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Gericht verurteilt zwei Whistleblower

Zehn Monate auf Bewährung, 18 Monate in Haft. So lautet das Urteil gegen zwei Angeklagte im «Vatileaks 2»-Prozess.

Hat das mildere Strafmass erhalten: Die PR-Expertin Francesca Immacolata Chaouqui (rechts) wird von ihrer Anwältin Laura Sgro (L) begleitet als sie zur Anhörung im Vatikan erscheint. (4. Juli 2016)
Hat das mildere Strafmass erhalten: Die PR-Expertin Francesca Immacolata Chaouqui (rechts) wird von ihrer Anwältin Laura Sgro (L) begleitet als sie zur Anhörung im Vatikan erscheint. (4. Juli 2016)
Maurizio Brambatti, Keystone
Die Journalisten Gianluigi Nuzzi (links) und Emiliano Fittipaldi wie auch ein weiterer Angeklagter entgingen in dem Kirchenstaat einer Verurteilung.
Die Journalisten Gianluigi Nuzzi (links) und Emiliano Fittipaldi wie auch ein weiterer Angeklagter entgingen in dem Kirchenstaat einer Verurteilung.
Alberto Pizzoli, AFP
Die Enthüllungsjournalisten hatten auf Grundlage von Dokumenten über Geldverschwendung im Vatikan Bücher veröffentlicht.
Die Enthüllungsjournalisten hatten auf Grundlage von Dokumenten über Geldverschwendung im Vatikan Bücher veröffentlicht.
Gabriel Bouys, AFP
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Überraschende Wende nach acht Monaten Prozess um durchgestochene Dokumente über Missstände und Verschwendung am Heiligen Stuhl: Das Gericht erklärt sich nicht zuständig, Recht über zwei angeklagte Journalisten zu sprechen. Verurteilt werden zwei Vatikanmitarbeiter.

Im Prozess um die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente über Missmanagement und Verschwendung im Vatikan hat das zuständige Gericht zwei Angeklagte für schuldig befunden. Ein weiterer wurde am Donnerstag von dem Vorwurf freigesprochen, die brisanten Dokumente durchgestochen zu haben. Für zwei ebenfalls angeklagte Journalisten, die Bücher auf Basis der Dokumente veröffentlicht hatten, erklärte sich das Gericht nicht zuständig. Dass die beiden überhaupt angeklagt waren, hatten Presseverbände kritisiert.

Längste Strafe war 18 Monate

Die längste Strafe in dem als «Vatileaks» bekannten Prozess bekam Monsignore Angelo Lucio Vallejo Balda, der für die Weitergabe von Dokumente an die Journalisten zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde. PR-Beraterin Francesca Chaouqui, die Mitglied einer von Papst Franziskus 2013 ins Leben gerufenen Reformkommission war, bekam eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Sie hatte zuvor vor Gericht unter Tränen ihre Unschuld beteuert und gesagt, notfalls müsse sie ihr neugeborenes Baby mit in das Gefängnis nehmen. Das aus vier Richtern bestehende Gericht sprach sie letzten Endes vom Vorwurf der Weitergabe von Dokumenten frei, befand sie aber der Konspiration mit Vallejo für schuldig. Dessen Sekretär Nicola Maio kam frei.

Bücher über Misswirtschaft verfasst

Zu den Angeklagten gehörten ferner die Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi, die dank der Dokumente im vergangenen Jahr erfolgreiche Bücher über Missstände im Vatikan verfasst hatten. Sie hatten über Korruption, Veruntreuung und Misswirtschaft geschrieben. Nuzzi schilderte in «Alles muss ans Licht» unter anderem, dass eine Heiligsprechung eine Art Geschäft sei und bis zu einer halben Million Euro kosten könne.

Fittipaldi enthüllte in «Avarizia» (etwa «Habsucht») unter anderem, dass eine Kinderkrankenhausstiftung 200000 Euro für die Renovierung der Wohnung von Kardinal Tarcisio Bertone bezahlt habe und in der Vatikan-Verwaltung 400000 Euro Spenden von Gemeinden aus aller Welt für die Armen versickert seien.

Das Urteil kommt einer Ohrfeige für die Staatsanwälte des Vatikans gleich. Sie hatten die Journalisten beschuldigt, die drei anderen Angeklagten unter Druck gesetzt zu haben. Zudem warfen sie den drei Vatikanmitarbeitern vor, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, um die vertraulichen Dokumente nach aussen zu reichen. Doch Gerichtspräsident Giuseppe Dalla Torre sagte, es gebe keine ausreichenden Beweise für eine solche Organisation.

SDA/kat

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