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Sie ist deutlich beliebter als der Präsident

«Michelle, ich habe dich nie so geliebt wie heute», sagte Barack Obama nach seiner Wiederwahl zu seiner Frau. Für seine Liebeserklärung hat er allen Grund. Der Anteil der First Lady am Wahlerfolg ist hoch.

Wichtige First Lady: Das Präsidentschaftspaar kurz vor der Wahl. (4. November 2012)
Wichtige First Lady: Das Präsidentschaftspaar kurz vor der Wahl. (4. November 2012)
AFP
Ihr hat der Präsident viel zu verdanken: Michelle und Barack Obama küssen sich während eines Basketball-Spiels in Washington. (12. Juli 2012)
Ihr hat der Präsident viel zu verdanken: Michelle und Barack Obama küssen sich während eines Basketball-Spiels in Washington. (12. Juli 2012)
Reuters
Für ihren Mann legte sie die Karriere als Krankenhausmanagerin auf Eis: Michelle Obama während einer Wahlkampfveranstaltung ihres Mannes 2007.
Für ihren Mann legte sie die Karriere als Krankenhausmanagerin auf Eis: Michelle Obama während einer Wahlkampfveranstaltung ihres Mannes 2007.
Reuters
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Mit einer Liebeserklärung wandte sich der wiedergewählte US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede an die Nation an seine Ehefrau: «Michelle, ich habe dich nie so geliebt wie heute», sagte er vor seinen jubelnden Anhängern. «Ich wäre nicht der Mann, der ich heute bin, ohne dich.» Er sei stolz, dass auch der Rest der Nation ihr als First Lady so zugewandt sei.

Für seine zärtlichen Worte hat Barack Obama auch politisch allen Grund: Der Anteil von Michelle Obama am Wahlsieg ihres Mannes ist kaum hoch genug anzusetzen. Deutlich populärer als Präsident Barack Obama, hat sich die 48-jährige frühere Anwältin nach dem Einzug ins Weisse Haus schnell mit ihrer Rolle als First Lady angefreundet. Im Volk kommt sie gut an. Auch viele Wähler, die nun nicht für Barack Obama gestimmt haben, dürften gegen vier weitere Jahre Michelle nichts einzuwenden haben. Die erste afroamerikanische Präsidentengattin sieht sich als Repräsentantin der Menschen in den USA und «Mom-in-Chief» mit zwei Töchtern im Teenageralter.

Eine Geschichte, wie sie die Amerikaner lieben

In einer Umfrage der «Washington Post» äusserten sich 67 Prozent positiv über die First Lady - der Wert des Präsidenten lag zwölf Prozentpunkte niedriger. «Sie ist eine sehr beliebte First Lady», sagt Anita McBride, die einst im Stab der Präsidentengattin Laura Bush arbeitete und nun an der American University lehrt. «Sie ist sehr effektiv gewesen, ihre Rolle zu nutzen, um einen Unterschied bei den Themen zu machen, um die sie sich kümmert.»

In den vergangenen Jahren engagierte sich Michelle Obama für Familien von Militärangehörigen und im Kampf gegen Fettleibigkeit. Im Frühjahr 2009 legte sie einen 100 Quadratmeter grossen Gemüsegarten im Weissen Haus an und lädt seitdem regelmässig Schüler ein, die Pflanzungen zu vergrössern. Etwa ein Jahr später startete Obama ihre Kampagne «Let's Move», mit der sie junge Menschen zu einem gesünderen und aktiveren Lebensstil bewegen will.

Die First Lady wurde in einem mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Arbeiterviertel in Chicago gross. Mit Fleiss, Intelligenz und Zielstrebigkeit schaffte sie den Aufstieg - eine Lebensgeschichte, wie sie die Amerikaner lieben. Sie hiess noch Michelle LaVaughn Robinson, als sie Soziologie und Jura an den Eliteunis Princeton und Harvard studierte. Nach dem Abschluss Ende der 80er-Jahre fand sie einen Job bei einer renommierten Anwaltskanzlei in Chicago. In dieser Zeit lernte sie auch ihren späteren Mann Barack kennen, der damals noch Student in Harvard war und in ihrer Kanzlei ein Praktikum absolvierte.

In seinem Buch «The Audacity of Hope» erzählt Obama, dass er Michelle nur mit grosser Mühe davon überzeugen konnte, mit ihm auszugehen. «Schliesslich habe ich sie mürbe gemacht», schrieb er. Das Paar heiratete 1992 und bekam zwei Töchter, Malia und Sasha. Vor dem Wechsel ins Weisse Haus verdiente Michelle als Krankenhausmanagerin mehr als ihr Mann als Senator in Washington.

Stil-Ikone

Als Politikerfrau musste sie ihre eigenen Ambitionen zurückstellen. Anfänglich soll Michelle Obama den Plänen ihres Mannes, sich um das Amt des Präsidenten zu bewerben, skeptisch gegenübergestanden haben - auch aus Angst um die beiden kleinen Töchter. Die «New York Times»-Journalistin Jodi Kantor beschreibt in ihrem Buch «The Obamas», wie Michelle zunächst mit der neuen Rolle und den damit verbundenen Einschränkungen zu kämpfen hatte. Angeblich gab es auch Spannungen mit dem Beraterkreis des Präsidenten, weil sich die First Lady zu stark in die Politik einmischen wollte.

In einem Fernsehinterview wies Michelle Obama diese Darstellung Anfang des Jahres zurück, auch das Weisse Haus dementierte. Im Kampf um eine zweite Amtszeit stand die First Lady fest an der Seite ihres Mannes. «Der Wahlkampf macht mir wirklich Spass», versicherte sie dem Nachrichtensender CNN. Mit ihrer Rede auf dem Parteitag der Demokraten Anfang September konnte sie viele Sympathiepunkte für den Präsidenten sammeln.

Abseits der Politik ist Michelle Obama zu einer Stil-Ikone geworden. Bereits wenige Monate nach dem Einzug ins Weisse Haus hob die Modezeitschrift «Vogue» sie auf den Titel. «Sie sieht toll aus in unseren Kleidern», schwärmte auch die Designerin Tracy Reese, die das rosafarbene Brokatkleid entwarf, mit dem die First Lady auf dem Demokraten-Parteitag begeisterte.

AFP/kle

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