Zum Hauptinhalt springen

«Die schlimmste Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg»

«22-07-2011»: Dieser Tag des Schreckens wird sich in die Geschichte der Norweger einbrennen, wie eine norwegische Zeitung schreibt. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg zeigt sich bestürzt.

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat sich bestürzt über das Blutbad in einem Jugendlager der regierenden sozialdemokratischen Partei auf der Fjordinsel Utøya sowie den Bombenanschlag in der Hauptstadt Oslo geäussert. Bei einer Pressekonferenz heute in Oslo sagte er, das Massaker habe aus einem Paradies für Jugendliche die Hölle gemacht. «Das ist ein Albtraum», sagte der Regierungschef. Die Flaggen im Land würden auf Halbmast gesetzt. Gleichzeitig warnte Stoltenberg vor voreiligen Schlüssen. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

«Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir in unserem Land keine schlimmere Katastrophe erlebt», sagte der Ministerpräsident. Die Tat sei «unbegreiflich». Er sagte bei einer Pressekonferenz am Samstag in Oslo, er habe viele Sommer auf Utoya verbracht. Er bestätigte, dass ein Verdächtiger im Zusammenhang mit der Schiesserei in Utoya in Gewahrsam genommen worden sei. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass es sich nicht um einen Einzeltäter handle.

«22-07-2011» – «Tag des Schreckens»

Die Bombenexplosion in der Osloer Innenstadt und das Blutbad auf der nahe gelegenen Insel Utoya sind die alles beherrschenden Themen der Samstagsausgaben der norwegischen Zeitungen: «Terrorschock», titelt die «Dagens Naeringsliv» über einem die Titelseite komplett ausfüllenden Foto des stark beschädigten Regierungsgebäudes, vor dem ein völlig zerstörtes, umgestürztes Auto zu sehen ist.

Das «Dagbladet» hat ein Foto einer Frau mit Blut überströmtem Gesicht auf die erste Seite gestellt und titelt: «Tag des Schreckens». Dem offenbar von einem 32-jährigen Norweger angerichteten Massaker in einem Jugendlager auf der Insel Utoya widmet sich das Blatt mit der Schilderung eines Jugendlichen, der seinem Vater auf der Flucht vor dem wild um sich schiessenden Mann per Handy berichtete: «Papa, ich renne um mein Leben».

Das Blatt «Aftenposten» titelt mit einem Foto des Regierungsgebäudes, bei dem sämtliche Fenster zerstört sind. Darunter findet sich nur das Datum, das sich in die Geschichte der Norweger einbrennen wird: «22-07-2011».

Erhöhte Wachsamkeit gegenüber Terrorismus

Auch ausserhalb von Norwegen haben die Terroranschläge emotionale Reaktionen ausgelöst. Mit Bestürzung reagierten die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Aussenminister Guido Westerwelle und Bundespräsident Christian Wulff auf die beiden Anschläge mit über 90 Toten und vielen Verletzten. Merkel versicherte noch am Freitagabend den Familien der Opfer und Verletzten ihre Anteilnahme.

Westerwelle verwies darauf, «dass auch wir in Europa wachsam sein müssen gegenüber Terrorismus und terroristischen Anschlägen». Innenminister Hans-Peter Friedrich rief auch in Deutschland zu erhöhter Wachsamkeit auf, betonte aber zugleich: «Dennoch ergibt sich daraus für Deutschland derzeit keine neue Lage».

Reaktionen aus Washington und Brüssel

«Ich möchte den Menschen in Oslo persönlich mein Beileid aussprechen. Wir werden die Norweger auf jede mögliche Weise unterstützen», sagte US-Präsident Barack Obama in einer ersten Stellungnahme. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso liess sich so zitieren: «Norwegen wird mit Frieden zuhause und dem Stiften von Frieden im Ausland in Verbindung gebracht. Einen Anschlag dieser Grösse ist nicht etwas, das man in Norwegen erwartet.» Und Jerzy Buzek, Präsident des Europaparlaments, meinte: «Norwegen leistet gute Dienste für den Frieden in den gefährlichsten Regionen rund um den Globus. Das Letzte, was Norwegen verdient, ist ein Anschlag auf eigenem Boden.»

Die norwegische Polizei hat inzwischen der Bevölkerung erlaubt, sich wieder frei in Oslo zu bewegen. Nur das Regierungsviertel, in dem sich das Bombenattentat mit sieben Toten am Samstag ereignete, solle weiterhin gesperrt bleiben, teilten die Behörden auf einer Pressekonferenz am Samstag mit, die vom Fernsehsender n-tv live übertragen wurde. Wichtig sei jetzt eine Rückkehr zur Normalität, hiess es vonseiten der Polizei.

dapd/afp/vin/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch