen, Konflikte zu lösen oder zu verhindern», erklärte der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres.

51,2 Millionen Menschen waren Ende 2013 auf der Flucht: Eine Grafik zeigt die Entwicklung der Flüchtlingszahlen in den letzten 25 Jahren. (Quelle: UNHCR)

Dramatische Zunahme neuer Krisen

Der starke Anstieg der Flüchtlingszahlen sei einerseits auf eine dramatische Zunahme neuer Krisen zurückzuführen - etwa im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, der Ukraine und im Irak. Zugleich blieben alte Krisen ungelöst, sagte Guterres.

Die meisten Konflikte und Fluchtwellen hätten politische Ursachen. «Die Entwicklung zeigt, dass die internationale Gemeinschaft nur noch über begrenzte Möglichkeiten verfügt, Konflikte zu verhindern oder eine schnelle Lösung für sie zu finden», sagte Guterres.

Der UNO-Sicherheitsrat sei in vielen Fragen gelähmt. Folge seien oft chaotische Zustände, in denen Konfliktparteien den Eindruck hätten, ohne jede strafrechtliche Konsequenz agieren zu können.

Pakistan nimmt am meisten Flüchtlinge auf

Die weitaus meisten Flüchtlinge - derzeit 86 Prozent - kommen nach UNO-Angaben in Entwicklungsländern unter. Dabei beherbergt Pakistan mehr Flüchtlinge als jedes andere Land (1,6 Millionen), gefolgt vom Iran und dem Libanon.

Von den 1,1 Millionen Asylsuchenden stellten die meisten - nämlich 109'600 - ihren Asylantrag in Deutschland. Danach folgen in der UNO-Statistik die USA, Südafrika, Frankreich und Schweden. Die weltweit meisten Asylanträge stellten 2013 Syrer (64'300), gefolgt von Bürgern der Demokratischen Republik Kongo (60'400) und Myanmars (57'400).

Der Libanon nimmt im Verhältnis zur Landesgrösse am meisten Flüchtlinge auf: Die Anzahl Flüchtlinge pro 1000 Einwohner. (Quelle: UNHCR)

Mehrheit noch minderjährig

Als besonders besorgniserregend bewerten die UNO die starke Zunahme von Kindern auf der Flucht. Erstmals seit 2000 seien 2013 mehr als die Hälfte der Flüchtlinge Kinder und Jugendliche gewesen. 25'300 Asylanträge wurden von Kindern gestellt, die von ihren Eltern getrennt wurden. Das sind so viele wie nie zuvor.

Grundlage des Berichts sind Daten, die von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen sowie vom UNHCR selbst gesammelt wurden.

ldc/sda

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