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Bloomberg möchte Obama zum Sieg verhelfen

Sturm Sandy könnte des Präsidenten Wiederwahl sichern: Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg zeigte sich derart begeistert von Obamas Krisenmanagement, dass er ihm gegenüber Romney klar den Vorzug gibt.

Setzt sich für Barack Obama ein – trotz «Abstrichen» in dessen Bilanz: Der parteilose Michael Bloomberg.
Setzt sich für Barack Obama ein – trotz «Abstrichen» in dessen Bilanz: Der parteilose Michael Bloomberg.
Keystone

Nach den Verwüstungen durch den Sturm Sandy wird der Klimawandel zum Top-Wahlkampfthema in den USA: Der parteilose New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg rief am Donnerstag in einem Beitrag auf Bloomberg.com zur Wiederwahl von Präsident Barack Obama auf, weil dieser die Führerschaft beim Thema Klimawandel habe.

«Unser Klima ändert sich. Und ob die Zunahme extremer Wetterlagen, die wir in New York und in der Welt erlebt haben, eine Folge davon sind oder nicht: das Risiko, dass es so sein könnte - angesichts der Zerstörung in dieser Woche - sollte alle gewählten Führer dazu zwingen, sofort zu handeln», schrieb Bloomberg.

«Wir brauchen Führung vom Weissen Haus»

Am kommenden Dienstag entscheiden die US-Wähler, ob Obama im Amt bleibt oder sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney ins Weisse Haus einzieht. New York und die gesamte US-Ostküste sind von der Sturmkatastrophe schwer getroffen worden. Die Metropole und die einzelnen US-Staaten könnten solche Katastrophen nicht alleine stemmen: «Wir brauchen Führung vom Weissen Haus», schrieb Bloomberg. Obama habe in den vergangenen Jahren wichtige Schritte für den Umweltschutz eingeleitet. Romney habe dagegen in allen wichtigen Bereichen einschliesslich des Umweltschutzes den Kurs gewechselt.

«Wenn die Version Romneys von 1994 oder 2003 zur Wahl stünde, hätte ich ihn gut wählen können», erklärte Bloomberg. «Denn wie viele andere Unabhängige fand ich die vergangenen vier Jahre, um es mit einem Wort zu sagen, enttäuschend.» Aber Obama habe dennoch einige wichtige Erfolge vorzuweisen, etwa in der Bildungspolitik und - «trotz aller Unzulänglichkeiten» - der Gesundheitsreform.

Noch bei der letzten Wahl 2008 hatte Bloomberg keine Wahlempfehlung ausgegeben. Entsprechend eifrig bemühten sich sowohl Obama als auch Romney im aktuellen Rennen ums Weisse Haus um die Unterstützung des einflussreichen Milliardärs. Dass Sandy möglicherweise ein Produkt des Klimawandels sein könne, mache die Gefechtslage im Wahlkampf sehr viel klarer, schrieb Bloomberg. «Wir brauchen Führerschaft vom Weissen Haus. Und in den vergangenen vier Jahren hat Präsident Barack Obama wichtige Schritte zur Senkung unseres Kohleverbrauchs unternommen.»

Klimawandel führte zuletzt Schattendasein im Wahlkampf

Zum Missfallen von Umweltaktivisten hatte der Klimawandel im Wahlkampf zuletzt ein Schattendasein geführt. Als Romney in seiner Rede beim Nominierungsparteitag der Republikaner einmal auf die Umwelt zu sprechen kam, nutzte er das Thema als Steilvorlage für spöttelnde Bemerkung über die Agenda seines Rivalen. «Präsident Obama versprach, den Anstieg des Meeresspiegels zu verlangsamen und den Planeten zu heilen», sagte Romney. «Ich verspreche, Ihnen und Ihrer Familie zu helfen.»

Bloombergs Fürsprache für Obama könnte das Thema Klimawandel allerdings wenige Tage vor der Wahl wieder weit vorne in der politischen Debatte platzieren.

In einer Stellungnahme begrüsste Obama denn auch die Unterstützung Bloombergs. Auch wenn er mit ihm nicht in jedem Punkt übereinstimmte, bestehe doch bei den wichtigsten aktuellen Herausforderungen Einigkeit: Dazu gehöre, dass der Schlüssel zu einer starken Wirtschaft in einer Investition in die Bildung liege und eine Reform des Einwanderungsrechts für eine offene und dynamische Demokratie lebensnotwendig sei. «Und dass der Klimawandel eine Gefahr für die Zukunft unserer Kinder ist und wir es ihnen schuldig sind, etwas dagegen zu unternehmen», erklärte Obama.

Der Amtsinhaber nahm zuvor nach dreitägiger Pause seinen Wahlkampf wieder auf. «Nach allem was wir zusammen durchgemacht haben, können wir jetzt nicht aufgeben», sagte er bei einem Auftritt in Wisconsin.

Kampf um die Swing States

Im Endspurt bis zur Wahl nehmen die beiden Präsidentschaftskandidaten vor allem die sogenannten Swing States ins Visier, jene Staaten also, die nicht mit Sicherheit den Demokraten oder Republikanern zuzuordnen sind und daher am Ende wahlentscheidend sein könnten. In einigen von ihnen, darunter Ohio, lag Obama zuletzt in Umfragen vorn. Doch auch Romney ist viel daran gelegen, Ohio am 6. November zu gewinnen: In der Geschichte der USA hat noch kein republikanischer Präsidentschaftskandidat die Wahl gewonnen, ohne auch in Ohio einen Sieg zu erringen.

Zwar rechneten Beobachter für die US-Staaten New Jersey und New York wegen Sturm Sandy mit einer geringeren Wahlbeteiligung. Grössere Auswirkungen auf den Wahlausgang wurden aber nicht erwartet, zumal beide Staaten ohnehin den Demokraten zugeordnet werden. Allerdings könnte die Reaktion der Obama-Regierung auf die Naturkatastrophe Wähler durchaus bei ihrer Stimmabgabe beeinflussen. Selbst Kritiker aus den Reihen der Republikaner hatten Obama für dessen Umgang mit der Krise gelobt.

dapd/mrs

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