Öltanker nimmt Kurs auf Griechenland

Gibraltar gewährt dem iranischen Tanker Grace 1 freie Fahrt. Teheran hatte zuvor zugesichert, das Öl nicht nach Syrien zu liefern.

Es geht weiter: Die Grace 1 setzt unter dem Namen Adrian Darya und unter iranischer Flagge ihre Fahrt fort. (17. August 2019)

Es geht weiter: Die Grace 1 setzt unter dem Namen Adrian Darya und unter iranischer Flagge ihre Fahrt fort. (17. August 2019)

(Bild: Keystone Marcos Moreno)

Der mehrere Wochen in Gibraltar festgehaltene iranische Tanker ist auf dem Weg ins östliche Mittelmeer. Das geht aus dem auf Schiffsverkehr spezialisierten Internetportal Marinetraffic.com hervor. Als Ziel der Reise wird der griechische Hafen Kalamata angegeben. Dort soll der Supertanker am kommenden Sonntag eintreffen. Ob es sich dabei um das endgültige Ziel der Reise handelt, war jedoch zunächst unklar.

Das Schiff hatte in der Nacht zum Montag die Anker gelichtet, nachdem es mehr als sechs Wochen lang wegen des Verdachts auf Bruch von EU-Sanktionen gegen das Bürgerkriegsland Syrien festgehalten worden war. Der iranische Botschafter in London, Hamid Baeidinedschad, meldete auf seiner Instagram-Seite, der Tanker sei nach 45 Tagen vor Gibraltar in Richtung internationale Gewässer unterwegs.

Laut der Regierung in Gibraltar hat der Iran zugesichert, das Öl nicht nach Syrien zu liefern. Teheran gibt an, die Ladung sei ohnehin nie für Syrien bestimmt gewesen. An die Sanktionen der EU sei der Iran jedoch ohnehin nicht gebunden.

Die USA hatten bis zuletzt vergeblich versucht, den Tanker am Auslaufen zu hindern. Trumps Regierung argumentierte, der tatsächliche Eigentümer des Tankers sei die iranische Revolutionsgarde. Das Öl an Bord sei 130 Millionen Dollar wert, die für die von den USA als Terrororganisation eingestufte Revolutionsgarde bestimmt seien.

Gibraltar hatte die Forderung der USA jedoch zurückgewiesen, den Tanker dauerhaft zu beschlagnahmen. Die britische Enklave erklärte, anders als in den USA gelte die Revolutionsgarde in der EU, in Grossbritannien und Gibraltar nicht als Terrororganisation und es gebe dort keine Entsprechung für US-Sanktionen gegen den Iran.

Fracht des Tankers soll nicht nach Syrien

Die Behörden des britischen Gebiets hatten die Grace 1 am 4. Juli mit Unterstützung britischer Spezialeinheiten aufgebracht. Nach britischen Angaben sollte der Tanker iranisches Erdöl an Syrien liefern, was gegen EU-Sanktionen verstösst.

Das oberste Gericht des britischen Überseegebiets an der Südspitze der iberischen Halbinsel hatte dem Tanker am Donnerstag freie Fahrt gewährt. Teheran hatte dem britischen Gebiet an der Südspitze Spaniens zuvor schriftlich versichert, dass die Fracht nicht nach Syrien gebracht werde.

Das Aussenministerium in London betonte, der Iran müsse sich nun an seine Zusicherung halten. Der Tanker «Grace 1» wurde inzwischen in «Adrian Darya-1» umbenannt und soll unter iranischer Flagge fahren, wie Teheran mitteilte.

Nach Auskunft der Schiffsagentur Astralship in Gibraltar, die mit organisatorischen und logistischen Aufgaben des Schiffs beauftragt wurde, sollte eine neue Besatzung bestehend aus indischen und ukrainischen Staatsangehörigen die bisherigen Seeleute an Bord ersetzen.

Hoffnung auf eine Deeskalation der Spannungen

Der Tanker wurde Anfang Juli nahe Gibraltar festgesetzt. Kurz darauf setzte der Iran seinerseits einen unter britischer Flagge fahrenden Öltanker, die Stena Impero, fest. Sie wird weiterhin von Teheran festgehalten. Analysten gehen davon aus, dass nach der Freilassung der Adrian Darya 1 auch die Stena Impero ihre Fahrt bald fortsetzen kann.

Der Fall hatte die diplomatischen Spannungen zwischen dem Iran und westlichen Staaten verschärft. Nun wächst die Hoffnung auf eine Deeskalation in dem schwelenden Konflikt zwischen dem Iran und mehreren westlichen Ländern, darunter Grossbritannien und den USA.

chk/sda

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